Ein Gespräch mit einer Südseeschönheit
Die „Gespräche mit Paula“ kreisen um die Sicht einer echten oder vermeintlichen Südseebewohnerin auf das Leben in Europa. Obwohl der Erzähler sich lieber an der Schönheit der Fremden ergötzen würde, verwickelt diese ihn immer wieder in Gespräche über die scheinbaren Selbstverständlichkeiten seines Alltags.
„Als ich Paula zum ersten Mal gesehen habe, war ich gerade auf dem Weg zum Kiosk an der Ecke, um mir meine Morgenzeitung zu holen. Da kam mir Paula plötzlich auf der Straße entgegen.
Mit ihrem Wickelkleid, auf dem exotische Vögel in knallbunten Farben schrien, dem wie aus Ebenholz geschnitzten Gesicht, den dichten schwarzen Haaren, in denen das Sonnenlicht Funken zu schlagen schien, und ihren geschmeidigen Füßen, deren Glätte einen auffallenden Kontrast zu dem rissigen Asphalt bildete, wirkte Paula so fremdartig auf mich, dass sie mir vorkam wie eine Halluzination.
Ich konnte die Augen nicht von ihr wenden, ihre Erscheinung fesselte meinen Blick – und so war es auch nicht weiter erstaunlich, dass Paula mich ansprach. „Sagen Sie“, fragte sie mich mit dem getragenen Singsang, der all ihre Sätze durchzieht, „bin ich hier richtig in Europa?“
So beginnt die Freundschaft zwischen dem Erzähler und Paula, der ominösen Fremden. Wie sich herausstellt, kommt sie – so behauptet sie zumindest – von einer Südseeinsel, die bislang noch unentdeckt geblieben ist. Da jedoch die Begegnung mit der übrigen Welt in Zukunft kaum mehr zu vermeiden sein wird, ist sie ausgesandt worden, um die fremde Welt zu erkunden und die anderen Menschen auf ihrer Insel auf die Begegnung vorzubereiten.
Nach ihrem ersten Besuch reist Paula noch etliche weitere Male zu dem Erzähler. Dabei kommt es immer wieder zu Gesprächen über Dinge, die für den Erzähler alltäglich sind, bei Paula – deren Inselleben auf ganz anderen Voraussetzungen beruht – aber Erstaunen auslösen.
Ausschnitt aus dem Text
„Du meinst, all diese Obstbäume gehören einem einzigen Menschen?“ staunte Paula.
„Ja – oder einer Eigentümergemeinschaft“, nickte ich. „Auf jeden Fall ist das hier kein Gemeindeland.“
Paula runzelte missbilligend die Stirn. „Warum müsst ihr nur immer alles besitzen …“
„Gibt es auf eurer Insel etwa keinen Besitz?“ fragte ich etwas unwillig zurück. Schließlich war man ja nicht gleich ein knallharter Materialist, nur weil man ein kleines Wiesenstück sein Eigen nannte.
Ganzer Text als PDF:
Die Egoismusfalle Herunterladen
Begleitband mit vertiefenden Essays zu den einzelnen Gesprächen: Palmweinphilosophie
Bild: Rudowłosa Pickność von Katarzyna Bruniewska