Edgar Fuhrmann: Ein ganz normaler Arbeitstag / Just a Normal Working Day

Arbeitslosigkeit kann ganz schön anstrengend sein – vor allem, wenn man sein Leben so weiterführt, als wäre man gar nicht entlassen worden.

Textauszug

Von ferne sah er gerade noch den letzten Kollegen, der mit dem gleichen Zug wie er angekommen war, im Werk A der Fabrik verschwinden, als er selbst das große, um diese Zeit weit geöffnete Fabriktor erreichte. Schräg dahinter befand sich das Glashäuschen des Pförtners und Hausmeisters – eines ziemlich wortkargen, aber insgesamt doch recht umgänglichen Mitarbeiters. Auf seinem Kopf trug der Mann eine Mütze, auf die vorne in leuchtenden Farben das Firmenlogo aufgenäht war. Es erfüllte ihn immer mit Stolz, wenn sein Blick darauf fiel.
Etwa 50 Meter entfernt von dem Pförtnerhäuschen befand sich sein erster Beobachtungsposten. Von hier aus hatte er schon vor einer Woche erkannt, dass eines der Fenster im zweiten Stock von Werk C am Rand einen Sprung hatte. Schon vor sechs Tagen hatte er den Pförtner davon in Kenntnis gesetzt. Da sich bis jetzt noch nichts getan hatte, würde er ihn wohl noch einmal darauf ansprechen müssen.
Er zog sein Notizbuch und einen Bleistift aus seiner Aktentasche und vermerkte: „Fenster zweiter Stock“. Das würde schon reichen, um sich daran zu erinnern. Von seinem dritten Beobachtungsposten aus – auf der anderen Seite der Fabrik – entdeckte er noch eine schadhafte Tür. Auch darüber machte er sich eine Notiz, ehe er mit der Inspektion der Rasenflächen begann.

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Das Buch

Die Texte dieses Erzählbandes handeln von Menschen am Rande der Gesellschaft, die als Treibgut am Hauptbahnhof stranden, diesem labyrinthischen Zentrum moderner Gesellschaften. Realistische Erzählungen wechseln sich dabei ab mit Texten, die das Geschehen wie unter einer Lupe betrachten und so eine neue Sicht auf die Dinge ermöglichen.

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English Version

Unemployment can be quite stressful – especially if you continue to live your life as if you hadn’t been dismissed at all.

Excerpt from the text

From a distance, he saw the last colleague disappear into Plant A of the factory as he reached the large factory gate, wide open at this time of day. Diagonally behind it was the glass house of the gatekeeper and caretaker – a rather taciturn but altogether quite friendly employee. On his head, the man wore a cap in bright colours with the company logo. It always filled him with pride when his eyes fell on it.
About 50 meters away from the gatehouse was his first observation post. From here he had already noticed a week ago that one of the windows on the second floor of Plant C had a crack at the edge. He had informed the doorman of this six days ago. Since nothing had happened yet, he would probably have to point it out to him again.
He took his memo book and a pencil out of his briefcase and noted: „Second floor window“. That would be enough to remind him of it. From his third observation post – on the other side of the factory – he spotted a soiled door. He made a note of that as well before beginning his inspection of the lawns.

Story as PDF

The Book

The texts in this collection of stories deal with people on the edge of society, stranded as human flotsam at the central station, this labyrinthine center of modern societies. Realistic narratives alternate with texts that look at events as if under a magnifying glass, thus providing a new perspective on things.

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Bilder: Free-Photos: Pendler (Pixabay; : Ulrike Leone: Aktentasche mit Thermos­kanne (Pixabay)

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