Pan im Herbst

pan-schilf-xl

Und wenn von des Jahres verwegenem Wagen
dann nichts als der Winde verlorenes Klagen,
wie Stimmen der Leere, das Land noch umstrahlt,
scheint oft er, im Regen verweilend, zu fragen
nach ihr die Au’n, die das Jahr ihm ins Herz hat gemalt.

Denn ob ihm auch alle die Nymphen der Haine
und Flure gefalln und der Wälder er keine
verschmäht, ist’s von ihnen doch eine nur stets,
die leise ihm öffnet der Sommernacht Schreine
und schüchtern findet mit ihm in den Tanz des Gebets.

Sie tanzen der Finsternis schwindenden Rachen
den Blick eines Rehs und des Wanderers Lachen;
sie singen des Adlers beherrschendes Schaun,
den Schwung der Forelle, des Falters Erwachen
und schweigen ahnend die Stille verdämmernder Au’n.

Doch wenn sich die Wälder wie seufzend verhauchen
den Wolken entgegen, die gleichmütig tauchen
dann in des Vergessens Gewänder die Welt,
wenn haltlos die Raben des Winters zerfauchen
zu Staub und Scherben aus Nacht das verblassende Feld,

erfülln, wie die Tiere, auch sie bald die Launen
des Herbstes, dass plötzlich wie Tote sie staunen
des Zaubers sich fort, der ihr Lieben verwahrt‘,
und sie wieder flieht in das heimliche Raunen
der Bäche, er aber einsam der Winternacht harrt.

Wohl ahnt er es dann, wie auf blühenden Wegen
ihn einst einer Anderen Herz wird umhegen.
Doch weiß er, dass alle die Andern nicht sind
die Eine ihm doch, und so ruft er im Regen
nach ihr – und findet sie nie mehr und weint wie ein Kind.

Bild: Arnold Böcklin (1827-1901): Pan im Schilf

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