Die Epiphanie in der Gießkanne

Oder: Pfingsten und Poesie

Eine Meditation von Bruder Norabus

Im Mittelpunkt des Pfingsterlebnisses steht die Erfahrung einer tieferen Wirklichkeit, die auch nach einer anderen Sprache verlangt. Dadurch ergeben sich auch Berührungspunkte mit der Welt der Dichtung. – Eine Meditation von Bruder Norabus.

Pfingsten gilt gemeinhin als freudiges Fest. Profanere Zeitgenossen freuen sich auf geistige Genüsse im Biergarten, religiösere Naturen feiern die geistige Vollendung des Erlösungswerkes Christi. Denn an Pfingsten – einer Art Erntedankfest im alten Israel – geschah mit den Aposteln das, was laut dem Propheten Joel „am Ende der Zeit“ mit allen Menschen geschehen wird:

„Am Ende der Zeit, spricht Gott, will ich Geist von meinem Geist ausgießen über alle Menschen. Da werden eure Söhne und Töchter reden wie Propheten. Junge Männer werden Gesichte sehen, und (…) alle, die mein sind, (…) werden reden, was ich ihnen eingebe.“

Diese geistige Befreiung manifestiert sich zunächst allerdings in apokalyptisch anmutenden „gewaltige[n] Zeichen“: „Das Sonnenlicht wird sich verkehren in Finsternis, der helle Schein des Mondes in blutiges Rot“. So kündigt sich auch die Erleuchtung der Apostel durch den Heiligen Geist über eine Art inneres Beben an, dessen Folge zunächst einmal eine allgemeine Verwirrung ist:

„Plötzlich kam ein Brausen über sie, als ob ein gewaltiger Sturm sie überfiele. Das ganze Haus, in dem sie saßen, war voll davon. Sie sahen Feuer, wie in einzelne Flammen zerrissen, das über sie herfuhr. Gottes heiliger Geist erfasste sie alle und brannte in ihnen. Da fingen sie an, fremdartige Worte zu stammeln, wie sie ihnen der Geist eingab.“

Erst nach und nach begreifen die Apostel und die, zu denen sie reden, dass Gott selbst aus ihnen spricht, dass sie die Fähigkeit erlangt haben, die Wahrheit der Schöpfung unmittelbar zum Ausdruck zu bringen. Die Sprache, die sie sprechen, ist als göttliche Sprache allen Menschen gemein. Sie ist eine Sprache des Geistes, die sie alle – unabhängig von den jeweils unterschiedlichen Ausdrucksformen, derer sie sich für die Verständigung im Alltag bedienen – auf einer tieferen Ebene miteinander verbindet.

Die Erleuchtungserfahrung an Pfingsten enthält damit drei zentrale Komponenten:

  1. das unmittelbare Erleben der Wahrheit des Seins;
  2. die Fähigkeit, in einer Sprache zu sprechen, die diese Wahrheit auszudrücken erlaubt;
  3. die Erkenntnis, dass es sich bei dieser Wahrheit um etwas handelt, an dem alle Menschen gleichermaßen teilhaben.

Die Meditation von Bruder Norabus geht der Frage nach, inwieweit derartige Erfahrungen sich auch in philosophischen und poetischen Texten widerspiegeln. Der vollständige Text findet sich auf literaturplanetpodcast.com

Das Buch:


Eine Antwort auf „Die Epiphanie in der Gießkanne

  1. Avatar von Elias

    Elias

    Sehr interessante Gedanken zu Pfingsten. So habe ich das noch nie gesehen. Tatsächlich konnte ich mit dem Fest bisher gar nicht so viel anfangen.

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