Der weiße Gartenfürst

Zur Erinnerung an meinen Kater Homo

Vor einem Jahr ist Homo verstorben, mein weißer Katzenprinz – kurz nach seinemIMG_0388 Freund Blacky, mit dem er jahrelang als Yin und Yang der Katzenwelt durch die Walachei getigert ist. Nun schweifen sie miteinander durch die ewigen Jagdgründe.

Es gibt eine Reihe von Dingen, die mir an Homo fremd waren. Er war alles andere als ein Vegetarier, er bestand darauf, seinen Pelz bei Wind und Wetter der frischen Luft auszusetzen, und er war gegen jede Form von Willkommenskultur. Übertraten fremde Kater die Grenze zu seinem Reich, so rief er so laut nach Abschiebung und Rückführung, dass jeder bayrische Kraftprotz vor Neid erblasst wäre.

GenießerAuf der anderen Seite gab es aber auch vieles, das Homo an mir fremd war. So konnte er nicht verstehen, warum ich den feinen Joghurt, den auch er durchaus zu schätzen wusste, regelmäßig mit einem Vogelfutter namens „Müsli“ verunstalten musste. Auch dass man zum Kuscheln auf der Couch ein Gerät einschalten musste, aus dem fremde Stimmen in die Streichelstube plärrten, stieß bei ihm auf Unverständnis. Und wozu brauchte man ein Auto, wenn man doch auch im Kühlschrank die feinsten Hühnerfilets ernten konnte?

Das Wunderbare an unserer Beziehung war, dass wir uns trotzdem so gut aufeinander eingestellt haben, dass jeder in dem Gesicht des anderen lesen konnte. Homos Stimmungen sprachen für mich genauso aus seinen Gurr- und Maunzlauten und seiner für einen Kater ungewöhnlich ausdrucksstarken Mimik, wie er meine Gefühlslage aus meiner Stimme und meinen Gesichtszügen herauslesen konnte.

Mit der Zeit hat sich zwischen uns ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickelt, von Relaxdem wir beide profitiert haben. Ich konnte von ihm die Kunst des Yogas und des genießerischen Lebens im Hier und Jetzt lernen. Und er hat sich von mir stets widerstandslos die Medikamente einträufeln lassen, die er in seinen letzten Jahren zum Überleben brauchte.

So war meine Beziehung zu Homo eine Art von Freundschaft über die Grenzen der Spezies hinweg. Ich weiß, das klingt merkwürdig. Für mich gäbe es allerdings einige Freundschaften innerhalb meiner Spezies, die mir noch viel merkwürdiger vorkämen – etwa eine Freundschaft mit einem der soziopathischen Plattmacher, die sich derzeit ein Land nach dem anderen zur Beute machen.

Deshalb halte ich es durchaus für vertretbar, an dieser Stelle meinem Drang nach einer würdigen Begehung des Gedenktags für meinen weißen Gartenfürsten nachzugeben. Ich tue dies mit ein paar kurzen Zeilen, die kurz nach dem Verlust meines Katerkumpels entstanden sind.

 

Der Tod ist ein leerer Raum.

Ein Raum, der erfüllt ist von deiner Anwesenheit,
obwohl du nie mehr anwesend sein wirst.
 
Ein Raum, in dem alles von dir erzählt,
obwohl du nichts mehr erzählen kannst.
 
Ein Raum, der deinen Blick auf die Welt bewahrt,
obwohl du sie nie mehr anblicken wirst.
 
Ein Raum, der das Leben nachäfft,
das mit dir die Welt verlassen hat.

Eine Antwort auf „Der weiße Gartenfürst

  1. R. Schmitt

    Was für ein wundervoller Text. Ich hatte Tränen in den Augen. Ich hatte selbst jahrelang eine Siamkatze (Leila), Es ist – wie Sie beschreiben – man findet einen Weg der Kommunikation, und das ist faszinierend und beglückend. Nach dem Tod fehlen unsere tierischen Freunde wie ein Familienmitglied. Nach einer Zeit der Trauer, ist man dankbar für die Zeit, die man mit seinen Katzenfreunden verbracht hat.

    Gefällt 2 Personen

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