Im Herbst

Der Herbst erzählt von Vergänglichkeit und Verlust – er lädt uns aber auch zu innerer Einkehr ein. Nachdem sich monatelang die äußere Welt in den Vordergrund gedrängt hat, kann der Blick nach innen den Sinn für andere, weniger greifbare Wahrheiten schärfen.

Im Herbst

Strohballen liegen aufgebahrt
in einem feuchten Stoppelfeld.
Ein Rabe hüpft darin und scharrt
nach Nahrung in der leeren Welt.

Wie Totenhaar biegt fahl das Gras
sich in des Windes jähem Drang.
Hoch steigt der Rauch, und hinter Glas
tropft Heimweh aus des Regens Sang.

Dann öffnen Märchenwelten warm
sich in des Herzens Winternacht,
die Mondfrau wiegt dich, sternumwacht,

in ihrem schwerelosen Arm
und hüllt dich in ein Himmelskleid
aus Weite und Unendlichkeit.

Englische Version

Vertonung des Gedichts:

Bild: Hans am Ende (1884 – 1918): Autumn in the Moor (c. 1900); Kunsthalle Worpswede (Worpswede Art Gallery); Wikimedia commons

2 Antworten auf „Im Herbst“

  1. Pingback: Autumn Song – Planet Literature

  2. Avatar von Elias Münzer

    Elias Münzer

    Ein wunderschönes Gedicht mit originellen poetischen Bildern. Obwohl der Herbst das Ende des Jahres einläutet (Totenhaar, leere Welt) hat das mildere Licht etwas Tröstendes (Unendlichkeit) . Das Lied läuft bei mir in Dauerschleife.

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