Herbstnacht

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Haltlos jagt die Meute der Erinnerungen an der Laterna magica des Mondes vorbei. Kaum hat sich eine von ihnen in dem geisterhaften Licht offenbart, wird sie auch schon von einer anderen verdrängt und ins Dunkel des Vergessens zurückgestoßen. Selten nur gelingt es dir, dein Auge an das Guckloch eines der Gebilde zu pressen und in seinen Bauch zu spähen.

Jedes Guckloch ist ein Abgrund, das dich in die Tiefe deines Lebens hinabsaugt. Dennoch kannst du es nicht lassen, dich immer wieder an deine einstigen Hüllen heranzupirschen. Sobald du aber meinst, in eine von ihnen einzutauchen, schiebt sich koboldhaft ein anderes Gebilde vor das Guckloch, so dass du verwirrt den Blick abwendest.

Auch der bannende Blick der Mondlaterne, die gespenstische Klarheit, mit der sie die Dinge umwebt, ist dir keine Hilfe. Ihre Art, das Vergangensein des Gewesenen schlicht zu leugnen, lässt dir das Eigene nur noch fremder erscheinen. Wo du mit ihr die Höhle in deinem Rücken auszuleuchten versuchst, ist es dir nur, als würdest du in einen beschlagenen Spiegel schauen.

Und so starrst du weiter ratlos auf den Totentanz an deinem Seelenhimmel, siehst zu, wie sich ein Gebilde in das andere hineinfrisst, wie die Bilder ineinandergleiten und auseinanderfließen, wie sie sich zerteilen und wieder neu zusammensetzen, wie sie eine Welt erschaffen, die deine eigene ist, ohne dass du dich in ihr zu Hause fühlen kannst.

 

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