Izal: Copacabana

Ein Augenblick, der alles verändert

Mit manchen Veränderungen gehen wir regelrecht schwanger. Wochen- oder monatelang, manchmal sogar jahrelang tragen wir den Gedanken an sie mit uns herum. Und dann, in einem Moment, in dem wir am wenigsten damit rechnen, sehen wir ganz plötzlich das neue Ufer vor uns, und wir wissen: Ja, so kann es gehen, so müssen wir es anstellen, um unser Leben zu ändern.
Einen solchen Augenblick, in dem von einer Sekunde zur anderen alles anders wird, beschreibt die spanische Band Izal in ihrem Song Copacabana:

„Es ist ein Blinzeln, ein flüchtiges Funkeln:
Ein Sonnenstrahl, der dich erblinden lässt,
verändert in einem Augenblick
die Form, in der die Körper Luft holen,
und hält die Zeit an.“

Der hier beschworene Kairos – als ein Moment außerhalb der Zeit, ein kurzes Stück Ewigkeit, in dem das Leben stillzustehen scheint – muss natürlich nicht zwangsläufig zur Folge haben, dass sich unser Leben oder gar die Welt von Grund auf verändert. Was sich dadurch jedoch ändert, ist die Art, wie wir die Welt anschauen.
„Veränderung“ bedeutet daher hier „Verwandlung“, und zwar durchaus in einem magisch-zauberhaften Sinn. Denn der neue Blick auf die Welt ermöglicht es uns, den Dingen grundlegend anders zu begegnen. Eben dies ist allerdings auch die Voraussetzung dafür, eigene Fehler ebenso wie soziale Missstände zu erkennen. Die innere Verwandlung ist daher der erste Schritt hin zu äußeren Veränderungen.

Izal ist eine 2010 gegründete Indie-Rock-Band. Der Name leitet sich her von dem Kopf der Gruppe, dem 1982 in Pamplona geborenen Mikel Izal, der für die meisten Kompositionen verantwortlich zeichnet. 2013 erhielt die Band von der Musikzeitschrift Rolling Stone eine Auszeichnung als Neuentdeckung des Jahres.
Der Song Copacabana thematisiert – im Anschluss an eine Art Vorrede, die die Bereitschaft zur Hingabe an den Moment signalisiert – die Vielfalt an Eindrücken, die an einem sonnigen Tag auf einen einprasseln. Ob sich das Geschehen dabei – wie der Text nahe legt – tatsächlich an der Copacabana abspielt oder ob diese – wie der Videoclip andeutet – nur als Chiffre für einen unbestimmten Sehnsuchtsort zu verstehen ist, ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist vielmehr, dass das Kaleidoskop von Lebensfragmenten nicht Unruhe und Hektik bewirkt, sondern, wie der Refrain bezeugt, im Gegenteil in einem plötzlichen Stillstehen der Zeit kulminiert, in einem vollkommenen Augenblick, durch den sich alles verändert.

Izal: Copacabana

aus: Copacabana (2015)

Videoclip

Live

Liedtext

Übersetzung:

Copacabana

Vor allem anderen werden wir
die Seiten säubern, die uns wichtig sind:
die von offenen Büchern, von nahen Leben,
Mauern, die für immer schweigen.

Und dem Rest der Welt wünsche ich aufrichtig
Erfolge in der Schlacht.
Mögen wir langsam denken,
schnell lieben
und hoch erhobenen Hauptes gehen.

Sogar in eben diesem Moment, in dem nichts geschieht:
weiße Stille, Hotelbettwäsche,
Gerüche prallen Lebens,
flüchtiger Sex, frisches Wasser, Fruchtsaft und Kaffee …

Sogar jetzt, wo es keine Angst mehr gibt,
wo nichts zittert,
das Badezimmer, ein goldener Schimmer auf der Haut
und ein aufrichtiger Kuss auf dem Mund,
barfüßig, jungfräulicher Sand,
Copacabana und Steptanz …

Ein verwaistes Kino, die Sonne im Gesicht,
eine feurige Südamerikanerin, Rum aus Zuckerrohr
bis Sonntag um drei,
eine Terrasse aus Wein und Rosen,
mit offenen Augen träumen, mit dir schlafen,
langsam reisen und zurückkehren …

Es ist ein Blinzeln, ein flüchtiges Funkeln:
Ein Sonnenstrahl, der dich erblinden lässt,
verändert in einem Augenblick
die Form, in der die Körper Luft holen,
und hält die Zeit an.

So versenken sich alle in den Himmel und
die Stille, holen
ruhig Luft.
Vielleicht sollten wir weiterlaufen,
damit wenigstens die Erinnerung bleibt
an diesen Augenblick, der vollkommen war,
Copacabana und Steptanz.

// Es ist ein Blinzeln, … //

 

Ein Augenblick, der alles verändert auf Ungarisch:

Quimby: Senki se menekül (Niemand entkommt seinem Schicksal). Carpe diem auf Ungarisch

Mehr Musik aus Spanien: Sueños españoles. Träume und Visionen in der spanischen Independent-Musik.

Bild: Johannes Plenio. Ozean (Pixabay)

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