Manu Chao: Clantestino

Flüchtlinge: Ein Leben im Verborgenen.

Heute mal ein Klassiker:  die Flüchtlingshymne Clandestino von Manu Chao, einem 1961 in Paris als Sohn einer baskischen Mutter und eines galicischen Journalisten und Schriftstellers geborenen Sängers.
Das Faszinierende an Manu Chao ist, dass es dem Sänger mit seiner Band immer wieder gelingt, das Schicksal ausgegrenzter Menschen zu besingen, die Ausgrenzung zugleich aber auf der Ebene der Musik zu überwinden. Als Mittel hierzu dienen zum einen Klangcollagen, in denen Tonfragmente aus verschiedenen Kulturen zu einer neuen Einheit zusammengefügt werden. Zum anderen bezeugt aber auch die unprätentiöse Vortragsweise, die sich immer wieder in spontanen Straßenkonzerten manifestiert, die Nähe zu denen, von denen die Lieder handeln. Dem entspricht zudem die Nähe zur Reggae-Musik, die ja ebenfalls zu einer Überwindung von inneren und äußeren Grenzen zwischen den Menschen beitragen möchte.
So ist es kein Zufall, dass der Song auch in das Projekt Playing for change: Song around the world aufgenommen worden ist. Darin spielen MusikerInnen aus verschiedenen Teilen der Welt jeweils einzelne Passagen bekannter Lieder: Die Musik überwindet spielerisch die Grenzen zwischen den Völkern.

Live:

Videoclip: https://www.youtube.com/watch?v=rSEUH4KRfN8

Projekt “Playing for change”:

Text

Übersetzung:

Im Verborgenen

Ich bin allein unterwegs mit meinem Leid,
meine Strafe kommt ganz von allein.
Es ist mein Schicksal, wegzulaufen,
um das Gesetz zu umgehen.
Verloren im Herzen
des großen Babylons,
lebe ich im Verborgenen,
denn ich habe keine Papiere.

In eine Stadt im Norden
bin ich geflohen, um dort zu arbeiten.
Mein Leben habe ich zurückgelassen
zwischen Ceuta und Gibraltar.
Ich bin nur ein Gekräusel auf dem Meer,
ein Gespenst in der Stadt.
Mein Leben wird verboten,
sagen die Behörden.

Ich bin allein unterwegs mit meinem Leid,
meine Strafe kommt ganz von allein.
Es ist mein Schicksal, wegzulaufen,
denn ich habe keine Papiere.
Verloren im Herzen
des großen Babylons,
lebe ich im Verborgenen,
ich bin der Bankrott des Gesetzes.

Mano Negra[1], im Verborgenen!
Peruaner, im Verborgenen!
Afrikaner, im Verborgenen!
Marihuana, illegal!

Ich bin allein unterwegs mit meinem Leid,
meine Strafe kommt ganz von allein.
Es ist mein Schicksal, wegzulaufen,
um das Gesetz zu umgehen.
Verloren im Herzen
des großen Babylons,
lebe ich im Verborgenen,
denn ich habe keine Papiere.

Algerier, im Verborgenen!
Nigerianer, im Verborgenen!
Bolivianer, im Verborgenen!
Mano Negra, illegal!

[1]      Mano Negra (‚Schwarze Hand‘): Name eines anarchistischen Geheimbundes, der in Andalusien Ende des 19. Jahrhunderts aktiv gewesen sein soll, sowie der Band, in der Manu Chao vor dem Start seiner Solokarriere aktiv war.

Mehr zum Thema „Lieder über Flucht und Ausgrenzung“: Freiheitsboten in Flüchtlingsbooten

Bild: Henry Ottawa Tanner (1859-1937): Flucht aus Ägypten (1923). Metropolitan Museum of Art

 

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