Ein Friedensgebet gegen das Hexenwerk des Krieges

Der russische Dichter und Singer-Songwriter Boris Grebenschtschików/2

Über den Song Ворожба (Worozhbá: Zauberkräfte

In seinem Lied Worozhbá (Zauberkräfte) stellt Boris Grebenschtschików den bösen Zauber des Krieges den heilenden Zauberkräften eines Handelns gegenüber, das auf dem Streben nach einem Leben im Einklang mit sich selbst und der Welt beruht.

Zauberkräfte

Siehst du, Großvater, die Spur des Verfalls
an unserem Himmel? Und du, Großmutter:
Spürst du den Nebel der Fäulnis?
Ach, zaubert, zaubert ihn hinfort,
sonst wird es kein Morgen mehr geben!

Siehst du, Krieger, den nutzlosen Himmel?
Spürst du, Yogi, wie wir im Fluss
unseres eigenen Lebens versinken?
Ach, ruft, ruft aus Leibeskräften
nach Ihm, der uns vergessen hat!

Nun sind die Vulkane ausgebrochen.
Der Feuersturm verschlingt uns alle,
auch wenn nicht wir ihn angefacht haben.
Er, der aus seiner Mordlust Leben saugt,
hat uns're Welt mit einem Fluch belegt.

In Särge hat dies Hexenwerk
unsere Herzen eingemauert.
Wie hell haben sie einst gestrahlt!
Wie eisern hält sie nun umschlossen
die Finsternis der Hexengruft!

Großvater, ach, und du, Großmutter:
Zaubert es herbei, das erlösende Licht!
Lasst es mit seiner leuchtenden Schrift
unsere Herzen erhellen! Solange ich atme,
werde ich betend darauf warten.

Борис Гребенщиков (Boris Grebenschtschikow): Ворожба (Worozhbá)

„Homemade version“ vom 22. April 2022:

Live-Aufnahme mit der Band Aquarium

Albumfassung

Grebenschtschikows „Nein zum Krieg“

Boris Grebenschtschikow hat schon unmittelbar nach Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine den Krieg vehement verurteilt. In einem Facebook-Post vom 28. Februar 2022 stellte er unzweideutig fest:

„Der Krieg gegen die Ukraine ist Irrsinn. Und die Menschen, die ihn angezettelt haben, sind eine Schande für Russland.“

Eine für das Jahr geplante Russland-Tournee von Grebenschtschikow mit seiner Band Aquarium wurde abgesagt, er selbst wegen angeblicher „Diskreditierung der Armee“ zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Das hat ihn allerdings nicht daran gehindert, seine Kritik an der kriegstreiberischen Politik des Kreml mehrfach zu bekräftigen.

So hat er etwa darauf hingewiesen, dass der Krieg gegen die Ukraine 2022 in Wahrheit schon seit acht Jahren andauerte, weil damals „Banditen aus Belgorod und Rostow nach Donezk gebracht“ worden seien, um dort einen Sezessionskrieg anzufachen. Zudem hat er die handlungsleitende Ideologie dieses Krieges als „Faschismus“ gebrandmarkt, da es darin um „die Vernichtung eines Volkes durch ein anderes aufgrund seiner nationalen und kulturellen Identität“ gehe. Der Krieg ist folglich in seinen Augen ein Ausdruck geistiger Verirrung:

„Diejenigen, die diesen Krieg unterstützen, sind psychisch krank. Aber sie haben die Macht und können deshalb jeden x-beliebigen Passanten mit Panzern überrollen, vernichten, ins Gefängnis stecken oder erschießen.“

Helle und dunkle Magie

Bereits im April 2022 hat Grebenschtschikow auch eine musikalische Antwort auf den Krieg gegeben – mit dem Lied Worozhbá (Zauberkräfte). Darin stellt er zwei Formen von Magie einander gegenüber: die zerstörerische dunkle Magie und die erlösende helle Magie.

Die dunkle Magie hüllt die Welt in einen giftigen Nebel und vernichtet sie in einem gewaltigen Feuersturm. Dessen Leuchtkraft führt gleichzeitig zu Verblendung, so dass die Betroffenen nicht oder zu spät erkennen, was mit ihnen geschieht.

Die helle Magie dagegen kann die Welt retten. Sie steht für die Erfahrungsweisheit der Alten und die religiöse Weisheit vergeistigter Menschen. Dass Grebenschtschikow Letztere als Yogis porträtiert, verweist dabei auf seinen buddhistischen Glaubenshintergrund.

Gleichzeitig betont der Buddhismus aber auch mehr als alle anderen Religionen die Verflechtung alles Lebendigen miteinander. Dadurch wird besonders deutlich vor Augen geführt, dass jede Zerstörung in Teilbereichen des Lebens auch alle anderen Lebensformen in Mitleidenschaft zieht.

Kein innerer ohne äußeren Frieden

Auf der Ebene des seelischen Lebens bedeutet das: Innere Harmonie ist abhängig von der äußeren Harmonie, Krieg und innerer Frieden sind unvereinbar.

Diese Erkenntnis lässt sich natürlich nicht nur aus dem buddhistischen Glauben ableiten. Die Anspielung auf den Yogi fasst sie lediglich in einem schlüssigen Bild zusammen.

Gleiches gilt auch für die von Grebenschtschikow in dem Lied erwähnten Alten. Auch hier geht es nicht darum, ganz konkret bei den Großeltern anzufragen, ob sie nicht mit ein paar Zaubertricks den Krieg aus der Welt schaffen könnten. Der Verweis auf das Erfahrungswissen der Alten ist vielmehr eine Aufforderung an uns alle, weise zu handeln und alles zu tun, um einem Krieg, der den geistigen Möglichkeiten des Menschen Hohn spricht, Einhalt zu gebieten.

Das Lied nutzt dabei auch die Mehrdeutigkeit des Wortes „worozhbá“, das sich sowohl auf Zauberkräfte – im zerstörerischen wie im heilenden Sinn – als auch auf die Fähigkeit zur Weissagung bezieht. Aus dieser würde sich in dem Song die Prophezeiung einer dunklen Zukunft ergeben, die der Menschheit bevorsteht, wenn sie sich nicht radikal von ihren destruktiven Neigungen abwendet.

Zitate entnommen aus:

Starsaboutwar.in.ua: Борис Гребенщиков о войне (Boris Grebenschtschików o woinjé / Boris Grebenschtschikow über den Krieg), aktualisiert am 9. Juli 2025.

Bild: Kyraxys: Zauberer (Pixabay)

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