Tina Reuter: Waisen des Lebens

Frankfurt am Main im Jahr 1800. Aus den Wirren des Krieges schält sich langsam ein neues Zeitalter heraus. Eine seltsame Unruhe erfüllt die Menschen, niemand ist gerne an seinem Ort.

Die junge Annie verkleidet sich als Mann und zieht gegen die Tyrannen dieser Erde zu Felde. Ihre Freundin Carola sehnt sich nach einem Ausbruch aus den engen Mauern ihres Damenstifts, doch die Ehe, einzige Alternative zu ihrem Leben, erscheint ihr ebenfalls als Gefängnis.

Lina, ihre Schwester, erschafft sich in ihren Gedichten eine eigene geistige Welt, verlässt diese aber, als sie den Südseereisenden Antoine kennenlernt. Und Jonathan, der Bruder der beiden, hält es in Frankfurt nicht aus ohne seine unnahbare Frau Eleonore, die die Ehe mit ihm nur unter der Bedingung eingegangen ist, dass er sie jeweils für das Winterhalbjahr freigibt.

In Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Gesprächen tasten die Personen dieses Romans sich an ihre Grenzen heran und erträumen oder erleiden deren Überschreitung.

Vollständig überarbeitete Neuausgabe als eBook

9,99 €

440 Seiten

überall, wo es eBooks gibt

mit einem ausführlichen Materialienband (PDF siehe unten)

Hörfassung

Interview mit der Autorin (PDF, S. 38 – 44)

Printausgabe (2008):

ISBN: 978-3-9812149-3-2

466 Seiten, Hardcover, gebunden

Preis: 18 €

Materialienband

Der Roman im Projekt „Lebendige Romanfiguren“:

Antoine

Carola

Rezensionen:

„Ein außergewöhnlicher, ein bemerkenswerter Roman! Tina Reuter hat es geschafft, Sprache und Geist der Romantik, der Zeit des Erziehungs- und Bildungsromans, zu beleben, ohne antiquiert zu wirken im Gegenteil, beides wirkt so frisch wie aus unserer Zeit und hat doch diesen historischen Duktus. Ein großes Sprachgefühl, großes literaturgeschichtliches Wissen und Können und die Fähigkeit, sich vollständig in eine andere Zeit zu versetzen, sind notwendig, um einen so hervorragend gelungenen historischen Roman zu schreiben. Nichts wirkt historisierend nachgemacht, und doch versinkt man in einer vergangenen Zeit und ist traurig am Ende aufwachen zu müssen.“ (Der Büchervielfraß, August 2008, von Hanns-Martin Wietek)

Eintauchen in die geistige Welt der Romantik

Tina Reuter schildert in Waisen des Lebens eine Gesellschaft zwischen Kriegswirren und aufkommenden Umbrüchen, in der sich individuelle Sehnsüchte und kollektive Zwangsmuster diametral entgegenstehen. Die Personen tauchen in ihren Briefen und Tagebucheinträgen auf. Dies entspricht ganz den typischen „Schreibweisen“ der Romantik: Auch dies ein bemerkenswerter „Kunstgriff“.
Im Zentrum stehen Figuren, deren Lebenswege sich unter dem Druck historischer Umbrüche wandeln und deren Entscheidungen das fragile Gleichgewicht einer feindlich wirkenden Ordnung herausfordern. Die Protagonistinnen treiben mit stillem Mut und oft schierer Verzweiflung die Handlung voran, während sich Fragen nach Identität, Wahrheit und Lebenssinn stellen. Reuter verknüpft persönliche Schicksale mit gesellschaftlichen Umständen, sodass private Erfahrungen zu Spiegeln eines größeren Wandels werden. Dabei zeichnet die Autorin ein vielstimmiges Bild von Mut, Rebellion und den Grenzen der Selbstverwirklichung. Der Roman lässt die LeserInnen ganz in das Frankfurt um 1800 und die geistige Welt der Romantik versinken. Auch wenn die Sprache modern ist, so spieglet sie doch in ihrer poetischen Ausdrucksweise die Zeit der Romantik wieder.
Insgesamt präsentiert sich Waisen des Lebens als sorgfältig konzipierte Mischung aus Historie, Psychologie und Gesellschaftskritik, die durch ihre eindringliche Figurenführung lange nachhallt.

Ergänzt wird der Roman durch einen spannenden Materialienband (PDF), der einen Einblick in die sorgfältigen Recherchen der Autorin gewährt. Der Band enthält Bilder, Erläuterungen, historische Zusammenhänge und Hintergründe. (Nodramalama auf Lesejury)

Coverbild: Edouard Hamman (1819 – 1888): Enttäuschung (1851); St. Petersburg, Eremitage (Wikimedia commons)

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