Charles Baudelaire: La musique

Gedichte von Charles Baudelaire, 5

Die „erhebende Wirkung“ seiner Gedichte wollte Charles Baudelaire nicht allein durch deren Inhalt, sondern auch unmittelbar über den Sprachrhythmus und den Klang der Worte erzielen. Dadurch weist seine Dichtung eine besondere Nähe zur Musik auf.

Die Musik

Die Musik nimmt mich oft in sich auf wie ein Meer!
Meinem bleichen Stern entgegen
– ob unter einer Nebeldecke oder im Palast des Äthers –
segelt mein Schiff.

Die Brust herausgestreckt, die Lungen aufgebläht
wie die flatternden Segelgewänder,
erklimme ich die aufgetürmten Wogen,
die die Nacht vor mir verhüllt.

Ich fühl‘ mein Inneres erzittern
wie bei einem Schiff in Nöten.
Des Windes Wellenwiege,
das zuckende Zepter des Sturmes

lassen meiner Seele Segel beben
über dem Schlund der Tiefe.
Doch manchmal blickt aus der reglosen See
auch nur meine eig’ne Verzweiflung mich an.

Charles Baudelaire: La musique aus: Les Fleurs du mal (Die Blumen des Bösen; 1857), S. 192. Paris 1868: Michel Lévy Frères (Œuvres complètes, Bd. 1)

Hintergrundinformationen zu dem Gedicht finden sich im Podcast zur Baudelaire-Reihe (Episode 7) sowie in Ebook und PDF zu den Fleurs du mal (Kapitel 8)

Vertonung von Léo Ferré (aus: Léo Ferré chante Baudelaire, 1967):

Bild: Carl Blechen (1798 – 1840): Stürmische See mit Leuchtturm (um 1826); Hamburger Kunsthalle (Wikimedia commons)

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