Tagebuch eines Schattenlosen 3: Vorwort der Herausgeberin / Diary of a Shadowless Man 3: Foreword by the Editor

Es ist ein neues Tagebuch von Theo C. aufgetaucht! Selbstverständlich werden wir auch dieses Mal wieder die Einträge allen Interessierten zugänglich machen. Heute berichtet erst einmal die Herausgeberin, wie sie das neue Tagebuch gefunden hat.

English Version

Was bisher geschah

Etwas Wunderbares ist passiert: Onkel Theo ist wieder da! So zumindest deute ich die Ereignisse der vergangenen Tage.
Ich weiß, ich sollte nicht so mit der Tür ins Haus fallen. Dies ist ein Vorwort, und ein Vorwort sollte nicht am Ende anfangen.
Rekapitulieren wir also noch einmal kurz, was bisher geschehen ist: Vor einigen Jahren hat Onkel Theo einen Roman veröffentlicht. Darin erzählt er von einem Mann, der seinen Schatten verliert und dann durch einen mysteriösen Schattenhändler einen Ersatzschatten erhält.
Ein paar Jahre darauf ist Onkel Theo spurlos verschwunden. Als wir uns nach fünf Jahren dazu entschieden, sein altes Haus anderen Wohnungssuchenden zur Verfügung zu stellen, bin ich bei der Entrümpelung des Speichers auf ein vergilbtes Schreibheft gestoßen. Darin erzählt Onkel Theo die alte Geschichte weiter.
Der Romanheld gerät hier an eine im wahrsten Sinne des Wortes „obskure“ Vereinigung von – sämtlich schattenlosen – „Dunkelmännern“ (und -frauen), bei denen er sich wieder von seinem Schatten trennt. Wenn ich es recht verstanden habe, handelt es sich dabei um entfernte Verwandte der Freimaurer, die durch Meditationen und einzelne Aktionen sich selbst und die Welt verbessern wollen. Angeführt wird die Gruppe von „George“, einer im Zwischenreich der Geschlechter angesiedelten Priestergestalt.
Am Ende wird von einer Aktion berichtet, durch die der Präsident eines nicht näher bezeichneten Staates bei der Ankündigung eines Krieges von seinem Schatten abgeschnitten werden soll. Da die Gruppe davon ausgeht, dass dies unter bestimmten Umständen zu Orientierungslosigkeit und geistiger Verwirrung führen kann, soll der Präsident so von seinem Vorhaben abgehalten werden.
Auf das Scheitern der Aktion folgt eine von Onkel Theos typischen Münchhausen-Wendungen: Er zaubert eine Notfalluhr aus dem Hut, mit deren Hilfe einzelne Mitglieder der Gruppe ganz einfach in eine andere Zeit entfliehen können.

Onkel Theos Geheimcode

Der Fund des Schreibheftes hat bei mir sofort die Frage aufgeworfen, warum Onkel Theo die Fortsetzung der Geschichte nicht veröffentlicht hat. War es ihm einfach nicht wichtig gewesen? Hat er so plötzlich abreisen müssen, dass er das Projekt schlicht vergessen hat? Oder enthalten die Aufzeichnungen intime Details, die er nicht öffentlich preisgeben wollte?
Diese Fragen ließen mich auch Onkel Theos Roman über den Mann, der seinen Schatten verliert, in einem anderen Licht sehen. Sowohl der Roman als auch die jüngst von mir gefundenen Aufzeichnungen sind in Tagebuchform verfasst. Bei dem Roman hatte ich das immer für einen Kunstgriff gehalten, durch den die phantastische Geschichte den Anschein von Authentizität erhalten sollte. Bei einem Dokument, das gar nicht zur Veröffentlichung gedacht ist, sind solche Spielchen aber offensichtlich überflüssig.
Dadurch bin ich ins Grübeln gekommen. Enthält die Geschichte – so abenteuerlich sie auch erschient – womöglich doch einen wahren Kern? Liegt vielleicht auch dem Roman über den Schattenverlust eine Art Geheimcode zugrunde, der sich dechiffrieren lässt, sobald man den Schlüssel dazu in der Hand hält?
Andererseits: Warum diesen Aufwand treiben? Weshalb sagt Onkel Theo nicht einfach klar und deutlich, was er auf dem Herzen hat? Wozu die Geheimniskrämerei? Was hat er zu verbergen?
In meiner Verunsicherung habe ich mich schließlich dazu durchgerungen, Onkel Theos Aufzeichnungen zu veröffentlichen. Vielleicht hätten, so dachte ich, andere ja mehr Talent in der Entschlüsselung seiner Geheimsprache.
Vor allem aber erhoffte ich mir von der Veröffentlichung Hinweise auf den Verbleib von Onkel Theo. Das ehemalige Kloster, das den geheimnisvollen „Dunkelmännern“ als Tagungsort diente, war in den Aufzeichnungen nämlich sehr genau beschrieben. Also spekulierte ich darauf, dass es vielleicht von irgendjemandem erkannt werden könnte. So hätte ich wenigstens einen Anhaltspunkt für meine Suche nach Onkel Theo.

Eine mysteriöse Burgruine

Eben einen solchen Anhaltspunkt habe ich nun vor einiger Zeit erhalten. Das heißt – „Anhaltspunkt“ ist vielleicht zu viel gesagt. Es war eher ein Fragment, wie bei einer Schnitzeljagd, wo man Schnipsel auf Schnipsel zusammenfügen muss, um das Rätsel zu lösen, dem man auf der Spur ist.
Was ich erhalten habe, war nichts als eine wort- und grußlose E-Mail mit einem Anhang. Als ich ihn öffnete, blickte ich auf einen Auszug aus dem Katasteramt. Auf einer Flurkarte war ein Pfeil eingezeichnet, der auf eine kleine bebaute Fläche wies.
Wenn in der Betreffzeile der Mail nicht „Kloster“ gestanden hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, die kryptische Nachricht mit Onkel Theo in Verbindung zu bringen. So aber schien alles zusammenzupassen: Die Mitteilung war genauso mysteriös wie Onkel Theos Aufzeichnungen. Also habe ich mich gleich am nächsten Tag in den Zug gesetzt und bin an den angegebenen Ort gereist.
Dort angekommen, musste ich erst einmal eine längere Wanderung unternehmen. Denn das Kloster befand sich weit außerhalb der Besiedlungsgrenze, mitten in der freien Natur.
Als ich es erreichte, war ich zunächst enttäuscht. Nach dem, was Onkel Theo über das Gebäude geschrieben hatte, hatte ich mächtige, hoch aufragende Mauern erwartet, breite Eingangstore, hinter denen lange Gänge zu unzähligen Mönchszellen führen. Was ich aber vorfand, war nichts als eine Ruine. Nur die Außenwände ragten noch wie abgenagte Riesenzähne in die Höhe. Längst hatte das Moos seine grüne Patina über sie gelegt, aus der bereits etliche Pflanzen und sogar kleine Bäume emporwuchsen.
Hier war schon lange kein Mönchsgesang mehr erklungen. Und hier hatte sich auch mit Sicherheit in jüngerer Zeit keine verschworene Gemeinschaft zu meditativen Happenings versammelt.
Hatte mich also jemand auf den Arm genommen? Oder hatte ich womöglich etwas übersehen? Verfügte die Anlage über ein unterirdisches Tunnelsystem, das mich zu verborgenen Kammern führen würde?
Aber so viel ich auch suchte – es war nichts dergleichen zu finden. Die Ruine blieb eine Ruine, ein alter Steinhaufen, der von nichts erzählte als von dem unaufhaltsamen Verfall alles Irdischen. Die Geheimnisse dieses Ortes – all die Dinge, die ihn einst zum Leben erweckt hatten – hatten die namenlosen Bewohner mit ins Grab genommen.

Eine schattenhafte Gestalt

Müde ließ ich mich auf einen Stein sinken. Es war schon spät am Abend, die Sonne schickte gerade ihren letzten Flammengruß über den Horizont. Mir war klar, dass ich den Rückweg in jedem Fall im Dunkeln antreten musste – mit Hilfe meiner Taschenlampe, die ich in weiser Voraussicht mitgenommen hatte. Also beschloss ich, mich zunächst einmal mit einer kleinen Brotzeit zu stärken.
Kurz darauf ging der Mond auf. Er schien mitten durch die dunkle Höhle hindurch, die einmal das stolze Fenster der Klosterkirche gewesen war. Das Fensterkreuz zeichnete er auf dem Boden als Kruzifix-Schatten nach.
Wie symbolisch, dachte ich, und biss herzhaft in mein Käsebrot. Da hörte ich plötzlich in meinem Rücken ein raschelndes Geräusch. Unwillkürlich drehte ich mich um, in der Erwartung, einen Marder oder ein anderes nachtaktives Tier in eine Nische des Gemäuers huschen zu sehen.
Stattdessen erblickte ich aber in einiger Entfernung eine Gestalt in einer braunen Kutte. Im selben Augenblick trat der Mond aus dem Schatten einer Mauer hervor und leuchtete der Gestalt direkt ins Gesicht.
Natürlich verfremdet das Mondlicht die Erscheinungen. Es zaubert Dinge hervor, die nicht da sind, es hält sie in der Schwebe oder bringt sie zum Verschwinden. Dennoch könnte ich schwören, dass das Gesicht, in das ich in dem Moment geblickt habe, die Züge von Onkel Theo trug.
Elektrisiert sprang ich von meinem Stein auf. „Onkel Theo!“ rief ich. „So warte doch!“ Aber da hatte die Finsternis die Gestalt bereits wieder verschluckt.
Hastig stürzte ich hinterher. Die Anlage war nicht sehr groß, also ging ich davon aus, die Gestalt rasch einholen zu können. Leider veränderte die mittlerweile vollständig hereingebrochene Nacht jedoch die Dimensionen. Die Einbuchtungen, die hier und da in verschüttete Gänge führten, wirkten auf einmal viel größer und viel höher, weil ihr Ende in der Dunkelheit nicht mehr absehbar war. Auch erschien das feuchte Mauerwerk im Widerschein des Mondes plastischer als am Tag.
So wurde die Klosterruine für mich unversehens zu einem Labyrinth, durch das ich hilflos der geisterhaften Gestalt hinterherirrte. Mal glaubte ich den Zipfel einer Kutte hinter einer Ecke verschwinden zu sehen, mal sah ich in die unförmigen Schatten der Mauern menschliche Konturen hinein. Es fühlte sich fast an, als hätte ich eine Virtual-Reality-Brille auf der Nase, die immer neue Trugbilder vor meine Augen zauberte.
Allerdings war ich mir sicher, die ganze Zeit über ganz in der Nähe das Geräusch von Schritten zu hören. Es musste also tatsächlich jemand vor mir hergehen. Deshalb gab ich auch nicht auf, sondern stolperte immer weiter der unsichtbaren Person hinterher.

Das Kleinod in der Krypta

Plötzlich hielt ich inne. Ein ungewöhnliches Licht irritierte mich. Vom Mond konnte es nicht kommen – dafür war es zu ungleichmäßig und auch zu schwach. Dem Lichtstrahl folgend, gelangte ich an eine nach unten führende Treppe, die mir bei meinem Rundgang bei Tage nicht aufgefallen war.
Seltsam – hatte ich die Treppe schlicht übersehen? Oder war sie durch irgendetwas verdeckt gewesen, eine verschiebbare Mauerattrappe etwa, die jemand in der Zwischenzeit zur Seite gerückt hatte?
Zögernd stieg ich über die verwitterten Stufen hinab. Unten empfing mich ein gewölbter Raum – offenbar eine ehemalige Krypta. An den Wänden hatte jemand brennende Fackeln in die Halter gesteckt. Daher kam also das flackernde Licht!
Im hinteren Teil des Raumes erblickte ich einen steinernen Altar. Von dort ging ein Funkeln aus, als hätte jemand einen Edelstein daraufgelegt. Als ich näher herantrat, erkannte ich, dass dort tatsächlich ein Kleinod lag. Allerdings handelte es sich dabei nicht um einen Edelstein, sondern um einen USB-Stick.
Ich nahm den Stick an mich und sah mich um: Es war niemand zu sehen. Ging von der Krypta etwa ein Geheimgang ab, durch den mein Unterweltbote sich aus dem Staub machen konnte? Aber so viel ich auch die Wände abtastete und den Boden nach verschiebbaren Steinplatten absuchte – ich konnte nichts entdecken.
Wie es dem Kuttenträger gelungen ist, so spurlos zu verschwinden, ist mir noch immer ein Rätsel. Gerade deshalb bin ich aber mehr denn je davon überzeugt, dass es sich bei ihm um Onkel Theo gehandelt haben muss. Wer sonst hätte mich auf so mysteriöse Weise zu einer alten Klosterruine locken und dort so bühnenreif überraschen sollen? Das Ganze trägt eindeutig die Handschrift von Onkel Theo!
Dennoch frage ich mich natürlich, welchen Zweck er mit all dieser Geheimnistuerei verfolgt. Warum möchte er unbedingt im Verborgenen bleiben? Wovor versteckt er sich?

Reisen zu äußeren und inneren Kontinenten

Selbstverständlich habe ich, kaum dass ich wieder zu Hause war, den USB-Stick sprechen lassen. Die Geschichte, die Onkel Theo durch ihn erzählt, ist noch um einiges absonderlicher als seine vorherigen Tagebücher. Er beschreibt dort die Zeitreisen, die er mit Hilfe der ominösen Notfalluhr der Dunkelmänner unternommen haben will – zuerst ins Jahr 2521, dann ins Jahr 1485.
So werfen auch Onkel Theos neue Aufzeichnungen wieder zahlreiche Fragen auf, die ich allein nicht beantworten kann. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, auch seine jüngste Chronik von Reisen zu äußeren und inneren Kontinenten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wahrscheinlich hat Onkel Theo sogar genau das gewollt, als er mir den USB-Stick auf so dramatische Weise zugespielt hat. Schließlich muss er gewusst haben, dass ich auch seine früheren Aufzeichnungen veröffentlicht habe.
Persönlich verbinde ich die Veröffentlichung auch jetzt wieder mit der Hoffnung, auf irgendeine Weise ein Lebenszeichen von Onkel Theo zu erhalten. Dadurch, dass er sich immer mehr in seinen Geschichten verflüchtigt, wird nämlich auch der echte Onkel Theo allmählich zu einer Phantasiegestalt für mich.


Tagebuch eines Schattenlosen, Teil 1

Tagebuch eines Schattenlosen, Teil 2

English Version

Foreword by the Editor

A new diary by Theo C. has been found! Of course we will make the entries available to the public again. First of all, the editor reports today how she came across the new diary.

What Happened So Far

Something wonderful has happened: Uncle Theo is back! At least that’s how I interpret the events of the past few days.
I know I shouldn’t get that straight to the point. This is a preface, and a preface should not start at the end.
So let’s briefly recap what happened so far: A few years ago, Uncle Theo published a novel. In it he tells the story of a man who loses his shadow and then receives a replacement shadow through a mysterious shadow dealer.
A few years later, Uncle Theo disappeared without a trace. When, another five years later, we decided to make his old house available to other flat seekers, I came across a tattered booklet while clearing out the attic. In it, Uncle Theo had written down a kind of sequel to the old story.
Here, the hero of the novel comes into contact with a group of so-called „Disciples of Darkness“, all of them without shadows. In their retreat, an old monastery, he is again separated from his shadow. If I understood things correctly, the group members are spiritually related to the Freemasons, wanting to improve themselves and the world through meditations and specific actions. The group is led by a certain „George“, a priestly figure located in the intermediate realm of the sexes.
At the end of the booklet, an action is reported by which the president of an unspecified state is to be cut off from his shadow when announcing a war. Since the group assumes that this can lead to disorientation and mental confusion under certain circumstances, the president is supposed to be dissuaded from his plan in this way.
The failure of the action is followed by one of Uncle Theo’s typical tall tales: He conjures up an emergency clock, with the help of which some members of the group can escape into another time.

Uncle Theo’s Secret Code

The discovery of the booklet immediately made me wonder why Uncle Theo didn’t publish the sequel to the story. Was it simply not important to him? Did he have to leave so suddenly that he simply forgot about the project? Or do the notes contain intimate details that he did not want to reveal publicly?
These questions also made me see Uncle Theo’s novel about the man who loses his shadow in a different light. Both the novel and the notes I recently found are written in diary form. In the case of the novel, I had always thought that this was an artifice to give the fantastical story the appearance of authenticity. But in a document that is not intended for publication, such gimmicks are obviously superfluous.
All this got me brooding. Does the story – as adventurous as it seems – possibly contain a kernel of truth? Is it conceivable that even the phantasmagoria about the loss of a shadow is based on a kind of secret code that can be deciphered as soon as you have the key in your hand?
On the other hand, what is the point of all these attempts at concealment? Why doesn’t Uncle Theo just say clearly what’s on his mind? Why all the secrecy? What does he want to hide?
In my uncertainty, I finally decided to publish Uncle Theo’s notes. Perhaps, I thought, others would have more talent in deciphering his cryptic language.
Above all, however, I hoped that the publication would provide clues as to where Uncle Theo might have disappeared to. The former monastery, the meeting center of the mysterious „Disciples of Darkness“, was very exactly described in the records. So I speculated that it might be recognised by someone. In this way, I would at least have a starting point for my search for Uncle Theo.

A Mysterious Castle Ruin

Precisely such a clue I received some time ago. That is – „clue“ is perhaps too much to say. It was more like a fragment, like in a scavenger hunt where you have to piece together snippet after snippet to solve the puzzle you’re after.
What I received was nothing but a wordless email with an attachment. When I opened it, I looked at an excerpt from the land registry. On a cadastral map, an arrow pointed to a small built-up area.
If the subject line of the mail hadn’t contained the word „monastery“, it would never have occurred to me to associate the cryptic message with Uncle Theo. But as it was, everything seemed to fit together: The message was just as mysterious as Uncle Theo’s notes. So the very next day I got on the train and travelled to the place indicated in the email.
Once there, I first had to take a long hike. Unfortunately, the monastery was far outside the settlement boundary, in the middle of nature.
When I reached it, I was disappointed at first. From what Uncle Theo had written about the building, I had expected mighty, towering walls, wide entrance gates, behind which long corridors lead to countless monk cells. What I found, however, was nothing but a ruin. Only the outer walls still rose up like gnawed giant teeth. The moss had long since laid its green patina over them, from which quite a few plants and even small trees were already growing up.
At this place, no monks‘ chant had been heard for a long time. And certainly no conspiratorial community had gathered here for meditative happenings in recent times.
So had someone been pulling my leg? Or had I possibly overlooked something? Did the former monastery have an underground tunnel system leading to hidden chambers?
But no matter how much I searched, nothing of the sort could be found. The ruin remained a ruin, an old pile of stones that told of nothing but the inexorable decay of everything earthly. The secrets of this place – all the things that had once brought it to life – had been buried along with its nameless inhabitants.

A Shadowy Figure

Tired, I let myself sink onto a stone. It was already late in the evening, the sun was just sending its last flaming greeting over the horizon. I knew that I would have to make my way back in the dark – with the help of my torch, which I had wisely taken with me. So I decided to first recover with a small snack.
Shortly afterwards, the moon rose. It shone right through the dark hollow that had once been the proud window of the monastery church. The light traced the window cross as a crucifix shadow on the floor.
How symbolic, I thought, and took a hearty bite of my cheese sandwich. Suddenly I heard a rustling sound at my back. Involuntarily, I turned around, expecting to see a marten or some other nocturnal animal scurrying into a niche in the wall.
Instead, however, I caught sight of a figure in a brown robe some distance away. At the same moment, the moon emerged from the shadow of a wall and shone directly into the face of the figure.
Of course, the moonlight alienates the apparitions. It conjures up things that are not there, it keeps them in suspension or makes them disappear. Nevertheless, I could swear that the face I looked into at that moment had the features of Uncle Theo.
Electrified, I jumped up from my stone. „Uncle Theo!“ I cried. „Wait for me!“ But by then the darkness had already swallowed the figure again.
Hastily I rushed after it. The complex was not very big, so I thought I would be able to catch up with the figure quickly. Unfortunately, however, the night, which had meanwhile fallen completely, changed the dimensions. The passages that led here and there into former chambers suddenly seemed much larger and much higher, because their end was no longer foreseeable in the darkness. Moreover, the damp masonry appeared more vivid in the moonlight than during the day.
Thus the ruins of the monastery suddenly became a labyrinth for me, through which I stumbled helplessly, chasing after the ghostly figure. Sometimes I thought I saw the edge of a robe disappearing behind a corner, sometimes the shadows of the walls turned into human contours for a moment. It almost felt as if I had virtual reality goggles on my nose, conjuring up ever new mirages before my eyes.
However, I was sure I could hear the sound of footsteps nearby all the time. So indeed, someone had to be walking in front of me. That’s why I didn’t give up, but kept staggering after the invisible person.

The Gem in the Crypt

Suddenly I stopped, puzzled by an unusual light. It couldn’t be emanating from the moon – for that, it was too irregular and also too weak. Following the beam of light, I came to a staircase leading downwards, which I hadn’t noticed during my daytime walk.
Strange – had I simply overlooked the stairs? Or had they been hidden by something, perhaps a sliding dummy wall that someone had moved aside in the meantime?
Hesitantly, I descended the weathered steps. At the bottom, I got into a vaulted room – obviously a former crypt. On the walls, someone had put burning torches in the holders. So that’s where the flickering light came from!
At the back of the room I saw a stone altar. A sparkle spread from it, as if someone had placed a precious gemstone on the sacred table. As I moved closer, I realised that there was indeed a kind of gem on the altar. However, it was not a precious stone, but a USB stick.
I took the stick and looked around: There was no one to be seen. Was there a secret passage leading out of the crypt, through which my underworld messenger could have been escaped? But no matter how much I scanned the walls and searched the floor for sliding stone slabs, I couldn’t find anything.
How the enigmatic figure managed to disappear without a trace is still a mystery to me. But that is precisely why I am more convinced than ever that it must have been Uncle Theo. Who else could have lured me to an old monastery ruin in such a mysterious way and caught me by surprise there in such a stage-like manner? The whole thing clearly bears the signature of Uncle Theo!
Nevertheless, I wonder what purpose he is pursuing with all this secrecy. Why does he want to remain in the shadows at all costs? What is he hiding from?

Journeys to Outer and Inner Continents

Of course, as soon as I got back home, I let the USB stick speak to me. The story Uncle Theo tells through it is even more bizarre than his previous diaries. He describes there the time travels he claims to have undertaken with the help of the ominous emergency clock of the „Disciples of Darkness“ – first to the year 2521, then to the year 1485.
Thus, Uncle Theo’s new records again raise numerous questions that I cannot answer on my own. That is why I have decided to make his latest chronicle of journeys to outer and inner continents available to the public again. In fact, this is probably exactly what Uncle Theo wanted when he let me get the USB stick in such a dramatic way. After all, he must have known that I had also published his earlier records.
Personally, I am once more linking the publication with the hope of receiving a sign of life from Uncle Theo. Unfortunately, he is dissolving more and more into his stories, so that the real Uncle Theo is gradually merging with his imaginary twin for me.

Diary of a Shadowless man, Part 1

Diary of a shadowless Man, Part 2

Bilder / Images: Enrique Meseguer: Ruinen in einer Fantasielandschaft / Ruins in a fantasy landscape (Pixabay); Dorothe (DarkMonnArt): Gewölbe / Grypt (Pixabay)

3 Antworten auf „Tagebuch eines Schattenlosen 3: Vorwort der Herausgeberin / Diary of a Shadowless Man 3: Foreword by the Editor

  1. Elias

    Interessante Einführung. Da bin ich mal gespannt, wie es weitergeht. Teil 1 und Teil 2 fand ich schon ungewöhnlich und spannend. Habe ich mir beide als „richtiges“ Buch gekauft.

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  2. Thomas Bulhaupt

    Ich habe Teil 1 und Teil 2 gelesen und war ziemlich begeistert. Ich glaube aber, dass es diese Trilogie schwer haben wird. Meine Beobachtung: Crossover ist für den deutschen Buchmarkt ungewöhnlich. Phantastische Literatur hat es schwer. Wir haben „Fantasy“. Diese spielt in „anderen Welten“ und Reality. Da darf nichts Phantastisches“ vorkommen. Das muss ein Abbild der „Realität“ der lesenden Mittelschicht sein. Bei sozialen Problemen wollen wir uns ein bisschen gruseln und sagen “ Gut, dass ich so nicht bin.“ In der südamerikanischen Literatur (Belli, Fuentes …) und selbst in den USA (z.B. Matt Ruff) ist das anders. Da darf es auch mal Phantastisches geben. das Stilmittel der Verfremdung wird gern eingesetzt, um Dinge klarer zu machen. Und auch bei uns gab es Ansätze. Eigentlich haben wir mittlerweile einen recht engstirnigen Buchmarkt und einen schmalen Geschmack der Leserinnen. Aber trotzdem: Viel Erfolg!

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