Das Land – ein Gedicht von Ilona Lay

Der Wald ein Stoff ein Kapital die Stämme mundgerecht zerstückt der Mond von Scheinwerfern zerpflückt auf Wüstenhängen bleich und kahl das Land von Reifenfurchen wund Schoß in den sich Pfeiler zwingen Feld an dem Traktoren wringen Moos das unter Teer verstummt des Himmels Tränen säen Gift Kelch der unsichtbar zerfällt ein Schiff in unerkannter Drift […]

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Ilona Lay: Der Marienkäfer

Und als es Winter wurde, kam er durch des Fensters Spalt herein und annektierte ohne Scham die Blumentöpfe als sein Heim. Seitdem dreht er den ganzen Tag beflissne Runden um sein Heim und blickt – weil er den Inhalt mag – auch oft ins Zuckerglas hinein. Denn während er noch fliegen kann, sind seine Opfer […]

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Liebeslauf

nach Jacques  Prévert Pour toi mon amour Liebeslauf (nach Pour toi mon amour) Im funkelnden Himmel der Vögel hat dich ein flüsternder Flügel in mein Herz getragen. Im duftenden Garten der Erde hat mich der Atem des Weißdorns mit deiner Liebe umhaucht. Im Stachelgestrüpp unseres Nestes hat sich eine Dornenkette um dein Herz gelegt. Zwischen den […]

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Treibsand

Meditation nach Jacques Prévert: Sables mouvants Rother Baron: Treibsand nach Jacques Prévert: Sables mouvants Engel und Dämonen Winde und Gezeiten gleiten in flimmernder Ferne deine schlafumschlungnen Augen ins Meer gefallene Sterne Engel und Dämonen Winde und Gezeiten im Treibsand sich kräuselnder Laken deine traumbetupften Augen unsichtbar kreisende Kraken Engel und Dämonen Winde und Gezeiten ein […]

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Oktober am Meer

Zwischen den Dünen rupft der Wind an den Blüten des Mais. Die Wellen schrein wie brechendes Eis im brennenden Hauch des Hünen. Unstete Schimmel jäh durchspringen das zuckende Licht. Gewaltig lacht des Herbstes Gesicht sich durch die verwirrten Himmel. Tief aus der Brandung heimwärts hebt sich ein schweigender Schwan. Und manchmal schenkt des Fliehenden Bahn […]

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Wintermorgen

Über Hügeln zart und leise bricht ein Strahl der Nacht Gewand, segnet – eine stumme Weise – glitzernd das entschlafne Land. Schweigt die Welt, die Vögel bangen, Rehe gehn – du hörst sie kaum –, und an Zweig und Halmen hangen Blumen wie ein ferner Traum. Wie erhaben ruhn die Wälder, wie besänftigt liegt der […]

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Silvester

Sterbendes Jahr, vielleicht der Schrei von einem erschöpften Drachen Nüstern fauchen von Nächten schwer die Zeit ein neugebor’nes Meer und Helden die gläubig den Tag entfachen. Sterbendes Jahr, vielleicht der Schrei von Vögeln die frei entfliegen Wiesen breiten ein Perlentuch die Zeit ein aufgeschlag’nes Buch und Möwen die lachend im Sturm sich wiegen. Sterbendes Jahr, […]

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Aufgang der Venus

Sie macht sich so schüchtern zum Fluge bereit, ein Funke des Lichts, das im Dunkeln gedeiht. Sie hofft auf kein Morgen und blickt auf kein Jetzt, entsprießt einem Reich, das kein Zeitschwert verletzt. Wie leise sie fleht um die Liebe der Welt, ein zitterndes Kind, das der Winter umstellt. Wie stumm sie erstickt in der […]

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Natur

Meine Braut Ein geflügeltes Pferd ist meine Braut. Ihre Mähne, glänzend von silbrigem Tang, umflackert sie fledermaushaft, wenn mit dem Sturmwind sie tanzt. Eine trächtige Kuh ist meine Braut. Ihre Augen, zwei blühende Krater, weisen den Weg zu den fruchtbarsten Weiden, zu Gärten mit Früchten, nektarschwer, und zu verborgenen Quellen, himmelsklar. Jeden umarmt sie, meine […]

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Tiere

Des Schlachthofs Rachen ein Verrat sauber sirrend Fließbandwaffen ein Schrei ein Ahnen jäh ein Straffen Blut spuckend brav ein Automat Rotoren richten monoton ein Netz das Meer aus schwarzem Sand Scheinwerfer lauern unerkannt Hochsitze wie ein Götterthron die Folter forschend zelebriert stumpf ein Leben an der Leine würgend Gift und Schutzgebärden doch nie von Menschenhand […]

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