Unerwartete Begegnung / Unexpected Encounter

Mord im Reichstag, Kapitel 5 / Murder in the German Parliament, Chapter 5

Der Tote, den Lidia Afanasjewna im Reichstag gefunden hat, soll sich nach Lutz‘ Informationen häufiger im Rotlichtviertel um den Bahnhof Zoo herumgetrieben haben. Was Lidia Afanasjewna dort entdeckt, wirft aber zunächst einmal ganz neue Fragen auf.

According to Lutz, the dead man Lidia Afanasyevna found in the Reichstag is said to have frequently visited the red-light district around Bahnhof Zoo (Zoo station). What Lidia Afanasyevna discovers there, however, at first only raises completely new questions.

English Version

Heißer Informanten-Tipp

Lidia Afanasjewna empfand eine stille Genugtuung. Glücklicherweise hatte das Wetter sich nicht an das Diktat seiner Propheten gehalten und war über Nacht umgeschlagen. Mildere Westwinde hatten sich über alle Statistiken und Algorithmen hinweggesetzt und – wie es die Wetterauguren wohl ausgedrückt hätten – einen Keil in die herrschende Kaltfront geschlagen. So war an die Stelle des pöbelnden Ostwinds nun ein scheuer Nebel getreten, der orientierungslos um die Gebilde des städtischen Lebens tastete.
Die Luft war so feucht, dass man in den Lichtkegeln der Straßenlaternen feinste Tröpfchen tanzen sehen konnte. Fast war es Lidia Afanasjewna, als würde sie an einer Hafenmole entlangspazieren.
Die zuckenden Lichter, die sich hier und da in den Nebel hineinfraßen, nahm sie als Leuchtbojen wahr, die den Fischern bei der Einfahrt in den Hafen den Weg wiesen. Und die Körper, die sich immer wieder aus dem Nichts des Nebels materialisierten und sich dann wie in einem obszönen Traum darboten, waren für sie wie Schiffe, die den Winter über am Kai vertäut waren und von den gegen die Hafenmauer schlagenden Wellen geschaukelt wurden. Bei einigen hatte sie allerdings Zweifel, ob es im Frühling gelingen würde, sie noch einmal seetüchtig zu machen.
Ja, Lutz hatte Wort gehalten. Gleich nach ihrer Unterhaltung hatte er seinen Bekannten vom Sicherheitsdienst angerufen und ihn zu dem verstorbenen Politiker befragt. Tatsächlich war diese „Quelle“, wie Lutz sich ausdrückte, nicht ganz unergiebig gewesen. „Ich sage nur: Bahnhof Zoo“, hatte er am Telefon geraunt.
Natürlich war Lidia Afanasjewna sofort klar gewesen, dass Lutz damit nicht auf konspirative Treffen im Zoologischen Garten oder den Schmuggel seltener Tierarten anspielte. Dafür kannte sie ihre neue Heimatstadt mittlerweile schon zu gut.
Allerdings erschien ihr die Vorstellung, dass ein Mitglied des deutschen Bundestags in dieser Schmuddelecke der Stadt nach Drogen oder käuflichem Sex suchen könnte, doch etwas zu abenteuerlich. Solche Leute hatten dafür doch ganz andere Möglichkeiten! Wer genug Geld hatte, würde wohl eher diskret einen speziellen Zimmerservice ordern – zumal man als Politiker auch stets Gefahr lief, erkannt und an die Medien verkauft zu werden. Oder war es denkbar, dass eben diese Gefahr der Reiz war, der Kick, den jemand suchte, der sein Leben sonst in einem sterilen, wohlbehüteten Umfeld verbrachte?
„Pass auf“, hatte Lutz – ganz der MfS-Offizier, der einen Einsatzplan bespricht – Lidia Afanasjewna am Telefon erklärt. „Wir treffen uns heute Abend um Punkt 19.30 Uhr am Bahnhof Zoo, Ausgang Hardenbergplatz. Dann können wir gemeinsam nach möglichen Kontaktpersonen des Toten suchen.“
Lidia Afanasjewna konnte sich schon denken, wie Lutz das anstellen wollte. In ihrer Anfangszeit in Deutschland – ihre Töchter gingen damals noch zur Schule, und sie sprach noch nicht so gut Deutsch – hatte Lutz ihr einmal bei einem Konflikt mit der Klassenlehrerin beistehen wollen. Eine ihrer Töchter hatte die Lehrerin falsch verstanden und war am Tag des Klassenausflugs nicht an der Bushaltestelle erschienen, sondern zur Schule gegangen, in der Annahme, es handle sich um einen „Subbotnik“, einen Putztag.
Die Lehrerin glaubte die Geschichte nicht und unterstellte stattdessen absichtliches Schwänzen. Lutz war damals einfach ins Lehrerzimmer gestürmt und hatte sich vor dem versammelten „Lehrerkollektiv“ nicht nur für den guten Charakter seiner Schutzbefohlenen verbürgt, sondern gleich auch noch die Vorzüge der sozialistisch-humanistischen Persönlichkeitsbildung herausgestellt. So nett dies von seiner Seite aus auch gemeint war – für die Integration ihrer Töchter war es doch nicht gerade hilfreich gewesen.

Im Nebel des Bahnhofs Zoo

Um derartige Peinlichkeiten dieses Mal zu vermeiden, hatte Lidia Afanasjewna ein Unwohlsein vorgetäuscht und sich lieber allein auf den Weg zum Bahnhof Zoo gemacht. Eigentlich hatte sie sogar vorgehabt, sich überhaupt nicht mehr mit der Angelegenheit zu befassen. Aber dann hatte sie, als sie nach dem Mittagessen kurz weggedämmert war, plötzlich wieder in die Augen des Toten gesehen, in diese Augen, die sie durchbohrten, ohne sie anzuschauen. Und die stumme Frage, die aus ihnen sprach, hatte sie dann den ganzen Nachmittag über verfolgt.
So hatte sie sich am Ende doch dazu durchgerungen, der Bahnhofsspur nachzugehen. Wahrscheinlich, dachte sie, würde ohnehin nichts dabei herauskommen. Wer sagte denn, dass der Informant von Lutz nicht ein ebensolcher Aufschneider war wie dieser, jemand, der sich mit Wissen brüstete, das in Wahrheit nichts als eine diffuse Gerüchtewolke war – die sich auflösen würde, sobald man sie von Nahem betrachtete?

Als Lidia Afanasjewna am Bahnhof ankam, sah sie sich allerdings zunächst mit einem ganz anderen, praktischeren Problem konfrontiert. „Was bin ich nur für ein Einfaltspinsel!“ beschimpfte sie sich selbst. Erst jetzt fiel ihr auf, wie aussichtslos, ja undurchführbar ihr Vorhaben war. Sollte sie etwa alle aufreizend gekleideten Damen fragen, ob sie käuflichen Sex anbieten? Ob sie es schon einmal mit einem Politiker getrieben hätten? Und ob darunter – rein zufällig – auch der Mann auf diesem Zeitungsfoto hier gewesen sei? Oder sollte sie sich vielleicht bei allen abgerissenen, irgendwie drogenabhängig wirkenden Gestalten nach Personen erkundigen, die mit Drogen dealen?
Hinzu kam, dass der Bahnhof selbst offenbar gar nicht der Ort war, an dem man um Honorare für bestimmte Stellungen feilschte oder den ultimativen Drogenkick feilbot. Und wenn, dann wurden diese Aktivitäten von dem Dschungel der An- und Abreisenden, dem Rattern der Rollkoffer, die atemlose Reisende hinter sich herzogen, dem Dröhnen der Lautsprecher und dem Quietschen der einfahrenden Züge schlicht verschluckt.
Die Umarmungen, die hier zu bestaunen waren, waren eher schmonzettenhafter Art, sie kreisten um das ewige Rad aus Ankunft und Abschied. Und wenn an diesem Ort eine Sucht zu beobachten war, so betraf diese eher das geisterhafte Licht der Smartphones, den Zwang, den Augenblick festzuhalten, anstatt ihn zu erleben, oder ihn gleich ganz wegzuwerfen, indem man sich in das Gerät hineinsaugen ließ und den wirklichen Augenblick gegen die Inszenierung künstlicher Augenblicke eintauschte.
Missmutig beschloss Lidia Afanasjewna, ihre fruchtlose Suche in die Umgebung des Bahnhofs zu verlagern. Im Grunde war das nur ein Vorwand, um diesen hektischen Ort schnellstmöglich verlassen zu können. Wenn man selbst kein Reisender war, kam man sich unter all den Reisefiebernden vor wie bei einer Party, auf der man niemanden kannte. Innerlich hatte sie ihr Vorhaben da schon längst ad acta gelegt. Es war eine Art geordneter Rückzug, der Versuch, das alberne Detektivspiel in einem gesichtswahrenden Spaziergang ausklingen zulassen.
Sie überquerte den Platz vor dem Bahnhof, ging ein Stück am Zoo entlang und bog dann in die Budapester Straße ein. Nebelschwaden umflossen die Gedächtniskirche, bedeckten deren aufgerissenes Haupt und zogen sie in eine schwerelose Welt hinüber, wo sie als gespenstischer Traum preußischer Herrlichkeit wiederauferstand.
Ohne es zu merken, bog Lidia Afanasjewna in die Kurfürstenstraße ein. Sie ließ sich einfach treiben, in dem unbestimmten Vorhaben, an der nächsten U-Bahn-Station den Zug nach Hause zu nehmen und die ganze Angelegenheit bei einem heißen Tee zu vergessen. Wenn es auch im Vergleich zum gestrigen Tag deutlich wärmer geworden war, so entfaltete die feuchtkalte Luft doch auch nicht gerade die Wirkung einer Wohlfühl-Oase.

Der Spiegel der Vergangenheit

Die unmittelbare Umgebung des Bahnhofs hatte recht wenig mit einem Sündenpfuhl zu tun. Erst als Lidia Afanasjewna die Kurfürstenstraße erreichte, leuchtete hier und da der Torso eines halbnackten Leibes aus dem Nebel heraus. Man hätte die Körper für verwitterte Statuen halten können, die hier einst zur Feier der Namensgeber dieser Straße aufgestellt worden waren. Die Illusion blieb allerdings nur so lange bestehen, wie man über das wenig statuenhafte Frösteln der Wartenden hinwegsah. Manche der Schein-Statuen bibberten so stark, dass sie den Freiern vielleicht sogar Geld geboten hätten, wenn diese sie endlich von der Kälte erlöst hätten.
Lidia Afanasjewna musste an ihre eigenen ersten Erfahrungen mit derart freizügiger Kleidung denken. Sie konnte sich noch gut an das Kribbeln auf ihrer Haut erinnern, das sie gespürt hatte, als die Männer des nahen Städtchens sie mit den Blicken ausgezogen hatten. Und sie fühlte noch genau die Hitze, die sich auf ihrer Wange ausgebreitet hatte, nachdem ihre Mutter sie in dem Nichts an Kleidung ertappt hatte. Dabei hatte sich in ihren Augen zunächst nur echte Besorgnis gespiegelt, die Angst vor den unabsehbaren Folgen, die solche Balzkleidung nach sich ziehen konnte. Die Ohrfeige hatte es erst gesetzt, als Lidia Afanasjewna ihrer Mutter vorgehalten hatte, sie sei doch bloß neidisch, weil sie selbst derartige Kleidung nicht mehr tragen könne.
Heute konnte sie ihre Mutter verstehen – vor allem, weil sie nun selbst nicht mehr in dem besten Alter für eine Bekleidung war, die der Nacktheit eine Bühne bot, anstatt von ihr abzulenken. Zwar war es keineswegs so, dass ihr Körper seine Form verloren hätte. Für eine Frau ihres Alters war sie, wie sie fand, noch immer recht wohlproportioniert. Was ihr die Lust an freizügigerer Kleidung nahm, war eher die Tatsache, dass die Neugier auf das Leben nicht mehr so stark in ihr brannte, dass sie keinen Spaß mehr hatte an dem Kitzeln der Sonne auf ihrer Haut, an dem Einreißen der Schranken zwischen Ich und Welt, der wohligen Vermählung mit dem Kosmos.
Warum sie wohl gerade jetzt an diese Dinge dachte? Vielleicht, weil das Mädchen da vorne, das halb von dem Licht einer Bar angestrahlt wurde, sie an sich selbst erinnerte, an ihre eigene Jugend. Es war nicht so sehr die Kleidung, dieser negligéhafte Stoff-Fetzen mit den Lackstiefeln darunter, in dem sie sich wiedererkannte. Es war eher etwas in der Haltung der jungen Frau, in dem trotzigen, die eigene Schüchternheit überspielenden Exhibitionismus, das für sie wie ein Blick in den Spiegel war.
Auch das Gesicht des Mädchens kam ihr irgendwie vertraut vor, obwohl sie es zunächst nur im Profil sehen konnte. Je näher sie kam, desto mehr hatte sie das Gefühl, auf eine Doppelgängerin zuzulaufen, auf einen Zwilling, der sie in die Tiefe ihrer eigenen Vergangenheit hinabzog.
An den anderen leicht bekleideten Damen in der Straße hatte sie dezent vorbeigeschaut. Dieses Mal aber konnte sie nicht anders, als genauer hinzusehen. Die junge Frau hatte etwas an sich, das sie unwiderstehlich anzog: Sie schaute ihr direkt ins Gesicht.
Als ihre Blicke sich trafen, versuchten sie beide, den Augen der anderen auszuweichen. Aber es war zu spät. Ein paar endlose Sekunden lang herrschte Schweigen, dann fragte die junge Frau tonlos: „Mama?“

Fortsetzung folgt nächsten Dienstag

English Version

Unexpected Encounter

Secret Information

Lidia Afanasyevna felt a sense of triumph. Fortunately, the weather had not adhered to the dictates of its prophets and had changed overnight. Mild westerly winds had defied all statistics and algorithms and put the icy winter gods to flight. Thus, the raging east wind had now been replaced by a shy mist that groped aimlessly around the structures of urban life.
The air was so humid that you could see the tiny droplets dancing in the cones of light from the street lamps. It almost felt to Lidia Afanasyevna as if she were walking along a harbour pier.
The twitching lights that pierced the fog here and there appeared to her as light buoys showing the fishermen the way back into the harbour. And the bodies that materialised every now and then out of the misty void and then presented themselves as if in an obscene dream seemed to her like ships moored to the quay for the winter and rocked by the waves crashing against the harbour wall. In the case of certain sloops, however, she doubted whether they could be made seaworthy again in spring.
Lutz had indeed kept his word. Immediately after their conversation, he had called his acquaintance from the security service and asked him about the deceased politician. In fact, this „source“, as Lutz put it, had provided a starting point for their search . „I just say: Bahnhof Zoo – Zoo station“, he had whispered on the phone.
Of course, Lidia Afanasyevna had immediately realised that Lutz was not referring to conspiratorial meetings in the zoo or the smuggling of rare animal species. „Bahnhof Zoo“ meant „sex and drugs“ – that’s one of the first things she had learned after arriving in her new hometown.
However, the idea that a member of the German Bundestag could be looking for drugs or sex for sale in this dirty corner of the city seemed a little too adventurous to her. Surely those people had much more convenient ways to satisfy their needs! With enough cash in hand, you would rather discreetly order a special room service – especially in the world of politics, where everyone is constantly at risk of being recognised and sold to the media. Or was precisely this danger the attraction, the thrill sought by someone accustomed to spending his life in a sterile, well-protected environment?
„Listen up,“ Lutz had explained to Lidia Afanasyevna in his secret service tone. „We’ll meet tonight at 7.30 at Bahnhof Zoo, exit Hardenberg Square. Then we can search together for possible contacts of the deceased.“
Lidia Afanasyevna already had an inkling of how Lutz would proceed. In her early days in Germany – her daughters were still schoolchildren at the time and she didn’t speak German very well – Lutz had once tried to help her in a conflict with the class teacher. One of her daughters had misunderstood the teacher and had not turned up at the bus stop on the day of the class trip, but had gone to school, thinking it was a „subbotnik“, a cleaning day.
The teacher did not believe the story and instead accused her daughter of deliberate truancy. Thereupon, Lutz had simply stormed into the teachers‘ room and not only vouched for the good character of his protégé in front of the „teachers‘ collective“, but also emphasised the advantages of socialist-humanist personality formation Lidia Afanasyevna’s daughter had enjoyed so far. As kindly as this was meant on his part, it was not exactly helpful for the integration of her daughters.

In the Fog of the Zoo Station

To avoid such embarrassment this time, Lidia Afanasyevna had feigned indisposition and preferred to make her way alone to Bahnhof Zoo. Actually, she had even intended not to engage with the matter at all. But then, when she had dozed off briefly after lunch, she had suddenly looked into the dead man’s eyes again, into those eyes that pierced her without looking at her. And the silent question that spoke from them had then haunted her throughout the afternoon.
So in the end, despite all her doubts, she had made up her mind to go to the station. Probably, she thought, this would turn out to be an ordinary excursion anyway. After all, how could she be sure that Lutz’s informant wasn’t just as much of a braggart as the latter, someone who boasted of knowledge that was in reality nothing but a diffuse cloud of rumour – which would dissipate as soon as one looked at it more closely?


When Lidia Afanasyevna arrived at the station, though, she was confronted with a completely different, more practical problem. „What a simpleton I am!“ she berated herself. Only now did it occur to her how hopeless, indeed unworkable, her plan was. Was she supposed to ask all the seductively dressed ladies if they offered sex for sale? Whether they had ever had it off with a politician? And whether – purely by chance – the man in this newspaper photo was among them? Or should she perhaps inquire among all the scruffy, somehow drug-addicted looking characters about people dealing drugs?
Apart from this, the station itself was apparently not the place where people haggled over fees for certain sex positions or hawked the ultimate drug kick. And if it had been, these activities were simply swallowed up by the jungle of arrivals and departures, the rattle of wheeled suitcases dragged by breathless travellers, the roar of the loudspeakers and the squeal of the arriving trains.
The embraces that could be witnessed here were more of a schmaltzy kind, revolving around the eternal wheel of arrival and departure. And if there was an addiction to be observed in this place, it rather concerned the ghostly light of the smartphones, the compulsion to capture the moment instead of experiencing it, or to throw it away altogether by letting oneself be sucked into the device and exchanging the real moment for the staging of artificial moments.
Disgruntled, Lidia Afanasyevna decided to shift her fruitless search to the area around the station. Basically, this was just a pretext to leave this hectic place as quickly as possible. If you weren’t a traveller here yourself, you felt like you were at a party where you didn’t know anyone. Inwardly, she had long since abandoned her plan anyway. It was a kind of orderly retreat, an attempt to let the silly detective game end in a face-saving walk.
She crossed the square in front of the station, walked a little way along the zoo and then turned into Budapest Street. Swathes of mist flowed around the Memorial Church, covered its cracked dome and dragged it over into a weightless world where it resurrected as a ghostly dream of Prussian glory.
Without noticing it, Lidia Afanasyevna turned into Electors‘ Street. She simply let herself drift, with the vague intention of taking the train home at the next underground station and forgetting the whole affair over a hot cup of tea. Even though it had become much warmer than yesterday, the cold and damp air did not exactly create an oasis of well-being.

The Mirror of the Past

The immediate surroundings of the station had very little to do with a den of iniquity. It was only when Lidia Afanasyevna reached Electors‘ Street that she could make out the torsos of half-naked bodies here and there in the fog. At first glance, the bodies could have been taken for weathered statues that had once been erected here to celebrate the namesakes of this street. The illusion, however, only lasted as long as one ignored the not quite statuesque shivering of the bodies. Some of the mock statues were trembling so badly that they might even have offered money to the clients if the latter had finally relieved them of the cold.
Lidia Afanasyevna thought back to her own first experience with such exposing clothing. She could still remember the tingling she had felt on her skin when the men of the nearby town had undressed her with their gazes. And she could still feel the heat that had spread across her cheek when her mother had once caught her in the nothingness of her clothes. Yet at first her eyes had only reflected genuine concern, fear of the unforeseeable consequences such courtship attire could bring. The slap in the face had only come when Lidia Afanasyevna had reproached her mother for being jealous because she was too old for such clothes.
Today she could understand her mother – especially because she herself was now no longer at the best age for clothing that provided a stage for nudity instead of distracting from it. True, it couldn’t be said that her body had lost its shape. For a woman of her age, she was, as she thought, still quite well-proportioned. What took away her desire for more permissive clothing was rather the fact that curiosity about life no longer burned so strongly within her, that she no longer enjoyed the tickling of the sun on her skin, the breaking down of the barriers between self and world, the blissful merging with the cosmos.
She wondered why she was thinking of these things right now of all times. Maybe because the girl in front of her, half illuminated by the light of a bar, reminded her of herself, of her own youth. It wasn’t so much the clothes, that negligee-like scrap of fabric over the shimmering lacquer boots, in which she recognised herself. Rather, it was something in the young woman’s posture, in the defiant exhibitionism masking her own shyness, that was like a look in the mirror for her.
The girl’s face also seemed somehow familiar to her, although at first she could only see it in profile. The closer she got, the more she had the feeling she was walking towards a doppelganger, a twin who was pulling her down into the depths of her own past.
When she had passed the other lightly dressed ladies in the street, she had discreetly looked the other way. This time, however, she couldn’t help but look more closely. There was something about the young woman that attracted her irresistibly.
They both tried to avoid the other’s gaze – but it was too late. Silence reigned for a few endless seconds, then the young woman asked tonelessly: „Mum?“

To be continued next Tuesday

Bilder / Images: Gerd Altmann: Prostitution (Pixabay); Gartengoere: Straßenlaternen im Nebel / Streetlamps in the fog (Pixabay)

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