Au revoir, Charles Aznavour!

Heute eine traurige Nachricht: Charles Aznavour ist tot. Aber seine Lieder werden bleiben.

Der 1924 als Schahnur Waghinak Asnawurjan in Armenien geborene Chansonnier ist zwar in und mit der französischen Sprache und Kultur zum Weltstar aufgestiegen. Seine armenischen Wurzeln hat er jedoch nie verleugnet. Stets hat er sich für die Sache der Armenier eingesetzt. 2009 ist er sogar zum Botschafter Armeniens in der Schweiz ernannt worden und wurde zudem Vertreter des Landes, dessen Staatsbürgerschaft ihm 2008 verliehen wurde, bei der UNICEF sowie bei der Genfer Niederlassung der Vereinten Nationen. Dabei ist es ihm gelungen, die einseitige Identifizierung der Armenier mit der Opferrolle zugunsten einer komplexeren Wahrnehmung der armenischen Kultur und Geschichte aufzubrechen.

Eines seiner schönsten Lieder ist das Chanson Emmenez-moi (‚Nehmt mich mit‘), dessen sehnsüchtige Stimmung Aznavour auch durch seine leidenschaftliche Vortragsweise spürbar macht. Vielleicht drückt sich in dem Lied ja auch seine Erfahrung eines Lebens zwischen zwei Kulturen aus.

Bild: George Biard: Charles Aznavour in Cannes 1999

Liedtext:

Liedtext

Übersetzung:

Nehmt mich mit

An den Docks, wo die Last und die Langeweile
meinen Rücken beugen,
kommen sie an, die Schiffe
die Bäuche voll mit reifen Früchten.

Sie kommen vom anderen Ende der Welt
und bringen ihre Vagabundenträume mit,
aus Himmeln,
die im blauen Glanz der Wunder schimmern.

Es umweht sie ein würziger Duft
aus unbekannten Ländern
und ewigen Sommern,
wo man fast ohne Kleider lebt
an den Stränden.

Ich, der ich mein ganzes Leben lang
nur den Himmel des Nordens gesehen habe –
wie gerne würde ich das Grau aus ihm herauswaschen
und zu neuen Ufern aufbrechen!

Nehmt mich mit ans Ende der Welt,
nehmt mich mit in das Land der Wunder!
Mir scheint, dass das Elend
weniger schmerzt, wenn die Sonne mich anlacht.

Bei Einbruch der Nacht, in den Kneipen,
wenn man, ein Glas in der Hand,
mit den Seeleuten
über die Mädchen und die Liebe plaudert,

verschwimmen die Dinge vor meinen Augen,
und plötzlich
entführen mich meine Gedanken
in einen wunderbaren Sommer
am Strand,

wo ich mit ausgestreckten Armen
der Liebe nachschaue, die wie von Sinnen
vor mir her läuft.
Und ich hänge mich meinem Traum
an den Hals.

Wenn die Kneipen schließen und die Seeleute
wieder an Bord gehen,
träume ich, am Hafen stehend,
noch bis zum Morgen weiter.

Nehmt mich mit …

Um fortzukommen, werde ich eines schönen Tages
auf einem klapprigen Kahn,
auf dem jede Planke ächzt,
als Heizer anheuern

und den Weg einschlagen,
der mich zu meinen Kindheitsträumen führt,
zu den fernen Inseln,
wo nichts wichtig ist
außer dem Leben;

wo schmachtende Mädchen
einem das Herz bezirzen
und dabei, wie ich gehört habe,
berauschende Blumenkränze flechten.

Ich werde fliehen und meine Vergangenheit hinter mir lassen
ohne eine Spur von Gewissensbissen,
ohne Gepäck und mit befreitem Herzen,
aus dem ich singen werde mit ganzer Kraft.

Nehmt mich mit …

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