Der heimatlose Heimatdichter / The Homeless Homeland Poet

Über den russischen Dichter Sergej Jessenin / About the Russian Poet Sergei Yesenin

Mit einer Nachdichtung eines seiner Herbstgedichte / With an English Adaptation of One of his Autumn Poems

English Version

Der russische Dichter Sergej Jessenin (1895 – 1925) hat sich selbst als „letzten Dorfpoeten“ tituliert. Die innere Zerrissenheit, die viele seiner Gedichte prägt, ist allerdings eher ein Charakteristikum des Lebens in der städtisch geprägten Moderne.

Sergej Jessenin: Über dem nachtschwarzen Feld …

Über dem nachtschwarzen Feld
der ruhelose Schrei der Hähne.
Von seiner goldenen Wolke
schaut Gott auf uns herab.

Doch in der blau verfärbten Ebene
reitet im Sturmgewölk der Wind
zerpflückend durch die Zitterpappeln.
Haltlos rollen die Früchte.

Über dem fröstelnden Teich
der sehnsuchtsvolle Flügelschlag des Kranichs.
Verstummt ist das Glockengeläut
im heimatlosen Haus des Herbstes.

Noch immer fließen Flüsse
und ziehen durch das Tal die Herden.
Auf dem blutbefleckten Hügel aber
winden verwitternd sich die Weiden.

Wie viele Lieder sind verweht,
wie viele in der Finsternis versunken!
Nur noch im Funkenspiel des Feuers
kannst die Entschwundenen du dir erträumen.

Über dem nachtschwarzen Feld
die huschende Angst einer flüchtigen Maus.
Schweigendes Totengedenken.
Zwischen den unzerstörbaren Wurzeln aber
webt der göttliche Mond
den Teppich einer neuen Zeit.

Сергей Есенин: Нощь и поле, и крик петухов (1917)

INHALT

Blutiger Abschied

Der „letzte Dorfpoet“ als erfolgreicher Großstadtdichter

Der Dichter und die Revolution

„Müde bin ich meiner Heimat“

Geistige Heimatlosigkeit

Rastlos reisender „Skandalpoet“

Heimkehr in ein fremdes Land

Nachweise

Blutiger Abschied

St. Petersburg (Leningrad), 28. Dezember 1925: In Zimmer Nr. 5 des Hotels „Angleterre“ (England) fügt sich der russische Dichter Sergej Jessenin mit einer Rasierklinge eine blutende Wunde zu. Er taucht seine Feder in das Blut und verfasst ein paar dürre Abschiedsverse. Dann erhängt er sich, gerade dreißigjährig, an einem Heizungsrohr.
Kein schöner Tod – aber doch ein Tod, der irgendwie zu dem zerrissenen Leben dieses Dichters passt.

Sergej Jessenin , 1919

Der „letzte Dorfpoet“ als erfolgreicher Großstadtdichter

Geboren am 3. Oktober 1895 in dem bei Rjasan gelegenen Dorf Konstantinowo, war Jessenin bei seinen Großeltern aufgewachsen. Bereits 1912 ging er nach Moskau, wo er zunächst in die Welt des Buchhandels und der Universität hineinschnupperte. Nach seinem Umzug nach St. Petersburg im Jahr 1915 veröffentlichte er im Jahr darauf seinen ersten Gedichtband, der seinen frühen Ruhm begründete.
Dafür, dass Jessenin so rasch zu einem gefeierten Dichter wurde, gibt es mindestens drei Gründe:
Erstens sprach Jessenin mit seiner melancholischen Naturpoesie die Herzen seines Publikums an.
Zweitens kam seine zarte Gestalt dem Idealbild des sensiblen Dichters sehr nahe. Dies nahm insbesondere sein weibliches Publikum für ihn ein. Sogar die Frau des Zaren bat ihn zu privaten Lesungen. Dass ihm die Herzen der Frauen zuflogen, war Jessenin dabei durchaus nicht unangenehm. Neben zahlreichen Liaisons war er in seinem kurzen Leben nicht weniger als viermal verheiratet.
Drittens traf Jessenin auch mit dem Image, das er sich verlieh, einen Nerv. Indem er sich als „letzter Dorfpoet“ stilisierte (1), bediente er die nostalgische Sehnsucht des großstädtischen Publikums nach dem angeblich heilen Landleben. Diese war in Russland, das sich erst spät und dadurch sehr abrupt auf den Weg ins industrielle Zeitalter begab, besonders ausgeprägt.

Sergej Jessenin , 1914 (Wikimedia)

Der Dichter und die Revolution

Als selbst ernannter „Bauerndichter“ war Jessenin vordergründig ein natürlicher Verbündeter des Arbeiter- und Bauernstaats, der nach der Oktoberrevolution ausgerufen wurde.
Tatsächlich begrüßte der Dichter die Revolution auch zunächst. Allerdings hatte sein romantisierendes Bild bäuerlichen Lebens wenig mit den Ideen der neuen Machthaber zu tun.
Anstatt, wie von Jessenin erhofft, den Menschen auf dem Land zu einem selbstbestimmteren Leben und zu mehr Wohlstand zu verhelfen, bewirkte der Umsturz das genaue Gegenteil. Die bäuerliche Arbeit war im Verständnis der Revolutionäre zunächst einmal das Fundament, auf dem die Industrialisierung des Landes aufgebaut werden sollte. Die Zwangskollektivierungen, die zu diesem Zweck in der Landwirtschaft angeordnet wurden, hatten Hungersnöte und eine weitere Einschränkung der bäuerlichen Selbstbestimmung zur Folge.
Hinzu kam, dass auch das neue Leitbild der Kunst den Idealen Jessenins diametral entgegengesetzt war. Sozialistischer Realismus, Agitprop und Proletkult waren das Gegenteil dessen, was Jessenin mit seiner nachdenklichen Naturpoesie zum Ausdruck brachte. Die Vorgaben der neuen Kulturbürokratie verurteilte er folglich als einen „Krieg, der der aktiven Kunst erklärt worden ist“ (2).
In der Folge wurde Jessenin für die neuen Machthaber zum Inbegriff des subjektivistischen Künstlers, der sich den Anforderungen der neuen Zeit verweigere. 1927 erklärte Nikolai Bucharin in der Prawda die „Jesseninschtschina“ sogar zur „allergefährlichsten Erscheinung“ in der Literatur (3).
Reflexivität und Sensibilität waren nicht mehr gefragt. Stattdessen propagierte man eine Kunst, die positive Vorbilder und Identifikationsfiguren für den Aufbau des sozialistischen Staates bereitstellte. Selbstzweifel und kritisches Denken sollten hinter dem bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem von der Parteiführung gewiesenen Weg zurückstehen.

„Müde bin ich meiner Heimat“

Ein großer Teil der russischen Avantgarde wandte sich vor diesem Hintergrund schon bald von der Revolution ab. Viele emigrierten – in Berlin entstand sogar eine regelrechte Exilkolonie russischer Kunstschaffender (4). Auch Jessenin suchte Abstand zum Revolutionsbetrieb, blieb aber in der Heimat und brach zu ausgedehnten Reisen in den asiatischen Teil der Sowjetunion auf. Diese führten ihn 1921 in den Ural, nach Taschkent und nach Samarkand.
Rückblickend kann man wohl sagen: Dies war das Anfang vom Ende. Denn Jessenin, der in seinen Gedichten immer wieder die Verbundenheit mit der Natur mit der Verwurzelung in der Heimat zusammensah, war nicht geschaffen für das Leben des rastlos Reisenden. Er brauchte den Halt eines festen Ortes und eines stabilen Umfelds.
Nimmt man ihn selbst beim Wort, so war er im Grunde schon im Augenblick seines Aufbruchs aus seinem Heimatdorf verloren. So schreibt Jessenin bereits 1916, also vor der Oktoberrevolution:

„Müde bin ich meiner Heimat,
der wunden Sehnsucht nach Buchweizenweiten.
Verlassen will ich meine Bauernkate,
vagabundierend durch die Welt mich stehlen.“
(5)

Zwei Jahre später wird aus dem Verlassen des Heimatdorfs dann ein Abgesang auf das Heimatland:

„Mein Zuhause habe ich verlassen,
den blauen Himmel meines Heimatlandes.
(….)
Lange, lange werde ich nicht wiederkehren,
im Schneegestöber meine Lieder singen.“
(6)

Geistige Heimatlosigkeit

Von einem Dichter Anfang 20 verfasst, lassen sich diese Verse natürlich auch allgemein auf den Abschied von der Kindheit beziehen. Das verlorene Paradies der Kindheit wird schließlich auch bei anderen Dichtern im Spiegel der Heimat wahrgenommen und beschrieben.
Die Intensität, mit der Jessenin sich wieder und wieder der Thematik zuwendet (7), zeigt jedoch, dass der Abschied vom heimischen Dorf für ihn eine tiefere Bedeutung hat. Bewusst oder unbewusst assoziiert er damit den schmerzhaften Aufbruch in die Moderne und den damit verbundenen Verlust der überschaubaren Strukturen der vormodernen Zeit.
Dieser Aufbruch mag unvermeidlich sein und wird vom Dichter folglich regelrecht herbeigesehnt. Genau hieraus resultiert jedoch die existenzielle Heimatlosigkeit: Der alte Anzug passt nicht mehr, der neue aber auch noch nicht. In der Rückschau wird die ländliche Heimat dadurch allgemein zu einem Symbol für ein – unwiederbringlich verlorenes – Leben im Einklang mit sich selbst und der Natur. Eben dieses war für Jessenin jedoch die Voraussetzung für geistige Produktivität.
Die Zerstörung des bäuerlichen Umfelds durch Technisierung und Zwangskollektivierung erscheint in den Augen des Dichters folglich nicht einfach nur als Eingriff in seine konkrete Heimat. Sie beraubt ihn vielmehr auch seiner geistigen Lebensgrundlage.
Das Bekenntnis, der „letzte Dorfpoet“ zu sein, ist daher bereits eine Vorausdeutung auf den eigenen frühen Tod. Denn in dem entsprechenden Gedicht aus dem Jahr 1920 heißt es ausdrücklich, die „Lieder“ des Bauerndichters hätten zwischen den geistig toten („nicht lebendigen“), „fremden Händen“ der neuen Zeit keine Überlebenschance. So wird der Dichter dazu verurteilt, zum Märtyrer seines eigenen Schreibens zu werden:

„Mit goldener Flamme verzehrt sich
die Kerze meines Leibes.“
(8)

Rastlos reisender „Skandalpoet“

Vollends haltlos wurde Jessenin, nachdem er 1922 die 18 Jahre ältere Tänzerin Isadora Duncan geheiratet hatte. Vielleicht hatte Jessenin sich von der Ehe unbewusst sogar neuen Halt versprochen, neue Geborgenheit durch die Bindung an eine mütterliche Gestalt. Die Tourneen durch Europa und die USA, auf denen er die berühmte Künstlerin begleitete, bewirkten jedoch das Gegenteil.
Der Dichter, schon vorher dem Alkohol nicht abgeneigt, gab sich nun regelrechten Alkoholexzessen hin. Als Begleiter der populären Diva machte er nicht durch sein poetisches Talent, sondern als bekennender „Skandalpoet“ auf sich aufmerksam (9), der regelmäßig das Mobiliar der Hotelzimmer zu Kleinholz verarbeitete. So ging die Ehe schon ein Jahr später in die Brüche.

Sergej Jessenin und Isadora Duncan, 1923 (Wikimedia)

Heimkehr in ein fremdes Land

Nach seiner Rückkehr nach Moskau setzte Jessenin sein haltloses Leben mit endlosen Trink-Tourneen in den Bars der Hauptstadt fort. Auf der geistigen Ebene zeigte sich seine Rastlosigkeit und Sprunghaftigkeit in der Verkündung immer neuer poetischer Programme sowie in der abwechselnden Schließung und Aufkündigung von Bündnissen mit anderen Literaten. Freunde machte er sich damit natürlich nicht.
Ein letzter Anker für sein Leben schien sich im Oktober 1925 aufzutun, als Jessenin Sofia Tolstaja, die Enkelin Lew Tolstois, heiratete. Auch hier hatte er sich unbewusst vielleicht erhofft, etwas von dem Geist des sittenstrengen Großvaters auf sein Leben übertragen und so wieder festen Boden unter den Füßen bekommen zu können.
Doch auch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Seine neue Ehefrau ließ Jessenin bereits vier Wochen nach der Hochzeit in eine psychiatrische Klinik einweisen. Dies war der letzte Schritt vor seinem Ende desselben Jahres erfolgten Freitod.
Von der stalinistischen Propaganda verfemt, blieb Jessenins Dichtung doch im Volk lebendig. Als seine Werke nach dem Tod Stalins neu aufgelegt wurden, gab es umgehend eine Million Vorbestellungen (10). Heute zählt Jessenin zu den populärsten Dichtern Russlands.

Sergej Jessenin und Sofia Tolstaja  bei ihrer Hochzeit, 1925; Wikimedia

Nachweise

  1. Nachdichtung aus Я последний поэт деревни (1920); vollständiges Gedicht in deutscher Übersetzung (von Ludolf Müller): Ich bin der letzte Dichter des Dorfes. In: Borowsky, Kay / Müller, Ludolf (Hgg.): Russische Lyrik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (1984). Ditzingen 5. Aufl. 1998: Reclam.
  2. Zit. nach Braun, Michael: Dichter des russischen Aufruhrs. taz, 18. Juni 1992 [Rezension zu Fritz Mierau: Sergej Jessenin. Eine Biographie. Leipzig 1992: Reclam].
  3. Vgl. ebd.
  4. Vgl. hierzu den Sammelband von Mierau, Fritz (Hg.): Literatur, Malerei, Theater, Film 1918 – 1933. Mit Kommentaren des Herausgebers sowie 113 dokumentarischen Abbildungen. Leipzig 1987: Reclam.
  5. Nachdichtung aus Устал я жить в родном краю (1916); vollständiges Gedicht in deutscher Übersetzung (von Paul Celan): In meiner Heimat leb ich nicht mehr gern (hier mit einem Kommentar von Ursula Krechel auf planetlyrik.de). In: Jessenin, Sergej: Gedichte. Ausgewählt und aus dem Russischen von Paul Celan. Frankfurt/Main 1961: Fischer.
  6. Nachdichtung aus Я покинул родимый дом (1918); vollständiges Gedicht in englischer Übersetzung (von Valeriu Raut) auf lyricstranslate: I have left my endeared home.
  7. Vgl. die auf culture.ru aufgeführten Gedichte Jessenins zum Thema Родина/Heimat (Стихи о родине Сергея Есенина).
  8. Nachdichtung aus: Я последний поэт деревни / Ich bin der letzte Dichter des Dorfes (2. Strophe, Vers 1 und 2; vgl. 1).
  9. Selbstbeschreibung Jessenins, zit. nach Braun (s. 2).
  10. Vgl. Lüdke, Martin: Sergej Jessenin: „In meiner Heimat leb ich nicht mehr gern“. Beitrag im Rahmen der „Frankfurter Anthologie“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, aktualisiert am 23. April 2021.
Valentin Serov (1865 – 1911): Herbstabend in Domatkanovo/ Autumn evening in Domatkanovo (1896)

English Version

The Homeless Homeland Poet

About the Russian Poet Sergei Yesenin

With an English Adaptation of One of his Autumn Poems

The Russian poet Sergei Yesenin (1895 – 1925) described himself as the „last peasant poet“. The inner conflict that characterises many of his poems, however, rather reflects life in the modern age and the big cities

Sergei Yesenin: Above the Night-black Field …

Above the night-black field
the cockerels‘ restless cry.
From his golden cloud
God looks down on us.

But in the blue discoloured plain
the wind rides in the tempestuous clouds,
tearing at the trembling poplars.
Haltlessly the fruits are tumbling.

Above the shivering pond
the longing flapping of the crane.
The bells have fallen silent
in the homeless house of autumn.

Whispering, the rivers still ride
across the valley with their herds.
But on the blood-stained hillside,
withered willows writhe.

How many songs are blown away!
How many have sunk into darkness!
Only in the dancing sparkle of the fireplace
can you find those who have disappeared.

Above the night-black field
the flitting fear of a fleeting mouse.
Mute remembrance of the dead.
But amidst the indestructible roots
the divine moon silently weaves
the tapestry of a new time.

Сергей Есенин: Нощь и поле, и крик петухов (1917)

CONTENT

Bloody farewell

The „last peasant poet“ as a successful metropolitan poet

The poet and the revolution

„I am tired of my homeland“

Spiritual homelessness

Restless travelling „scandal poet“

Returning home to a foreign land

References

Bloody farewell

St. Petersburg (Leningrad), 28th December, 1925: In Room No. 5 of the Hotel „Angleterre“ (England), the Russian poet Sergei Yesenin inflicts a bleeding wound on himself with a razor blade. He dips his pen into the blood and writes a few farewell verses. Then, at the age of thirty, he hangs himself from a heating pipe.
Not a nice death – and yet one that somehow corresponds to the inwardly torn life of this poet.

Sergei Yesenin, 1919

The „last peasant poet“ as a successful metropolitan poet

Born on 3rd October 1895 in the village of Konstantinovo near Ryazan, Yesenin grew up with his grandparents. As early as 1912, he went to Moscow, where he first tried his hand in the world of bookselling and at the university. After moving to St. Petersburg in 1915, he published his first volume of poetry the following year, which established his early fame.
There are at least three reasons why Yesenin became a celebrated poet so quickly:
First, Yesenin touched the hearts of his audience with his melancholic nature poetry.
Secondly, his delicate figure came very close to the cliché of a sensitive poet. This appealed especially to his female audience. Even the Tsar’s wife invited him for private readings. Yesenin was not at all displeased that women’s hearts flew to him. In addition to numerous liaisons, he was married no less than four times in his short life.
Thirdly, Yesenin struck a nerve with the image he created of himself. By stylising himself as the „last peasant poet“ (1), he met the nostalgic longing of the metropolitan public for the supposedly ideal country life. This was particularly strong in Russia, which set out late and thus very abruptly on the path to the industrial age.

Sergei Yesenin, 1914

The poet and the revolution

As a self-proclaimed „peasant poet“, Yesenin was at first sight a natural ally of the Workers‘ and Peasants‘ State that was proclaimed after the October Revolution.
In fact, the poet initially welcomed the revolution. However, his romanticised image of rural life had little to do with the ideas of the new rulers.
Instead of helping the people in the countryside to lead a more self-determined life and achieve greater prosperity, as Yesenin had hoped, the overthrow had exactly the opposite effect. In the revolutionaries‘ understanding, peasant labour was first of all the foundation on which the industrialisation of the country was to be built. The forced collectivisations that were ordered in agriculture for this purpose resulted in famines and a further restriction of peasant self-determination.
In addition, the new model of art was diametrically opposed to Yesenin’s ideals. Socialist realism, Agitprop and Proletkult were the opposite of what Yesenin wanted to express with his contemplative nature poetry. Consequently, he condemned the directives of the new cultural bureaucracy as a „war that has been declared on active art“ (2).
As a result, Yesenin became for the new rulers the epitome of the subjectivist artist who did not fit the requirements of the new era. In 1927, Nikolai Bukharin even declared „Yeseninshchina“ to be the „most dangerous phenomenon“ in literature (3).
Reflexivity and sensitivity were no longer in demand. Instead, an art was propagated that provided positive role models and identification figures for the construction of the socialist state. Self-doubt and critical thinking were to take a back seat to unquestioning obedience to the path laid down by the party leaders.

„I am tired of my homeland“

Given this situation, a large part of the Russian avant-garde soon turned their backs on the revolution. Many emigrated – in Berlin, a veritable exile colony of Russian artists emerged (4). Yesenin, too, sought distance from the revolutionary establishment, but remained at home and set out on extensive journeys to the Asian part of the Soviet Union. These took him to the Urals, Tashkent and Samarkand in 1921.
In retrospect, we can probably say: this was the beginning of the end. For Yesenin, who in his poems always associated his attachment to nature with his rootedness in his homeland, was not made for the life of a restless traveller. He needed the support of a fixed place and a stable environment.
If we take him at his word, he was basically lost the moment he set out from his home village. So Yesenin wrote as early as 1916, before the October Revolution:

I am tired of my homeland,
of the painful longing for buckwheat widths.
I want to leave my peasant cottage
and steal myself away, roaming the world.“
(5)

Two years later, leaving the home village turns into a swan song to the native country:

„I have left my home,
the blue skies of my native land.
(….)
For a long, long time I will not return,
singing my songs in the flurry of snow.“
(6)

Spiritual homelessness

Written by a poet in his early 20s, these verses can of course also be related to the farewell to childhood in general. After all, the lost paradise of childhood is also perceived and described by other poets in the mirror of their homeland.
The intensity with which Yesenin turns to the subject again and again (7), however, shows that the farewell to his home village has a deeper meaning for him. Consciously or unconsciously, he associates it with the painful departure into modernity and the associated loss of the straightforward structures of pre-modern times.
This departure may be unavoidable and is consequently longed for downright by the poet. However, it is precisely from this that the existential homelessness results: the old suit no longer fits, but neither does the new one. Thus, in retrospect, the rural homeland becomes a symbol for a – irretrievably lost – life in harmony with oneself and nature. Yet for Yesenin, this was precisely the prerequisite for his creativity.
The destruction of the peasant environment through mechanisation and forced collectivisation therefore does not simply appear in the poet’s eyes as an intervention in his concrete homeland. Rather, it deprives him of the spiritual basis of his life.
The confession of being the „last peasant poet“ is hence already a foreshadowing of his own early death. Indeed, the corresponding poem from 1920 explicitly states that the „songs“ of the peasant poet would have no chance of survival among the spiritually dead („not alive“), „alien hands“ of the new age. Thus the poet is condemned to become a martyr to his own writing:

The candle of my body consumes itself
with a golden flame.“
(8)

Restless travelling „scandal poet“

Yesenin’s inner turmoil became even worse after he had married the dancer Isadora Duncan, 18 years his senior, in 1922. Perhaps Yesenin had unconsciously promised himself new stability from the marriage, new comfort through the attachment to a maternal figure. The tours through Europe and the USA on which he accompanied the famous artist, however, had the opposite effect.
The poet, who had not been averse to alcohol even before, now indulged in veritable alcoholic excesses. As the popular diva’s companion, he attracted attention not for his poetic talent, but as a self-confessed „scandal poet“ (9), who regularly reduced the furniture of the hotel rooms to rubble. Thus the marriage broke up just one year later.

Sergei Yesenin und Isadora Duncan, 1923

Returning home to a foreign land

After his return to Moscow, Yesenin continued his restless life with endless drinking tours in the bars of the capital. On the intellectual level, his volatility was reflected in the proclamation of ever new poetic programmes as well as in the alternate forming and breaking of alliances with other literary figures. Of course, he did not make friends in this way.
A final anchor for his life seemed to emerge in October 1925, when Yesenin married Sofia Tolstaya, Lev Tolstoy’s granddaughter. Here, too, he might have unconsciously hoped that the spirit of the morally strict grandfather could somehow affect his life and thus help him get his feet back on solid ground.
But this hope was not fulfilled either. Only four weeks after the wedding, his new wife had Yesenin admitted to a psychiatric clinic. This was the last step before his suicide at the end of the same year.
Ostracised by Stalinist propaganda, Yesenin’s poetry nevertheless remained alive among the people. When his works were republished after Stalin’s death, a million advance orders were immediately placed (10). Today Yesenin is one of Russia’s most popular poets.

Sergei Yesenin and Sofia Tolstaya at their wedding, 1925

References

  1. Adaptation from Я последний поэт деревни (I am the last peasant poet, 1920).
  2. Quoted according to Braun, Michael: Dichter des russischen Aufruhrs (Poet of Russian Revolt); taz, June 18, 1992 [Review of Fritz Mierau: Sergej Jessenin. Eine Biographie. Leipzig 1992: Reclam].
  3. Cf. ibid.
  4. Cf. the anthology by Mierau, Fritz (ed.): Russen in Berlin. Literatur, Malerei, Theater, Film 1918 – 1933 [Russian Artists in Berlin. Literature, Painting, Theatre, Film 1918 – 1933]. With comments by the editor and 113 documentary illustrations. Leipzig 1987: Reclam.
  5. Adaptation from Устал я жить в родном краю (I am tired of living in my homeland; 1916).
  6. Adaptation Я покинул родимый дом (1918); full poem with English translation (by Valeriu Raut) on lyricstranslate: I have left my endeared home.
  7. Cf. Yesenin’s poems on the subject Родина/Homeland (Стихи о родине Сергея Есенина) listed on culture.ru.
  8. Adaptation from: Я последний поэт деревни (I am the last peasant poet, 1920); second strophe, verse 1 and 2.
  9. Yesenin, self-description, quoted according to Braun (see 2).
  10. Cf. Lüdke, Martin: Sergej Jessenin: „In meiner Heimat leb ich nicht mehr gern“ (Sergei Yesenin: „I don’t like living in my homeland any more“). Article as part of the „Frankfurter Anthologie“ in the Frankfurter Allgemeine Zeitung, updated on April 23, 2021.

Titelbild /title image: Thomas Millie Dow (1848 – 1919): Spätherbst in Barbazon / Late Autum at Barbazon (1879); Wikimedia commons

3 Antworten auf „Der heimatlose Heimatdichter / The Homeless Homeland Poet

  1. Eva

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag mit Bildern und schöner Nachdichtung. Es macht mich sehr traurig, dass dieser schöne Mensch, dieser wunderbare Dichter keinen Halt im Leben finden konnte. Er war wohl, wie so viele Poeten „aus der Zeit“ gefallen.

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