Föhn

Mit der Unerbittlichkeit eines Scherenschnitts, in den urplötzlich Blut einschießt, blecken die Gebirgskämme dich an. Du möchtest dich abwenden, aber ein unabänderliches Geschick kettet dich an deinen Platz: Du bist der Atlas, der die Welt zu tragen hat, schmerzhaft lastet ihr Gewicht auf deinem Haupt. Während dein Blick sich in dem Gitterwerk der Bäume verfängt, […]

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Blauer Himmel

Kaum hast du die Luke in dem Himmelsdach, unter dem du lebst, geöffnet, da packen dich auch schon die kosmischen Winde bei den Schultern und schleudern dich hinaus ins All. Nun bist du selbst einer jener halt- und ziellosen Körper, die eben noch als Sternschnuppen deine Träume bestäubt haben. Tollkühn wirfst du dein Lasso nach […]

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Traum

In der Dämmerung treten deine Träume heraus aus dem Dunkel des Waldes. Sie trinken das Zwielicht, sie laben sich an dem Duft der Erinnerungskräuter, den der Wind aus einem Land jenseits der Hügel heranweht. Du siehst ihnen an, wie sie aufleben, jetzt, da sie sich nicht mehr verstecken müssen, da sie sich ungestört von dem […]

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Erträumtes Lächeln

Kaum sind die letzten Schneereste zu schwarz-grünen Klumpen geronnen, legt die alte Kanalkokotte ihr Brautgewand an. So vielen Fischerhänden hat sie sich willig hingegeben. Jetzt aber, da die Finger der Sonne über ihren Rücken streichen, strahlt sie plötzlich wieder die Anmut einer jungen Geisha aus, jetzt verströmt sie den Duft der Verheißung, die Vorahnung der […]

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Ilona Lay: Versunken – Gedichte

Der Gedichtband unterteilt sich in größtenteils idyllische Lieder, überwiegend zeitkritische Sonette, philosophisch-reflexive Hymnen und Oden sowie unmittelbar gesellschaftskritische Spottgedichte. „Der eigentliche Schutz gegen die Vereinnahmung der schönen Worte für unschöne Zwecke liegt wohl in dem Nebeneinander reiner Idyllen und in sich selbst dissonanter Verse, die das Grauen der Wirklichkeit in sich aufnehmen. Der Traum vom […]

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