Protesilaos und Laodameia

  Den Spruch des Orakels erfüllend, wonach der Grieche, der als Erster trojanischen Boden betreten werde, auch als Erster getötet werde, war Protesilaos im Krieg um Troja gefallen. Als seine untröstliche Frau Laodameia, mit der er sich gerade erst vermählt hatte, sich daraufhin eine Holzstatue schuf, die ihr den Geliebten ersetzen sollte, erbarmten sich die […]

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Ilona Lay: An Eos

  An Eos Einsam meistens erstrahlt, Göttin! der Welt dein Kleid, dass sein Tatengeflecht webe der Tag darein. Selten hüllt sich der Menschen Kinder eines in dein Gewand, statt im purpurnen Rausch deines Erwachens still nur zu zittern wie Gras, wenn deinen Hauch es spürt. Denn, wer lauscht deinem Atem, brennend liebst du zu Tode […]

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Ilona Lay: Sisyphos

In einer dreiteiligen Reihe veröffentlichen wir ab heute einen kleinen dichterischen Streifzug von Ilona Lay durch die griechische Mythen- und Sagenwelt.   Sisyphos Doch unaufhaltsam brandet zurück der Stein … Vernichtet trauert er um den toten Traum, bis er, den Schicksalsgöttern folgend, neu in sein Sein des Versuchs sich findet. Und stets am Anfang, Ameisen […]

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Ilona Lay: Der Marienkäfer

Und als es Winter wurde, kam er durch des Fensters Spalt herein und annektierte ohne Scham die Blumentöpfe als sein Heim. Seitdem dreht er den ganzen Tag beflissne Runden um sein Heim und blickt – weil er den Inhalt mag – auch oft ins Zuckerglas hinein. Denn während er noch fliegen kann, sind seine Opfer […]

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Unruhen

Vor Bajonetten schwelt ein Brand Uniform die starr verwaltet Morgenglut die jäh erkaltet blutend Rinnsale im Sand „Tot!“ – Ein Blitz im trocknen Wald zeugt sich fort mit Feuerfingern Herzen die im Leeren schlingern Wort das ungesagt verhallt verlassne Räume taub und blind aus leeren Augen weint der Wind ein Bild fängt stumm zu lachen […]

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Oktober am Meer

Zwischen den Dünen rupft der Wind an den Blüten des Mais. Die Wellen schrein wie brechendes Eis im brennenden Hauch des Hünen. Unstete Schimmel jäh durchspringen das zuckende Licht. Gewaltig lacht des Herbstes Gesicht sich durch die verwirrten Himmel. Tief aus der Brandung heimwärts hebt sich ein schweigender Schwan. Und manchmal schenkt des Fliehenden Bahn […]

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Ilona Lay: Religion

Gebete wie ein Kind das droht aufschluchzend dunkle Bittgesänge Arme züngeln infrarot schwebt ein Guru durch die Menge der Himmel klaffend stahlumringt Steinplatten auf des Grabes Gräsern Pendel das durch Nacht sich schwingt klirrt ein Geist in alten Gläsern der Abend eines Raubtiers Wildern grinst ein Traum in stummen Bildern und Geheimnisse gerinnen Mönche flüstern […]

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Wintermorgen

Über Hügeln zart und leise bricht ein Strahl der Nacht Gewand, segnet – eine stumme Weise – glitzernd das entschlafne Land. Schweigt die Welt, die Vögel bangen, Rehe gehn – du hörst sie kaum –, und an Zweig und Halmen hangen Blumen wie ein ferner Traum. Wie erhaben ruhn die Wälder, wie besänftigt liegt der […]

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Silvester

Sterbendes Jahr, vielleicht der Schrei von einem erschöpften Drachen Nüstern fauchen von Nächten schwer die Zeit ein neugebor’nes Meer und Helden die gläubig den Tag entfachen. Sterbendes Jahr, vielleicht der Schrei von Vögeln die frei entfliegen Wiesen breiten ein Perlentuch die Zeit ein aufgeschlag’nes Buch und Möwen die lachend im Sturm sich wiegen. Sterbendes Jahr, […]

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Aufgang der Venus

Sie macht sich so schüchtern zum Fluge bereit, ein Funke des Lichts, das im Dunkeln gedeiht. Sie hofft auf kein Morgen und blickt auf kein Jetzt, entsprießt einem Reich, das kein Zeitschwert verletzt. Wie leise sie fleht um die Liebe der Welt, ein zitterndes Kind, das der Winter umstellt. Wie stumm sie erstickt in der […]

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