Melancholische Schönheit / Melancholic Beauty

Über den italienischen Dichter Giovanni Pascoli / About the Italian Poet Giovanni Pascoli

Mit einer Nachdichtung seines Gedichts Novembre / With an English Adaptation of his Poem Novembre

English Version

Giovanni Pascoli (1855 – 1912) gilt als einer der bedeutendsten italienischen Dichter. Sein Leben aber war von düsteren Erlebnissen überschattet. Dies spiegelt sich auch in seinen Gedichten wider.

Giovanni Pascoli: Novembre (November)

Knospenklare Luft, kristallenes Licht:
Nach Aprikosenblüten sucht dein Blick,
bittersüßen Weißdorndüften
ergibt sich dein Herz.

Seltsame Saat: Ausgedörrte Pflanzen
streuen Leichenflecken in den Azur.
Unter dem leergeweinten Himmel
hallt dein Schritt auf dem Grab der Erde.

Rundum Schweigen. Nur das Rascheln
fallender Blätter, die leise Klage
des Windes in sterbenden Gärten.
Dies ist der kalte Sommer der Toten.

aus: Myricae (1891): Gedicht Nr. 18 aus dem Zyklus In campagna (Auf dem Land)

Traumatische Kindheit des jungen Giovanni

Berufliche Karriere trotz revolutionärer Jugend

Bescheidenheit und Einfachheit als dichterische Ideale

Il fanciullino: die Welt mit den Augen eines Kindes sehen

„Ohne Todesgedenken zerfällt das Leben zu einer Wahnvorstellung.“

Der Trost des Kinderblicks

Vermischung der Sphären in der Dichtung

Kein reiner Décadence-Dichter

Nachweise

Traumatische Kindheit des jungen Giovanni

Am 10. August 1867 bestieg Ruggero Pascoli, Verwalter auf einem adligen Gut in der norditalienischen Emilia-Romagna, sein Pferdefuhrwerk und machte sich auf den Weg zum Markt in Cesena. Am Abend kehrten die Pferde wie gewohnt zurück zum Hof. Auch Ruggero Pascoli befand sich noch auf dem Fuhrwerk. Er lenkte dieses jedoch nicht mehr, sondern lag leblos auf dem Kutschbock. Jemand hatte ihn auf dem Heimweg erschossen.
Dieses traumatische Erlebnis hat den damals 11-jährigen Sohn Ruggeros, Giovanni Pascoli, der das Geschehen später auch in dem Gedicht La cavalla storna verarbeitet hat, in mehrfacher Hinsicht geprägt. Da sind zum einen die unmittelbaren Folgen des Mordes an seinem Vater: Die Familie musste daraufhin den Gutshof verlassen und verlor dadurch ihre Lebensgrundlage. Dies wog umso schwerer, als Giovanni nicht weniger als neun Geschwister hatte, die die Mutter kaum allein durchbringen konnte.
Die materielle Not und der Schmerz über den Verlust des Gatten waren sicher mit ein Grund dafür, dass die Mutter kurz darauf einen tödlichen Herzinfarkt erlitt. Zusätzlich starben zwei Geschwister Giovannis an Typhus, ein weiterer Bruder bald darauf an Meningitis.
Hinzu kommt die offensichtliche Ungerechtigkeit, die bei der Untersuchung des Mordes zutage trat. Nicht nur die beiden Mörder waren im Dorf allgemein bekannt. Auch ihre Auftraggeber kannte man. Es handelte sich dabei um zwei Männer, die es auf den Posten von Giovannis Vater abgesehen hatten. Tatsächlich erhielt nach dessen Ermordung einer von ihnen dessen Verwalterstelle, auch der andere trat in die Dienste des Gutsbesitzers.
Aufgrund des lokalen Einflusses der Mörder kam es jedoch nie zu einer Verurteilung. Als drei von Giovannis Brüdern die Umstände des Mordes öffentlich machen wollten, wurden sie ebenfalls mit dem Tod bedroht. Einer scheint auch tatsächlich ermordet worden zu sein – allerdings mit Gift, wodurch der Mord nicht eindeutig nachweisbar war.

Die Familie Pascoli mit Vater Ruggero, Mutter Caterina und drei Kindern (in der Mitte Giovanni Pascoli); vor 1867 (Wikimedia commons);

Berufliche Karriere trotz revolutionärer Jugend

Die Erfahrung des äußersten Unrechts und der extremen materiellen Not führten dazu, dass Giovanni Pascoli sich zu Beginn seiner Studienzeit in Bologna der anarchistisch-sozialistischen Bewegung anschloss. Als der Anarchist Giovanni Passannante ein (gescheitertes) Attentat auf Umberto I., italienischer König von 1878 bis 1900, verübte, verlas Pascoli eine mutmaßlich von ihm selbst verfasste Ode an Passannante, die allerdings kurz darauf aus Sicherheitsgründen vernichtet wurde.
Nachdem er sich an weiteren Protesten gegen die Verhaftung von Anarchisten, die in die Unruhen nach dem Attentat verwickelt waren, beteiligt hatte, wurde Pascoli für drei Monate inhaftiert. In der Folge konzentrierte er sich verstärkt auf sein Studium und auf sein berufliches Fortkommen, zumal er auch eine Verantwortung für die materielle Versorgung seiner Geschwister spürte. Insbesondere seine beiden jüngeren Schwestern, mit denen er zeitweilig auch zusammenlebte, waren auf seine Unterstützung angewiesen.
Nach dem Abschluss des Studiums war Pascoli als Lehrer an einem Gymnasium in Livorno tätig, ehe er 1894 ins Bildungsministerium nach Rom berufen wurde. Ab 1897 war er als Hochschuldozent für Latein und Griechisch an den Universitäten Messina und Pisa tätig und wechselte dann wieder an seine Alma Mater Bologna zurück, wo er die Professur seines Lehrers und Förderers Giosuè Carducci übernahm.
Trotz dieses äußerlich erfolgreichen Berufslebens blieb Pascoli innerlich zerrissen. Dies zeigt sich nicht zuletzt an seinem Alkoholkonsum, der ihm eine letztlich tödliche Leberzirrhose einbrachte. So starb er bereits 1912, in seinem 57. Lebensjahr.

Giovanni Pascoli mit seinen Schwestern (?) im Garten seines Hauses in Castelvecchio di Barga/Toskana (nach 1895); gepostet von Sara Moscardini auf Wikimedia commons (2015)

Bescheidenheit und Einfachheit als dichterische Ideale

Seiner ersten, 1891 erschienenen und bis zur fünften Auflage im Jahr 1900 sukzessive erweiterten Gedichtsammlung gab Pascoli den Titel Myricae. Der Kenner der antiken Literatur spielte damit auf eine Stelle in Vergils Hirtengedichten (Eclogae/Bucolica) an. Dort heißt es:

Non omnis arbusta iuvant humilesque myricae“ (Nicht allen gefallen die Sträucher und die bescheidenen Tamararisken; Vergil, Bucolica IV, Vers 299).

Dieser Satz, auf den sich Pascoli auch in anderen Gedichtbänden immer wieder leitmotivartig bezieht, ist in mehrfacher Hinsicht von programmatischer Bedeutung für das Werk dieses Dichters.
Zunächst einmal hat Pascoli immer wieder die tröstende Wirkung betont, die von der Begegnung mit der Natur ausgehen kann. Dabei dachte er keineswegs an eine besonders spektakuläre Natur und ausgefallene Naturschauspiele. Trost meinte er vielmehr gerade in der einfachen, ländlichen Natur finden zu können (1). Auf diese verweisen beispielhaft die einfachen „Sträucher und bescheidenen Tamarisken“, von denen viele auch auf kargen Böden gedeihen.
Vor allem aber stehen die einfache Natur und die bescheidenen Pflanzen auch sinnbildlich für das dichterische Ideal Pascolis: Bescheidenheit und Einfachheit sind für ihn zentrale Charakteristika des Dichterischen (2).

  Giovanni Pascoli im Garten seines Hauses in Castelvecchio di Barga/Toskana (nach 1895); Wikimedia commons

Il fanciullino: die Welt mit den Augen eines Kindes sehen

Dem entspricht auch einer der Kernbegriffe von Pascolis Dichtungstheorie: der des „fanciullino“ (kleines Kind / kleiner Junge). Der zentrale Gedanke, den er hiermit verbindet, ist der des unverstellten Blicks auf die Welt.
Nur wer sich die Fähigkeit erhält, die Dinge anzusehen wie beim ersten Mal, verlernt auch nicht das „Staunen“ über sie. Und nur wer die Welt nicht einfach hinnimmt in ihrem So-Sein, sondern sie immer wieder neu betrachtet, kann auch in den kleinsten Dingen die Spuren des großen Ganzen sehen und die verborgenen Verbindungen zwischen allem Seienden entdecken.
Eben hieraus entsteht dann auch der Impuls, neue, nicht abgegriffene – eben dichterische – Bezeichnungen für die Dinge zu finden:

Ohne ihn [den fanciullino in uns] würden wir nicht nur so viele Dinge nicht sehen, die wir für gewöhnlich nicht beachten, sondern wir könnten nicht einmal darüber nachdenken (…); denn er ist der Adam, der alles benennt, was er sieht und hört.
Er entdeckt in den Dingen die genialsten Ähnlichkeiten und Beziehungen. (…) Seine Sprache ist auch nicht so unvollkommen wie die eines Menschen, der eine Sache nur halb ausspricht, sondern im Gegenteil so großzügig wie die eines Menschen, der mit einem Wort zwei Gedanken zum Ausdruck bringt.
(3)

„Ohne Todesgedenken zerfällt das Leben zu einer Wahnvorstellung.“

So groß auch der Trost sein mag, den Natur und Dichtung vermitteln können – sie können den Menschen, wie Pascoli betont, doch nicht von dem „unabänderlichen Schicksal (…) befreien“, an das er gekettet ist (4).
Hieraus leitet der Dichter nun jedoch keineswegs die Schlussfolgerung ab, wir sollten die Augen vor diesem Schicksal verschließen. Stattdessen betont er gerade die Bedeutung, die der Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten der menschlichen Existenz zukommt. Insbesondere die Thematisierung der Sterblichkeit hält er im Interesse eines vollgültigen Menschseins und einer bewussten Verankerung in der Wirklichkeit des Lebens für unerlässlich:

Ohne den Gedanken an den Tod – und das heißt: ohne Religion, ohne das, was uns von den Tieren unterschiedet – zerfällt das Leben zu einer bloßen Wahnvorstellung.(5)

Indem Todesgedenken und Religion hier in einem Atemzug genannt werden, wird die Transzendenz unmittelbar aus ihrer absoluten Negierung im Tod abgeleitet. Offenbar spornt für Pascoli eben diese Negierung den Geist dazu an, über sein unabwendbares Ende hinauszudenken und sein Dasein in einem größeren, sein eigenes Ende transzendierenden Kontext zu sehen.

Der Trost des Kinderblicks

Bei der Frage nach der Art und Weise, wie der Tod dichterisch thematisiert werden kann, kommt wieder der „fanciullino“ ins Spiel, der bewusst kultivierte kindliche Blick auf die Welt:

Er ist derjenige, der beim Tod geliebter Wesen jene besonderen kindlichen Dinge sagt, die uns zu Tränen rühren und uns retten. Er ist derjenige, der in Augenblicken grenzenloser Freude unbedacht das schwere Wort ausspricht, das unsere Freude dämpft. Er macht Glück und Unglück erträglich, indem er beides mit Bitterem und Süßem vermischt und es so in der Erinnerung gleichermaßen zum Duften bringt.“ (6)

Es geht hier also um eine Sprache, die das Zum-Tode-Sein gleichermaßen thematisiert wie erträglich macht. Im Idealfall kann der kindlich-unbefangene Verweis auf die Präsenz des Todes in allem menschlichen Handeln zu einer Art seelischer Gelassenheit verhelfen. An die Stelle des Schwankens zwischen Augenblicken ekstatischer Freude und Tälern tiefster Trauer tritt dann eine innere Ausgeglichenheit, die die bitter-süße Konsistenz des Lebensbrotes als solche akzeptiert und in seiner Schönheit zu erfahren sucht.

Vermischung der Sphären in der Dichtung

Gleichzeitig steht die Vermischung der Sphären von Tod und Leben aber auch sinnbildlich für die Fähigkeit des kindlichen Blicks – bzw. des Künstlers, der ihn kultiviert –, verschiedene Daseinssphären miteinander zu verbinden. So durchdringen sich in ihm Tag und Nacht, Traum und Wirklichkeit, belebte und unbelebte Materie, diesseitige und jenseitige Welt.
Die Eindimensionalität des Alltags wird dadurch zugunsten einer vielgestaltigen Sicht auf das Leben durchbrochen: Mit seinem Kinderblick ist der Dichter für Pascoli jemand, der

„im Dunkeln sieht oder zu sehen glaubt; derjenige, der im Licht träumt oder zu träumen scheint und sich dabei an Dinge erinnert, die er nie gesehen hat; derjenige, der mit Tieren, Bäumen, Steinen, Wolken, Sternen spricht; der den Schatten mit Phantomen und den Himmel mit Göttern bevölkert; derjenige, der sich vor dem Licht fürchtet, weil er im Licht sieht oder zu sehen glaubt.(7)

Giovanni Pascoli; Porträt aus der Gedichtsammlung Poesie varie (1914) Wikimedia commons

Kein reiner Décadence-Dichter

Diese Worte zeigen zugleich, dass es zu kurz gegriffen wäre, Pascoli schlicht als Décadence-Dichter zu bezeichnen. Er ist zwar insofern ein Kind seiner Zeit, als die Todesverfallenheit des Lebendigen sein Werk in spezifischer Weise prägt. Dabei mag neben Erfahrungen, die in der individuellen Biographie des Autors wurzeln, auch die Epoche, in der er lebte, eine Rolle gespielt haben – dieses Leben am Rande des Untergangs der alten, agrarisch geprägten Welt mit ihren eigenen Werten und Lebensgewohnheiten.
Im Vordergrund steht bei Pascoli jedoch nicht, wie bei anderen Décadence-Dichtern, die Thematisierung der Todesverfallenheit als solcher. Vielmehr geht es ihm stets um deren Transzendierung auf eine andere, geistige Welt hin, in der der Tod eben nicht der alles beherrschende Grundton ist.

Nachweise

  1. Vgl. hierzu einen Brief von Pascoli an den befreundeten Maler Antonio De Witt, der diverse Illustrationen zu Gedichtbänden des Autors angefertigt hat: „Es ist ein großes Leid und ein großes Geheimnis in der Welt; aber in dem einfachen familiären Leben und in der Betrachtung der Natur, speziell auf dem Lande, liegt ein großer Trost, auch wenn dieser nicht ausreicht, uns von unserem unabänderlichen Schicksal zu befreien.“ Der Brief ist zitiert in der Biographie, die Maria Pascoli über ihren Bruder geschrieben hat (vgl. Pascoli, Maria: Lungo la vita di Giovanni Pascoli, memorie curate e integrate da Augusto Vicinelli, con 48 tavole fuori testo, S. 616. Mailand 1961: Mondadori; im Original italienisch).
  2. Vgl. Pascoli, Giovanni: Il fanciullino (Das kleine Kind / Der kleine Junge; 1897, erweitert 1903/1907), Kap. 3:  „Die Zeichen seiner Gegenwart und die Taten seines Lebens sind einfach und bescheiden.“ Gemeint ist hier „il fanciullino“, das im gegebenen Kontext als synonym mit dem Künstlerischen bzw. dem Sinn für dieses angesehen werden kann (im Original italienisch).
  3. Ebd.
  4. Pascoli, Brief an De Witt (vgl. 1).
  5. Pascoli, Giovanni: Canti di Castelvecchio: Prefazione (Vorwort). Bologna u.a. 1907: Zanichelli.
  6. Pascoli, Il fanciullino, Kap. 3 (vgl. 2).
  7. Ebd.
Edgar Schiele (1890 – 1918): Kleiner Baum im Spätherbst / Small tree in late autumn (1911); Wien / Vienna, Leopod Museum (Wikimedia commons)


English Version

Melancholic Beauty

About the Italian Poet Giovanni Pascoli

Giovanni Pascoli: Novembre (November)

Translucent air, crystalline light:
you’re looking for apricot blossoms,
your dreaming heart indulges
in bittersweet scents of hawthorn.

Strange seed: parched plants
scatter stains of lividity in the azure.
Under the emaciated sky
your step echoes on the tomb of the earth.

Silence all around. Only the rustling
of falling leaves, the futile lament
of the wind in dying gardens.
This is the cold summer of the dead.

from: Myricae (1891); poem no. 18 from the cycle In campagna (In the countryside)

Traumatic childhood of the young Giovanni

Professional career despite revolutionary youth

Modesty and simplicity as poetic ideals

Il fanciullino: seeing the world through the eyes of a child

„Without the thought of death, life disintegrates into a delusion.“

The consolation of the child’s gaze

The blending of spheres in poetry

Not a pure Décadence poet

References

Traumatic childhood of the young Giovanni

On 10 August 1867, Ruggero Pascoli, a steward on a noble estate in Northern Italy’s Emilia-Romagna region, mounted his horse-drawn carriage and set off for the market in Cesena. In the evening, the horses returned to the farm as usual. Ruggero Pascoli was also still on the cart. However, he was no longer driving it, but was lying lifeless on the coach box. Someone had shot him on the way home.
This traumatic experience left its mark on Ruggero’s then 11-year-old son, Giovanni Pascoli, who later processed the event in the poem La cavalla storna, in several respects. First of all, there were the immediate consequences of his father’s assassination: the family had to leave the estate and lost their livelihood. This was all the more serious because Giovanni had no fewer than nine siblings, whom his mother could hardly support on her own.
The material hardship and the pain over the loss of her husband were certainly contributing factors to his mother suffering a fatal heart attack shortly afterwards. In addition, two of Giovanni’s siblings died of typhoid fever, another brother soon after of meningitis.
What is aggravating is the obvious injustice that came to light during the investigation of the murder. Not only the two murderers, but also those who had hired them were well known in the village: two men who had been after Giovanni’s father’s job. In fact, after Giovanni’s murder, one of them was given his position as steward, and the other also entered the service of the landowner.
Due to the local influence of the murderers, a conviction never came about. When three of Giovanni’s brothers wanted to make the circumstances of the murder public, they were also threatened with death. One of them seems to have actually been murdered – but with poison, which made the murder unverifiable.

  The Pascoli family with father Ruggero, mother Caterina and three children (in the middle Giovanni Pascoli); Wikimedia

Professional career despite revolutionary youth

The experience of utmost injustice and extreme material hardship caused Giovanni Pascoli to join the anarchist-socialist movement at the beginning of his student days in Bologna. When the anarchist Giovanni Passannante made a (failed) assassination attempt on Umberto I, Italian king from 1878 to 1900, Pascoli recited an Ode to Passannante, presumably written by himself. Shortly afterwards the sheet with the poem was destroyed for security reasons.
After taking part in further protests against the arrest of anarchists involved in the riots following the assassination, Pascoli was imprisoned for three months. Subsequently, he concentrated more on his studies and on his professional advancement, especially as he also felt a responsibility to provide materially for his siblings. In particular, his two younger sisters, with whom he also lived temporarily, were dependent on his support.
After graduating, Pascoli worked as a teacher at a grammar school in Livorno before being appointed to the Ministry of Education in Rome in 1894. From 1897, he worked as a university lecturer in Latin and Greek at the universities of Messina and Pisa. Then he moved back to his Alma Mater Bologna, where he took over the professorship of his teacher and intellectual patron Giosuè Carducci.
Despite this outwardly successful professional life, Pascoli remained internally torn. This can be seen not least in his alcohol consumption, which resulted in an ultimately fatal cirrhosis of the liver. He died in 1912, at the age of 57.

Giovanni Pascoli and his sisters (?) in the garden of his house at Castelvecchio di Barga/Tuscany (after 1895); posted by Sara Moscardini on Wikimedia commons (2015)

Modesty and simplicity as poetic ideals

Pascoli’s first collection of poems appeared in 1891 and was successively expanded until the fifth edition in 1900. The poet gave it the title Myricae. With this, the connoisseur of ancient literature alluded to a passage in Virgil’s pastoral poems (Eclogae/Bucolica). There it says:

Non omnis arbusta iuvant humilesque myricae“ (Not everyone likes the shrubs and the humble tamarisk; Virgil, Bucolica IV, verse 299).

This sentence, to which Pascoli repeatedly refers like a leitmotif in other volumes of poetry, is of programmatic importance for the work of this poet in several respects.
First of all, Pascoli always emphasised the comforting effect that can arise from being in touch with nature. However, this was not meant in the sense of experiencing extraordinary natural spectacles. In Pascoli’s view, comfort can rather be found in simple, rural nature (1). This is exemplified by the simple „shrubs and modest tamarisk trees“, many of which thrive even on poor soil.
Above all, however, simple nature and modest plants are also emblematic of Pascoli’s poetic ideal: for him, modesty and simplicity are central characteristics of poetry (2).

Giovanni Pascoli in the garden of his house at Castelvecchio di Barga/Tuscany (after 1895); Wikimedia commons

Il fanciullino: seeing the world through the eyes of a child

This also corresponds to one of the core concepts of Pascoli’s poetic theory: that of the „fanciullino“ (little child / little boy). The central idea that he associates with this is that of an undistorted view of the world.
According to Pascoli, only those who retain the ability to look at things as if for the first time will not lose the ability to „marvel“ at them. And only those who do not simply take the world as it is, but look at it in a new way again and again, can see the traces of the big picture even in the smallest things and discover the hidden connections between everything that exists.
It is precisely from this special view that the impulse arises to find new, not hackneyed – that is, poetic – designations for things:

Without him [the fanciullino in us], not only would we fail to see so many things that we usually do not pay attention to, but we would not even be able to think about them (…); for he is the Adam who gives names to everything he sees and hears.
He discovers in things the most ingenious similarities and relationships. (…) Moreover, his language is not as imperfect as that of a man who only half articulates a thing, but, on the contrary, as generous as that of a man who expresses two thoughts in one word.
(3)

„Without the thought of death, life disintegrates into a delusion.“

However great the consolation that nature and poetry can convey, they cannot, as Pascoli points out, free man from the „unalterable fate“ to which he is chained (4).
From this, however, the poet by no means derives the conclusion that we should close our eyes to this fate. Instead, he emphasises the importance of dealing with the dark sides of human existence. In particular, he considers the theme of mortality to be indispensable in the interest of being fully human and consciously anchored in the reality of life:

Without thinking about death – and that means without religion, without that which distinguishes us from the animals – life disintegrates into a mere delusion.“ (5)

By mentioning the thought of death and religion in the same breath, transcendence is directly derived from its absolute negation in death. Apparently, for Pascoli, this very negation spurs the spirit to think beyond its inevitable end and to see its existence in a larger context that transcends its own end.

The consolation of the child’s gaze

When considering how death can be thematised in poetry, the „fanciullino“ comes into play again, the consciously cultivated childlike view of the world:

He is the one who, at the death of beloved beings, says those special filial things that move us to tears and save us. He is the one who, in moments of boundless joy, carelessly utters the heavy word that subdues our joy. He makes happiness and unhappiness bearable by mixing both with bitter and sweet, making them equally fragrant in the memory.“ (6)

In other words, we are dealing here with a language that addresses the subject of death and makes it bearable at the same time. Ideally, the childlike, unbiased reference to the presence of death in all human activity can help us achieve a kind of mental serenity. Instead of vacillating between moments of ecstatic joy and valleys of deepest sorrow, an inner equilibrium then emerges that accepts the bitter-sweet consistency of the bread of life as such and seeks to experience it in its beauty.

The blending of spheres in poetry

On the other hand, the blending of the spheres of death and life also symbolises the ability of the child’s gaze – or of the artist who cultivates it – to connect different spheres of existence. Thus, day and night, dream and reality, animate and inanimate matter, the here-and-now and the hereafter interpenetrate in it.
The one-dimensionality of everyday life is thus disrupted in favour of a multiform view of life: With his childlike gaze, the poet is for Pascoli someone who

sees or thinks he sees in the dark; the one who dreams or seems to dream in the light, remembering things he has never seen; the one who talks to animals, trees, stones, clouds, stars; who populates the shadow with phantoms and the sky with gods; the one who is afraid of the light because he sees or thinks he sees in the light.(7)

Portrait from the poetry collection Poesie varie (1914); Wikimedia commons

Not a pure Décadence poet

At the same time, these words show that it would be too short-sighted to describe Pascoli simply as a Décadence poet. He is indeed a child of his time insofar as the inevitable decay of the living characterises his work in a specific way. In addition to experiences rooted in the author’s individual biography, the epoch in which he lived may also have played a role here – this life at the hinge of time, witnessing the demise of the old, agrarian world with its own values and ways of life.
However, unlike other Décadence poets, Pascoli does not focus on the theme of death and decay as such. Rather, he is always concerned with transcending it to another, spiritual world in which death is not the dominant keynote.

References

  1. Cf. a letter from Pascoli to the painter Antonio De Witt, a friend of his, who created various illustrations for the author’s volumes of poetry: „There is a great sorrow and a great mystery in the world; but in the simple family life and in the contemplation of nature, especially in the countryside, we can find a great consolation, even if it is not enough to free us from our unalterable fate“. The letter is quoted in the biography written by Maria Pascoli about her brother (cf. Pascoli, Maria: Lungo la vita di Giovanni Pascoli, memorie curate e integrate da Augusto Vicinelli, con 48 tavole fuori testo, p. 616. Milan 1961: Mondadori; translated from Italian).
  2. Cf. Pascoli, Giovanni: Il fanciullino (The Little Child / The Little Boy; 1897, expanded 1903/1907), chapter 3: „The signs of his presence and the deeds of his life are simple and modest.“ What is meant here is „il fanciullino“, which in the given context can be seen as synonymous with the artistic or the sense of it (quotes from Il fanciullino translated from Italian).
  3. Ibid.
  4. Pascoli, letter to De Witt (cf. 1).
  5. Pascoli, Giovanni: Canti di Castelvecchio: Prefazione (Preface). Bologna 1907: Zanichelli.
  6. Pascoli, Il fanciullino, chapter 3 (cf. 2).
  7. Ibid.

Titelbild / title image: John Atkinson Grimshaw (1836 – 1893): Ein Novembermorgen / A November Morning (1883); Wikimedia commons

4 Antworten auf „Melancholische Schönheit / Melancholic Beauty

  1. Lilja

    Many thanks for the wonderful poem and the informations about Giovanni Pascoli. I am a teacher myself and it makes me happy to read that a teacher made the difference in the life of this great poet. We teachers should always be aware of that. I also like his poetic approach. We have to see the world without conventions, fresh and free like a child. Wishing you a silent and dreamy November.

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