Das mit sich selbst versöhnte Leben

Bogdan Loebls Gedicht Wieś (Das Dorf)

Bogdan Loebls Gedicht Wieś (Das Dorf) beschwört die Utopie eines mit sich selbst versöhnten Lebens. Diese erscheint allerdings nur in einer poetischen Verwandlung der Welt erreichbar. Die größere Nähe zur Natur erleichtert diese, bringt sie aber nicht selbst hervor.

Das Dorf

Süß schmeckt hier der Sauerteig,
das Leben ist ein Straßenfest,
wo die angstumtosten Wege
münden in den einen großen Sinn.

Die Disteldüfte in den Gärten,
die Kerzengebete vor den Ikonen,
die Wodkagesänge in den Tavernen
leben alle aus der einen großen Kraft.

Glitzernde Sonnenperlen gießt der Herrgott
in einen verwunschenen Apfelgarten.
Ein Mädchen reiht sie auf zu einer Kette
und spannt damit den Großen Wagen an.

Sinnend wiegt die Kirchenglocke
die weiten Wiesen in den Schlaf,
und Eulen schweben schweigend
durch die traumbestickte Luft.

Am Morgen steigt aus dem Brunnen
ein Kranich, mit seinen Sehnsuchtsflügeln
den Himmel durchpflügend
und aus den Wolken kelternd
den einen, alles umfangenden Sinn.

Bogdan Loebl: Wieś

Vertonung von Michał Miotke mit der Band Cztery Pory Miłowania(aus dem Album W zamyśleniu / Gedankenversunken; 2020):

Live-Aufnahme:

Albumfassung

Infos zu Bogdan Loebl in dem Beitrag Ein polnischer Blues-Dichter

Podcast zu Bogdan Loebl

Bild: KI

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