Grenzen und Grenzzäune erscheinen uns als etwas ganz Normales. Blickt man jedoch mit den Augen einer anderen Spezies darauf, sieht die Sache ganz anders aus. Dann enthüllt sich auf einmal die Lächerlichkeit des nationalen Pathos, mit dem in der Menschenwelt Grenzen verteidigt werden.
Der Rabe
Erstaunt von einem Wipfel sah
ein Rabe auf der Menschen Tun;
die wollten rasten nicht und ruhn,
man sah sie hier, man sah sie da
errichten einen hohen Zaun,
verteilen Glas und Stacheldraht –
obwohl kein Feind ihr Land betrat –,
hernach noch ein paar Türme baun,
die starren Blickes mussten dann
umstehn das steinerne Gesetz
als Knoten in dem engen Netz.
Dies sah der Rabe staunend an.
Es lauerte die Festung schon,
da sah er hoch von seinem Baum
sie an wie einen bösen Traum
und überflog sie wie zum Hohn.