Der Überwachungsraum / The Monitoring Room

Tagebuch eines Schattenlosen/2: Der Blackout/5 / Diary of a Shadowless Man/2: The Blackout/5

Zusammen mit Schorsch nimmt Theo den Kontrollraum in Augenschein, von dem aus er sich an der geplanten Aktion der Dunkelmänner beteiligen soll.

Together with Shorsh, Theo takes a look at the control room from where he is supposed to take part in the planned action of the Disciples of Darkness.

Dienstag, 3. Oktober

Heute war ich mit Schorsch bei meiner neuen „Arbeitsstelle“ auf der Militärbasis. Jetzt, wo alles immer konkretere Formen annimmt, wo aus Phantasie Realität wird, kommt mir das Ganze erst recht surreal vor.
Der Posten am Einlass hat natürlich misstrauisch geguckt, als Schorsch noch jemand anderen zum Dienst im Kontrollraum mitbrachte. Das Argument, dass für den Besuch des Präsidenten das Überwachungspersonal aufgestockt werden müsse, leuchtete ihm aber unmittelbar ein. Noch überzeugender fand er allerdings den waschechten Dienstausweis, den George mir über seine dunklen Kanäle besorgt hatte.
Der Überwachungsraum sieht exakt so aus, wie ich mir das Cockpit eines futuristischen Raumschiffs vorstelle. Von meinem Arbeitsplatz aus blicke ich auf eine ganze Wand von Monitoren, ein Bild geht in das andere über. Überall leere Flure, grell ausgeleuchtete Gänge, verwaiste Treppenhäuser – und nicht zuletzt: anderes Überwachungspersonal, das mit derselben schläfrigen Langeweile auf Bildschirme starrt.
Es ist ein bisschen wie auf dem Jahrmarkt, in einem dieser Spiegelkabinette, wo ein Spiegel das Bild des anderen reflektiert, so dass sich der Eindruck einer unendlichen Reihe immer gleicher Bilderfluchten einstellt.
Das Wichtigste für mich und Schorsch: die Replay-Taste. Damit lassen sich die Monitore sozusagen in eine Zeitmaschine verwandeln. Normalerweise dient die Taste dazu, ein auffälliges Ereignis noch einmal in Ruhe zu begutachten. In unserem Fall wird sie aber den Zweck erfüllen, die Zeit ein paar Minuten zurückzudrehen und den anderen Überwachern Bilder aus der Vergangenheit vorzuspielen. Die Botschaft: Alles so ereignislos wie immer!
Das Ganze ist wirklich generalstabsmäßig geplant. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, könnte die Aktion tatsächlich von Erfolg gekrönt sein. Die Frage ist nur: Wozu ist das gut?
„Den Schatten in der Finsternis ertränken …“ Waren das nicht Georges Worte? Klingt gut, aber in Wahrheit werden wir doch nichts weiter als einen vorübergehenden Blackout auslösen. Das wird Verwirrung stiften, der Präsident wird seine Ansprache verschieben – und wird sie dann eben am nächsten Tag halten. Im Endeffekt wird der Krieg also schlicht 24 Stunden später beginnen.
Oder wird die totale Sonnenfinsternis im Bunker doch mehr bewirken? Nun, ich werde mich wohl überraschen lassen müssen!

English Version

The Monitoring Room

Tuesday, October 3

Today I went with Shorsh to my new workplace at the military base. Now that everything is taking on more and more concrete forms and fantasy is becoming reality, the whole thing seems all the more surreal to me.
The guard at the entrance naturally looked suspicious when Shorsh brought along an additional employee. But the argument that the surveillance staff had to be increased for the presidential visit immediately convinced him. Even more persuasive, however, was the authentic service card that George had procured for me through his obscure connections.
The monitoring room looks exactly the way I imagine the cockpit of a futuristic spaceship. From my workstation, the view goes to a whole wall of monitors, one image blending into the next. Empty corridors everywhere, garishly lit passageways, deserted stairwells – and last but not least: other surveillance personnel staring at screens with the same sleepy boredom.
It’s a bit like being at a funfair, in one of those houses of mirrors where one mirror reflects the image of the other, giving the impression of an endless series of identical flights of images.
The most important thing for me and Shorsh: the replay button. With it, the monitors can be turned into a time machine, so to speak. Normally, the button is used to review a conspicuous event again in peace. In our case, however, it will serve the purpose of turning back time a few minutes and playing images from the past to the other monitors. The message: Everything as uneventful as ever!
The whole thing is really meticulously planned. If nothing unforeseen happens, the action could actually be crowned with success. The only question is: What’s the point of it?
„Drowning the shadow in darkness …“ Weren’t those George’s words? Sounds good, but in reality we will cause nothing more than a temporary blackout. This will lead to confusion, the president will postpone his speech – and will then just give it the next day. In the end, the war will simply start 24 hours later.
Or will the total eclipse in the bunker have more effect after all? Well, I just have to wait and see!

Bilder /Images: Gerd Altmann: Monitorwand / Monitor wall (Pixabay); Arielinson: Control Room in Nesher Ramlam, Israel; June 2017 (Wikimedia Commons)

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