Eine außergewöhnliche Pflanze / An extraordinary plant

„Soll ich sie Ihnen als Geschenk einpacken?“ fragte dich der Händler, bei dem du dir eine Zukunft ausgesucht hattest.
Höflich lehntest du ab – denn du wolltest dich mit dem Kauf ja gewissermaßen selbst beschenken. Als du zahltest, beglückwünschte dich der Händler zu deinem exquisiten Geschmack.
Zu Hause suchst du für die Pflanze einen besonders schönen Platz am Fenster aus und erfreust dich an ihren dunkel schimmernden Blättern und den Blüten, von denen ein unbestimmtes Leuchten ausgeht.
Beim Eintritt in dieses Leuchten erkennst du, dass es einem Palast entströmt, der ganz aus Licht besteht. Um darin etwas sehen zu können, musst du die Augen schließen. So fällst du aus einem Strahlengemach in das nächste, ein jedes angefüllt mit funkelnden Verheißungen. Du versuchst danach zu greifen, nur zu gerne möchtest du dir die Taschen mit den Sternentropfen füllen. Aber sobald du die Hand nach ihnen ausstreckst, ändern sie ihre Gestalt und ducken sich hinter ihre zahllosen Geschwister, wie Kinder, die Verstecken spielen.
Am anderen Morgen ist die Pflanze verblüht. Aber hattest du etwas anderes erwartet? Noch nie hat ja ein derartiges Geschöpf die Euphorie des Augenblicks überlebt. Immerhin hütest du dich, die Fenster zu öffnen. Vielleicht kannst du so wenigstens noch eine Zeit lang den berauschenden Duft bewahren, mit dem die Blüten den Raum erfüllt haben.

An Extraordinary Plant

„Shall I wrap it for you as a present?“ asked the shopkeeper from whom you had bought a new Future.
You politely declined – after all, you wanted to make a present to yourself, so to speak, with your purchase. When you paid, the salesman congratulated you for your exquisite taste.
At home, you choose a particularly beautiful spot for the plant by the window. Then you just stand there, admiring its dark, shimmering leaves and the blossoms that radiate an indeterminate glow.
Immersing yourself in this glow, you realise that it emanates from a palace made entirely of light. To see something in it, you have to close your eyes. So you fall from one radiant chamber to the next, each filled with sparkling promises. You try to reach for them, only too willing to fill your pockets with the star droplets. But as soon as you try to touch them, they change shape and hide behind their countless brothers and sisters, like children playing hide and seek.
The next morning the plant has faded. But had you expected anything else? Never before has such a creature survived the euphoria of the moment. At least you take care not to open the windows. Perhaps you can at least preserve the inebriating scent of the blossoms for a while.

Bilder / Pictures: Artida: Wasserlilie / Waterlilly (Fo­tolia); ViNe. Distel / thistle (Pixabay)

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