Laura Naukkarinen (Lau Nau): Poseidon
Musikalischer Adventskalender 2024/2
In ihrem Song Poseidon beschwört die finnische Singer-Songwriterin Laura Nakkarinen (Lau Nau) die schwerelos-traumartige Atmosphäre einer neuen Liebe. In der Bühnendekoration zum Live-Auftritt mit dem Song untermalt sie das durch eine Unterwasserlandschaft.
Poseidon
Während ich – viel zu lange schon –
vor dir weggelaufen bin,
habe ich heimlich darauf gewartet,
dich wiederzusehen.
Nun höre ich deine Schritte.
Ich laufe dir entgegen,
endlich werden wir uns begegnen!
Endlich habe ich begriffen:
Ich brauche nichts anderes
als dich!
Komm, wir gehen spazieren!
Zeig mir die verborgenen Schönheiten
der Stadt und das Meer,
wenn es sich mit dem Nebel vermählt.
Komm, wir küssen uns,
küssen uns, küssen uns, küssen uns …
Nur die Nachtfalter und die Eulen
sind unsere Zeugen,
wir versinken in einem Traum,
den niemand sieht außer uns.
Poseidon winkt uns von ferne zu,
der Nebel nimmt uns in sich auf,
in seinen Armen versinken wir blind
in der verschwimmenden Schönheit der Welt.
Lau Nau: Poseidon aus: Poseidon (2017)
Live-Aufnahme (2018):
Die spinnen, die Finnen (?)
Finnland verfügt über eine – vorsichtig ausgedrückt – ausgesprochen originelle Unterhaltungskultur. Oder, um es mit Obelix zu sagen: Die spinnen, die Finnen!
In Finnland begeistert man sich für das Luftgitarrespielen, für Handy- und Gummistiefelweitwurf und das Frauentragen – und alles wird gerne auch in eigenen Wettbewerben zelebriert. Sogar für das Steckenpferdreiten gibt es mit den „Hobby Horse Championships“ ein spezielles Veranstaltungsformat.
Von dieser Experimentierfreude ist auch die finnische Musikkultur beeinflusst. Sie zeichnet sich ebenfalls durch eine große Lust am Durchmischen alter und Ausprobieren neuer Elemente aus. Daraus entstehen immer wieder erfrischend neue musikalische Ansätze.
Über Laura Naukkarinen
Ein Beispiel dafür ist die Musik der 1980 geborenen Musikerin Laura Naukkarinen (Künstlername Lau Nau). Die Künstlerin, die auch Film- und Theatermusik komponiert, setzt vermehrt auf klassische und traditionelle finnische Instrumente, kombiniert diese allerdings mit psychedelischen Klangwelten. Dies spiegelt sich auch in den Videoclips zu ihren Songs und in ihrer Bühnendekoration wider.
Laura Naukkarinen hat bereits in verschiedenen psychedelisch ausgerichteten Folk-Bands mitgewirkt, tritt aber auch mit Solo-Projekten in Erscheinung. Daneben komponiert sie Film- und Theatermusik und begleitet Stummfilme musikalisch. Außer auf Synthesizer setzt sie insbesondere in ihren eigenen Musikprojekten auch verstärkt auf klassische und traditionelle Folk-Instrumente.
Zu dem Song Poseidon
Die psychedelische Prägung ihrer Musik ist auch dem Song Poseidon anzumerken. Dies gilt sowohl für die Musik als auch für das Bühnenarrangement, das den Eindruck des Schwebens in einer traumartigen Unterwasserlandschaft erweckt.
Wie in anderen Liedern der Künstlerin entspricht dem ein Text, der auf persönliche Erlebnisse anzuspielen scheint. In diesem Fall handelt es sich dabei um eine Liebesbeziehung, die sich nach langem Warten endlich erfüllt. Die Liebenden werden dabei in eine harmonische Traumwelt entführt. Diese spiegelt sich in dem „anderen“, unter der Oberfläche des Alltags verborgenen Reich wider, wie es die Unterwasserlandschaft in dem Bühnenauftritt symbolisiert.
Mehr Musik und Links zu Finnland:
Nordische Musikkulturen, S. 91 – 111: Finnland: Tango, Blues und Rock-Philosophen (PDF, 2021)
Bilder: Виктор Васнецов (Viktor Wasnetsow/Wasnezow, 1848 – 1926): Unterwasserpalast (1884); Bühnenbild-Skizze für die auf dem Puschkin-Gedicht Die Nixe basierenden Oper Russalka von Alexander Dargomyschski (Wikimedia commons);Inkerim: Laura Naukkarinen (Lau Nau), August 2007 (Wikimedia commons)

Eva Morgenstern
Vielen Dank für den wunderschönen Beitrag. Das lied könnte ich in Endlosschleife hören. Das Konzept des „Adventskalenders“ gefällt mir sehr gut!
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