Pauline Croze: T’es beau („Du bist schön“)

Das Wagnis der Liebe

Wie alles Göttliche ist die Liebe schön und schrecklich zugleich. Sie ist schön, weil sie ein Weg zur Wahrheit ist und das Leben in seiner Wesenhaftigkeit offenbart. Sie ist aber auch schrecklich, weil sie die von ihrem Pfeil Getroffenen dem wesenlos-oberflächlichen, von Streit und Gier geprägten Alltag entfremdet.
So ist jede echte Liebe ein Wagnis – und dies gleich in einem doppelten Sinn. Sie ist zunächst deshalb ein Wagnis, weil sie eine Reise in ein unbekanntes Land ist, in dem ganz andere Gesetze gelten als dort, von wo man aufgebrochen ist. Ein Wagnis ist sie aber auch deshalb, weil zu Beginn niemand wissen kann, wie diese Reise enden wird.
Was, wenn der Gegenstand der Liebe, das, womit alles angefangen hat, verloren geht? Dann ist die Person, die zurückbleibt, heimatlos: Sie ist nicht mehr zu Hause in der Welt der Liebe, weil diese die Einsamen verschmäht. Sie findet sich aber auch nicht mehr zurecht in ihrer alten Heimat, weil sie längst die ganz anderen Werte aus dem Reich der Liebe verinnerlicht hat.
Von einer solchen Situation handelt das Lied T’es beau von Pauline Croze. Das Resultat der Verbannung aus dem Reich der Liebe ist hier eine radikale Vereinzelung, in der das Ich „Angst (…) vor den Lebenden“ und ihrem der Liebe entgegengesetzten Alltag hat, während es zugleich fürchtet, die befreiende Erfahrung einer von der Liebe geprägten Weltsicht zu „vergessen“.
Die zu Beginn des Liedes besungene Schönheit des Geliebten beruht demzufolge nicht auf äußeren Merkmalen, sondern auf dem Mut, sich auf die Unwägbarkeiten einer unbedingten Liebe einzulassen. Dass diese ein unkalkulierbares Wagnis ist, zeigt auch der Videoclip zu dem Song, in dem die verlorene Welt der Liebe als sich verselbständigende Schattenwelt beschworen wird.
Pauline Croze wurde 1979 im nördlich von Paris gelegenen Noisy-le-Sec als Tochter ei-ner Psychoanalytikerin und eines Physikprofessors geboren. Nachdem sie sich schon früh durch Auftritte auf Musikfestivals und im Vorprogramm anderer Chansonniers einen Namen gemacht hatte, wurde ihr 2005 veröffentlichtes Debütalbum auf Anhieb ein großer Erfolg. Bis 2016 hat sie drei weitere Alben herausgebracht.

Pauline Croze: T’es beau („Du bist schön“)

aus: Pauline Croze (2005)

Lied

 

Text

Übersetzung:
 
Du bist schön

Du bist schön.
Du bist schön, weil du mutig genug bist,
demjenigen tief in die Augen zu blicken,
der dir nicht zutraut, glücklich zu sein.

Du bist schön.
Du bist schön wie ein stiller Schrei,
tapfer wie ein kostbares Metall,
das kämpft, um von seinen Wunden zu genesen.

Es ist wie eine altbekannte Melodie,
ein paar wehmütige Akkorde,
die mein Herz bezwingen,
die meine Freude bezwingen,
wenn ich an dich denke,
so wie jetzt.

Ich kann mir zwar sagen,
dass es im Grunde besser ist so,
selbst wenn es noch wehtut,
aber ich komme doch nirgends mehr zur Ruhe.

Es ist schön.
Es ist schön, weil es stürmisch ist,
so stürmisch, dass meine eigenen Worte
mir vor den Augen verschwimmen

Es ist wie eine altbekannte Melodie,
ein paar wehmütige Akkorde,
die mein Herz bezwingen,
die meine Freude bezwingen,
wenn ich an dich denke …

An dich, der du von der Bühne abtrittst,
ohne Waffen und ohne Hass.
Ich habe Angst zu vergessen,
ich habe Angst zu akzeptieren,
ich habe Angst vor den Lebenden
zur Zeit.

Du bist schön …

 

Das Lied bildet eine thematische Einheit mit:

Émilie Simon: Le désert (“Die Wüste”). Die göttliche Liebe und die Liebe Gottes

OqueStrada: O teu murmúrio (Dein Murmeln). Die Allgegenwart der Liebe

Françoiz Breut: Ma colère (“Meine Wut”). Der erloschene Zorn

 

Mehr französische Liebeslieder: L’amour des femmes. Weibliche Widerständigkeit in neueren französischen Liebesliedern.

 

Bild: Skeeze: Woman (Pixabay)

2 Antworten auf „Pauline Croze: T’es beau („Du bist schön“)

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