Aufgang der Venus

Sie macht sich so schüchtern zum Fluge bereit, ein Funke des Lichts, das im Dunkeln gedeiht. Sie hofft auf kein Morgen und blickt auf kein Jetzt, entsprießt einem Reich, das kein Zeitschwert verletzt. Wie leise sie fleht um die Liebe der Welt, ein zitterndes Kind, das der Winter umstellt. Wie stumm sie erstickt in der […]

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Allerheiligen

Die Bäume befrein sich zum Himmel nun bald, Kristalle umhülln den verbrandenden Wald. Vergänglichkeit taut zu verborgenem Sinn, und Menschen spazieren besänftigt darin.   Ein Nachen stößt sacht an den irdischen Strand, und Frieden strömt aus auf das schlafende Land. Am Abend durchtanzen das zitternde Licht die Flügel, aus denen ein Weiseres spricht.     […]

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Natur

Meine Braut Ein geflügeltes Pferd ist meine Braut. Ihre Mähne, glänzend von silbrigem Tang, umflackert sie fledermaushaft, wenn mit dem Sturmwind sie tanzt. Eine trächtige Kuh ist meine Braut. Ihre Augen, zwei blühende Krater, weisen den Weg zu den fruchtbarsten Weiden, zu Gärten mit Früchten, nektarschwer, und zu verborgenen Quellen, himmelsklar. Jeden umarmt sie, meine […]

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Der Krieg

Die Stadt ein pochendes Geschwür aufbrechend der Kultur Korsett erhebt sich Kain aus seinem Bett Verrat keimt hinter jeder Tür   die Augen blendend stirbt das Wort ein Schuss im Dunkeln peitscht die Flut die Herzen schlagend: Blut! Blut! und Münder klaffend: Mord! Mord!   Vulkan der aufplatzt kreißt der Schlund ein roter Hengst entsteigt […]

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Tiere

Des Schlachthofs Rachen ein Verrat sauber sirrend Fließbandwaffen ein Schrei ein Ahnen jäh ein Straffen Blut spuckend brav ein Automat Rotoren richten monoton ein Netz das Meer aus schwarzem Sand Scheinwerfer lauern unerkannt Hochsitze wie ein Götterthron die Folter forschend zelebriert stumpf ein Leben an der Leine würgend Gift und Schutzgebärden doch nie von Menschenhand […]

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Gottesphantasie

Wärst Du ein Zaub’rer, Herr – den Reichen hauchtest gewiss den weichen Wunsch Du heimlich ins Herz, sich tief in Dein Wolln zu schleichen, den Wunsch, zu tilgen der Welten Schmerz. Lächelnd aus ihren Höhlen hießen dann sie auf Schiffen, breit wie ein Kloster, fließen ihr Geld in die Länder der Armen ganz, dass unter […]

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November

November – Dein Atem klettert im Seidengeäst der Büsche und Deine Träume schimmern über dem Segel der See. November – Deine Gedanken flattern im wortlosen Lied des Windes und Deine Wünsche zittern auf dem zerfließenden Weg. November – Deine Gewänder ruhen zwischen dem brüchigen Laub. Und Deine Gebete wandeln im reiferen Strahl des Mondes.   […]

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Christian

Der Morgen mühsam buchstabiert auf Fibeln ein gehetztes Brot gähnend eine Uhr die droht Unterricht ein Mund der friert die Schrift ein regelloser Klecks Tadel pädagogisch warm formt ihn ein geschulter Arm vorschriftsmäßig stempelnd – Sechs der Schulhof Blicke aus Beton sauber ordnend hallt ein Gong fängt das Jahr von vorne an Schultüten lachen friert […]

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Pan im Herbst

Und wenn von des Jahres verwegenem Wagen dann nichts als der Winde verlorenes Klagen, wie Stimmen der Leere, das Land noch umstrahlt, scheint oft er, im Regen verweilend, zu fragen nach ihr die Au’n, die das Jahr ihm ins Herz hat gemalt. Denn ob ihm auch alle die Nymphen der Haine und Flure gefalln und […]

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Ilona Lay: Vorstadttag

Dieser Gedichtszyklus besteht aus Sonetten zum Thema Alltag in einer tristen Vorstadt. Aus dem Lyrikband Versunken von Ilona Lay. I. Morgen Der Morgen über jähen Trümmern schnellt herab des Lichtes Schwert wärmelos des Tages Herd ein Kuss wie ein verborgnes Wimmern kreischt ein Zug in dunklen Schächten weltlos Mauern aus Papier zuckend ein gefangnes Tier […]

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