Ilona Lay: An Eos

 

An Eos

Einsam meistens erstrahlt, Göttin! der Welt dein Kleid,
dass sein Tatengeflecht webe der Tag darein.
Selten hüllt sich der Menschen
Kinder eines in dein Gewand,

statt im purpurnen Rausch deines Erwachens still
nur zu zittern wie Gras, wenn deinen Hauch es spürt.
Denn, wer lauscht deinem Atem,
brennend liebst du zu Tode ihn.

Winde flüsterst du reich auf seiner Seele Meer,
dass sie himmelan bebt unter des Ahnens Macht,
nahe deinem Gemach und
dürstend einzig nach deinem Quell.

Ganz erfüllst du mit dir stets seiner Augen Licht,
dass in deinem Gesicht alles sich spiegelt ihm.
Brände selbst eines Abends
scheinen deines Gesangs ihm voll.

Oder wenn er erkennt träumend den Sinn der Nacht,
immer treibt ihn die Macht deines Erwachens doch
tiefer noch in der Weisheit
Schlund, als andere Lauscher sonst.

Endlich aber, verlockt von deines Thrones Glut,
alles hat er durchstreift auf seinem Feuerross,
dass gelebt ihm sein Leben
scheint, noch eh‘ er erlebt es hat.

Greis im Geiste, verwehn wird er in deinen Schoß,
stumm zu funkeln aus dir, Sternen der Frühe gleich.
Unberührt bleibt sein Leib, und
ewig ist er ein Jünger dir.

 

Bild: Künstlerische Darstellung eines neugeborenen Sterns, umrandet von einer protoplanetarischen Scheibe. Quelle und Copyright: eso.org

 

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