Nebelzauber

Auszüge aus dem Roman Überdreht – wie Außerirdische die Welt mit Windrädern erobern wollten/3

Maggie Rhode, Protagonistin in dem Roman „Überdreht“, war einst aus der Stadt aufs Land gezogen, um der Natur näher zu sein. Bei einem Spaziergang durch den Wald genießt sie den Schleier des Nebels, durch den die neu errichteten Windkraftanlagen verdeckt werden.

Hörfassung

Worum es geht

Nach der Erfindung einer Verjüngungspille drohen auf dem Planeten Kado­han Platz und Ressourcen knapp zu werden. Einziger Ausweg: die Suche nach einem Ersatzplaneten. Dabei fällt die Wahl auf den Planeten „Erde“. Leider ist dieser aber bereits bewohnt …

Verwandlungen

Wie festgewachsen hingen die Nebelgewänder in dem Gerippe der Eichen. Es war, als würde ihr knorriges Skelett von dem Atem einer fremden Zauberin umweht, der es wiederbelebte und zu­gleich in andere, nie gesehene Lebensformen verwandelte. Schwerelos schlängelten sich die dunklen Arme durch das wo­gende Nichts, hier und da umflattert vom Tanz eines Blattes, das sich zu sei­ner letzten Reise aufmachte.

Die Höhle des Nebels

Maggie atmete tief durch. Sie war froh um den Nebel, der am Morgen aufgezogen war. Zwar deutete das, wie sie sehr wohl wusste, auf einen sonnigen, leuchtenden Tag hin. Zumindest für diesen Morgenspaziergang durch den Wald fand sie aber Zuflucht in der Höhle des Nebels.

Ein paar Stunden lang konnte sie sich vorstellen, dass alles wieder wie früher war: dass es hinter dem dürren Blätterkleid der Bäume nicht blinkte und blitzte wie an einer Autobahnbau­stelle; dass die breite Trasse, auf der sie ging, nicht für den Transport der stäh­lernen Riesenpfähle und -flügel von Windkraftanlagen durch den Wald geschla­gen worden war; dass die Anhöhe am Ende des We­ges nicht von Windkraftan­lagen gepfählt war, sondern noch im­mer den freien Flug der Blicke über das Wellenmeer der Hügel ermöglichte.

Leben hinter Stahlbetongittern

Sie hatte den Nebel schon immer gemocht: dieses Innehalten des Lebens, durch das die Dinge sich wie in sich selbst zurückzogen und eben dadurch in ihrem Wesen erkennbar wurden. Das Pro­blem war nur, dass die Schönheit der Natur mittlerweile aus­schließlich durch den Filter einer Nebelphantasie erahnbar war.

Die Zuckerwatteträume eines Wintermorgens, das geisterhafte Flirren ei­nes heißen Sommertages, das Wunder des frühlingshaf­ten Erwachens, wenn aus dem Nichts des Winters auf einmal wieder Leben em­porspross – all das wurde überschattet von den gewal­tigen Stahlbetongittern, die nur einen einzi­gen Zauber kannten: den der Verwandlung von bewegter Luft in industriell verwertbare Energie.

Hörfassung auf literaturplanetpodcast.com: Teil 2, Kapitel 3 und 4

PDF, Ebook, Druckfassung

Interview mit der Autorin (PDF, S. 45 – 49)

Bild: Free Fotos: Forest (Pixabay)

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