In der Sturmflut des Krieges

Im Krieg ertrinkt das einzelne Leben in einem Zahlenmeer: in Statistiken über Heeresstärken und Gefallene, „zivile Opfer“ und „Kollateralschäden“. Menschen werden nur noch als Futter für das Feuer des Krieges wahrgenommen, ihre Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit wird negiert.

In der Sturmflut des Krieges

Er war dein Sohn,
dein Zukunftsanker
im Meer des Vergehens.
Haltlos treibst du nun
in den Wogen des Vergessens.

Er war dein Vater,
deine Leuchtboje
im Meer der Finsternis.
Ziellos treibst du nun
in den Wogen der Ungewissheit.

Er war dein Bruder,
dein Spiegelbild
im Meer der Fremdheit.
Wurzellos treibst du nun
in den Wogen der Fragen.

Er war dein Freund,
deine Liebesinsel
im Meer des Hasses.
Schutzlos treibst du nun
in den Wogen der Gewalt.

Er war alles für dich.
Für sie aber war er nur
ein Tropfen im Meer,
der Splitter eines Treibguts
in den Wogen des Krieges.

Englische Version

Bild: Stefan Keller: Trauer/Grief (Pixabay)

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