Gespräche mit Paula/8
„Willst du ernsthaft behaupten, dass umso weniger Demokratie möglich ist, je mehr Menschen in einem Gemeinwesen leben? Dann könntet ihr die Demokratie bei euch ja gleich ganz abschaffen!“
Das Bild des Anderen
Zu den Dingen, die mich am meisten beunruhigen, gehört es, wenn Menschen, denen man sich besonders nahe fühlt, von einer Sekunde zur anderen nicht mehr die zu sein scheinen, für die man sie gehalten hatte.
Ich meine damit nicht die banale Tatsache, dass man einen anderen Menschen nie ganz kennenlernen kann, dass man immer wieder neue Facetten an anderen entdecken kann, die einen in positiver oder negativer Hinsicht überraschen können. Was ich dabei vor mir sehe, ist vielmehr ein Gesicht, das einem vor den Augen verschwimmt, ein Gesicht, das seine Form verliert wie ein über die Ufer tretender Fluss.
Rein rational betrachtet, ist das ja noch nicht einmal etwas, worüber man sich besonders wundern oder was einen gar erschrecken müsste. Schließlich sehen wir einen anderen Menschen niemals so, wie er in Wirklichkeit ist. Was wir von ihm wahrnehmen, ist vielmehr ein Produkt aus Erinnerungen an andere Menschen, aus Erlebnissen, die wir mit ihm teilen, und Hoffnungen oder Ängsten, die wir mit seiner Bekanntschaft verbinden.
In gewisser Weise werfen wir so jedem Menschen, dem wir uns emotional nähern, eine Maske über, die er in unserer Gegenwart zu tragen hat. Auch wenn diese Maske immaterieller Natur ist und nur in unserer eigenen, subjektiven Wahrnehmung existiert, so entfaltet sie doch eine so machtvolle Wirkung, dass der Andere sein Verhalten an sie anpasst und auf ihrer Grundlage ein „Sein-für-uns“ entwickelt, das er nur in der Begegnung mit uns zeigt.
Das Gitterwerk dieses Erwartungskäfigs ist so dicht, dass es nur in seltenen Ausnahmesituationen aufbricht und einen Blick auf die von ihm verdrängte Wirklichkeit zulässt. Dies verstärkt noch den bedrohlichen Charakter, den derartige Ausbrüche für uns haben.
Sie offenbaren uns nicht nur, dass das, was wir für das Erscheinungsbild des Anderen gehalten hatten, in Wahrheit nur das Gespinst aus Träumen, Ängsten und halb unbewussten Erinnerungen war, das wir selbst auf sein Gesicht projiziert haben. Vielmehr enthüllt sich in dem Zerfließen der Maske, die wir dem Anderen übergestülpt hatten, urplötzlich auch das Schächtelchen des Weltbilds, in das wir das tendenziell unfassbare, chaotische Weltgeschehen zu zwängen pflegen, in seiner ganzen Lächerlichkeit.
Paulas Novemberdepression
Mit Paula ist es mir nur ein einziges Mal so ergangen. Das war, als sie ihren Besuch bei mir wegen unaufschiebbarer Angelegenheiten daheim vom August auf den November hatte verlegen müssen.
Die ganze Zeit über herrschte das für die Jahreszeit typische trübe Herbstwetter. Zuweilen war der Nebel so dicht, dass man selbst die Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite nur schemenhaft erkennen konnte. Die Bäume verloren sich ganz im Nebel, ihre Arme griffen ins Leere, kraftlos warfen sie die letzten Blätter von sich.
Ich hatte eigens für Paulas Besuch die Veranstaltungslisten aller möglichen kulturellen Einrichtungen studiert, hatte Kino- und Theaterbesuche eingeplant und auch einen Gang in den Zoo in Erwägung gezogen. Schließlich kann man auch im November sein Leben genießen, wenn man sich von diesem miesepetrigen Monat nicht die Stimmung diktieren lässt.
Aber schon nach wenigen Tagen konnte ich Paula kaum noch dazu bewegen, die Wohnung zu verlassen. Sie hing die meiste Zeit über auf dem Sofa herum, blätterte lustlos in alten Zeitschriften oder sah einfach nur mit leeren Augen aus dem Fenster. Wenn ich sie ansprach, gab sie – was ganz untypisch für sie ist – nur einsilbige Antworten. Und als ich ihr, um sie aufzuheitern, ihren Lieblingscocktail mixte, bedankte sie sich nur mit einem freudlosen Nicken und ließ das Getränk dann unberührt auf dem Couchtisch stehen.
Nun ist die Novemberdepression ein weit verbreitetes Phänomen, das – weil vorübergehender Natur – an sich nicht weiter beunruhigend ist. In Paulas Fall konnte ich die Stille, die sich dadurch in der Wohnung ausbreitete, jedoch kaum ertragen. Etwas Unheimliches ging von ihr aus, wie bei einem Einbrecher, den man nachts plötzlich im Nebenzimmer hantieren hört und von dem man genau weiß, dass er einem mit sicherem Griff das Liebste rauben wird, das man besitzt.
Paula war einfach nicht mehr Paula. Sie, die sonst immer mit der Energie einer jungen Katze von einer Idee zur nächsten sprang und ständig irgendeinen Schabernack im Kopf hatte, lag nun ermattet wie ein gealterter Stubentiger auf dem Sofa herum. Es war kaum mitanzusehen!
Der Parteitags-Guru
In meiner Verzweiflung tat ich schließlich etwas, das ich sonst in Anwesenheit von Paula tunlichst vermeide: Ich schaltete den Fernseher ein. Genau jene bebilderte Leere, von der ich sonst meine gemeinsamen Tage mit Paula nicht beschmutzen lassen wollte, erschien mir nun als Rettungsanker. Vielleicht könnte ich Paula, die sonst nie fernsah, durch die ungewohnte Bilderflut ja aus ihrer Lethargie reißen.
Unglücklicherweise übertrug das Programm, das als Erstes auf dem Bildschirm erschien, ausgerechnet einen Parteitag. Gerade hielt der Vorsitzende seine genau einstudierte Rede, getragen von dem üblichen Wechsel aus monotonem Selbstlob und dem theatralischen „Das-ist-unerträglich-wir-machen-alles-besser“-Crescendo.
Paula gähnte herzhaft, hatte sich aber doch dem Bildschirm zugewandt. Rasch wählte ich ein anderes Programm, um die zurückkehrenden Lebensgeister nicht gleich wieder von der gepflegten Parteitagslangeweile ersticken zu lassen.
Zu meiner Überraschung protestierte Paula jedoch, als ich weiterzappte. „Schalt doch noch mal auf das andere Programm um!“ bat sie mich.
Nachdem ich ihrer Bitte nachgekommen war, begutachtete sie mit wachsendem Interesse die zweifelhaften Rhetorikkünste des zappelnden Herrn am Rednerpult.
Wozu Parteitage doch gut sind, dachte ich bei mir, während ich ebenso erstaunt wie erleichtert das wieder aufflammende Feuer in Paulas Augen sah. Schließlich fühlte ich mich, da ich sie aus egoistischen Motiven nicht vor der Reise in den deutschen Herbst gewarnt hatte, nicht ganz unschuldig an ihrer depressiven Verstimmung.
„Ich habe noch nie einen Guru gesehen, der so wenig Ausstrahlungskraft besitzt und seine Gemeinde dennoch so fest im Griff hat!“ bemerkte Paula schließlich irritiert.
„Das ist ja auch kein Guru, sondern der Vorsitzende einer großen Partei“, korrigierte ich sie schmunzelnd.
Paula sah mich verständnislos an: „Einer Partei?“
Ausnahmsweise war mir ihr staunender Kinderblick, der in der Regel der Auftakt zu einer Reihe bohrender Fragen war, einmal nicht unangenehm – war er doch ein deutliches Zeichen dafür, dass das Interesse an ihrer Umwelt wieder in ihr erwacht war.
„Die Parteien sind bei uns ein wesentliches Element der demokratischen Mitbestimmung“, erklärte ich ihr. „Bei einem Volk von mehreren Millionen kann man nun einmal nicht über alles selbst entscheiden. Wir haben deshalb eine repräsentative Demokratie, bei der wir Vertreter wählen, die dann für uns die zentralen politischen Entscheidungen treffen. Dabei kommt den Parteien eine Schlüsselrolle zu.“
„Dann ist dieser scheinbare Guru also eine Art Fürsprecher, an den ich mich wenden kann, wenn ich bei einer Angelegenheit Unterstützung brauche?“ fragte Paula nach.
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, das ist nur der oberste Repräsentant der Partei – derjenige, der den Laden zusammenhält, ihr Gesicht nach außen. Und die Parteien selbst sind auch weder Fürsprecher, noch treffen sie selbst die politischen Entscheidungen. Sie entsenden vielmehr, je nach dem Anteil der Stimmen bei den Wahlen, Vertreter ins Parlament, wo dann die Beschlüsse gefasst werden.“
„Und warum kann ich dann nicht gleich die Vertreter wählen?“ wollte Paula wissen.
„Weil die Parteien die Gewähr dafür bieten, dass die von ihnen entsandten Vertreter einer bestimmten politischen Richtung folgen“, erläuterte ich. „Außerdem sind das allesamt Profis, die wissen, wie man sich im Politikbetrieb bewegt und wie bestimmte Ideen politisch durchzusetzen sind.“
Paula legte die Stirn in Falten. „Also was jetzt? Entsenden die Parteien nur Vertreter ins Parlament, oder treffen sie doch selbst die Entscheidungen?“
Demokratie oder Vorsitzokratie
Jetzt fühlte ich mich doch ein wenig genervt von der Fragerei. Dass Paula auch immer alles ganz genau wissen musste!
Ich atmete tief durch, dann stellte ich klar: „Als ich gesagt habe, dass die Parteien nicht selbst die Entscheidungen treffen, habe ich ja nur gemeint, dass sie erst Vertreter ins Parlament entsenden müssen, die dort mit den Vertretern der anderen Parteien über die politischen Entscheidungen debattieren. Aber natürlich stehen die Parteien für bestimmte Inhalte und Programme, die sie dann auch im Parlament umzusetzen versuchen – sonst bräuchte man sie ja gar nicht.“
Paula strich sich eine Locke aus der Stirn. „Dann entsendet jede Partei also ihre Führer ins Parlament, wo sie dann in Auseinandersetzung mit den Führern der anderen Parteien ihre Positionen durchzusetzen versuchen?“
„Nein-nein“, schüttelte ich wieder den Kopf. „Im Parlament sitzen natürlich viel mehr Politiker. Es ist ja eine Volksvertretung, keine Parteienvertretung! Deshalb sollen auch aus allen Regionen des Landes Menschen im Parlament vertreten sein.“
Paula nippte nun doch kurz an ihrem Cocktail. „Heißt das, dass die Parteien nur grob die Richtung vorgeben, die endgültige Entscheidung aber von den Vertretern der Regionen getroffen wird?“ erkundigte sie sich dann.
„Nein, so ist es natürlich nicht“, seufzte ich. „Die von den Parteien ins Parlament entsandten Vertreter müssen sich schon an die Beschlüsse der Partei halten. Im Parlament bilden sie eine Fraktion, die dann meist auch geschlossen abstimmt. Für die Einhaltung der Fraktionsdisziplin zu sorgen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Fraktionsvorsitzenden.“
Paula verzog spöttisch das Gesicht. „Dann habt ihr wohl eher eine Vorsitzokratie als eine Demokratie …“
Ich fühlte mich schon wieder von ihr in die Enge getrieben. Paula wusste doch ganz genau, was ich meinte! Sie missverstand meine Worte absichtlich, um mich zu provozieren. „Ganz ohne Hierarchien geht es nun einmal nicht!“ entgegnete ich daher entsprechend gereizt. „Sonst wäre das Parlament ja kein Entscheidungsgremium, sondern ein reiner Debattierclub.“
„Aber du hast doch vorhin gesagt, das Parlament wäre gerade fürs Debattieren da“, wandte Paula ein.
„Schon“, gestand ich ihr zu, „aber es muss doch auch entscheidungsfähig sein. Und dafür brauchen die Debatten eben eine bestimmte Struktur und Richtung.“
„Also wenn die Debatten in eurem Parlament genauso aussehen wie auf dem Parteitag da“ – Paula zeigte auf den Fernseher –, „dann haben sie ohnehin nicht viel mit Debattieren zu tun. Dieser Guru da, den du als Parteivorsitzenden bezeichnest, hält ja immer noch seinen Monolog!“
„Nun ja“, musste ich zugeben, „die Parteitage sind heute in der Tat eher Showveranstaltungen für die Öffentlichkeit, bei denen die Parteien ihre Repräsentanten ins rechte Licht rücken. Die Diskussionen über die zentralen Beschlüsse laufen meist schon im Vorfeld ab.“
Damit gab Paula sich aber erst recht nicht zufrieden. „Ehrlich gesagt, habe ich den Eindruck, dass ihr die Demokratie eher inszeniert, anstatt sie zu leben“, maulte sie. „Wenn bei uns wichtige Entscheidungen anstehen, kommen wir …“
„Ja, ich weiß“, unterbrach ich sie, „ihr kommt alle am Strand zusammen, trinkt Palmwein und diskutiert miteinander, bis auch der Letzte mit der Entscheidung einverstanden ist. Aber bei einem Volk von 80 Millionen ist so etwas nun einmal nicht möglich.“
„Na hör mal!“ gab Paula leicht eingeschnappt zurück. „Immer wenn wir über solche Dinge reden, tust du so, als wäre die Demokratie nur etwas für kleine Inselgemeinschaften. Willst du etwa ernsthaft behaupten, dass umso weniger Demokratie möglich ist, je mehr Menschen in einem Gemeinwesen leben? Dann könntet ihr die Demokratie bei euch ja gleich ganz abschaffen!“
„Tut mir leid“, entschuldigte ich mich. „Ich wollte dich nicht kränken. Aber du musst doch zugeben, dass demokratische Entscheidungsprozesse bei uns schwerer zu organisieren sind als in eurem kleinen Inselparadies.“
Paula sah mich herausfordernd an. „Lass es uns doch einfach mal probieren!“ schlug sie vor. Damit erhob sie sich vom Sofa, nahm einen Stift und Papier zur Hand und setzte sich an den Tisch. Dann verkündete sie mit gespieltem Pathos: „Hiermit erkläre ich den Verfassungskonvent für eröffnet!“
Verfassungsreform am Küchentisch
Da war es wieder – das Blitzen in ihren Augen! Paula war endgültig von ihrer Novemberdepression geheilt. Dann hat unser interkultureller Disput dieses Mal wenigstens einem guten Zweck gedient, sagte ich mir.
Ich zierte mich deshalb auch nicht lange und ließ mich bereitwillig auf ihre kleine revolutionäre Spielerei ein. Was dabei herauskommen würde, war mir im Grunde einerlei. Viel wichtiger war mir, mich wieder an Paulas Begeisterung wärmen zu können, an ihrer kindlichen Freude über den freien Flug der Ideen.
Paulas Art, ihre Gedanken Purzelbäume schlagen zu lassen und noch die verrückteste geistige Figur, die dabei entstand, auszumalen und fortzuspinnen, hatte etwas ausgesprochen Mitreißendes. Nachdem wir die halbe Nacht an unserer Verfassungsreform gearbeitet hatten, hatte daher auch ich das Gefühl, die Welt verändert zu haben. Noch heute steigt in mir, wenn ich das Ergebnis unserer Nachtarbeit betrachte, das Gefühl der Befreiung auf, das sich damals in mir ausgebreitet hatte.
Hier die zentralen Punkte unseres Entwurfs (bei kursiv gesetzten Passagen konnten wir uns nicht auf eine gemeinsame Position einigen):
Paulas Verfassungsreform
Grundzüge einer Reform der demokratischen Mitbestimmung
- Die Gründung von Parteien ist verboten. Wer andere durch Cliquenbildung oder Gruppendruck daran hindert, sich frei und unabhängig eine Meinung zu bilden, wird bis auf weiteres vom Prozess der demokratischen Entscheidungsfindung ausgeschlossen.
- Der demokratische Diskussionsprozess erfolgt sachorientiert und themenzentriert, nicht personenbezogen. Zum Zweck der Entscheidungsfindung werden in einer breit angelegten Diskussion, die parallel in allen Medien geführt werden soll, relevante Sachgebiete festgelegt. Zu diesen werden in allen Wahlbezirken Arbeitsgruppen eingerichtet.
- Art und Anzahl der für relevant erklärten Sachgebiete und Themengruppen können jederzeit der aktuellen Entwicklung angepasst werden. Wenn in einer hinreichenden Zahl (Paula: in 25 %; ich: in 50 %) der Wahlbezirke Arbeitsgruppen zu einem neuen Sachgebiet eingerichtet werden, müssen auch in allen anderen Wahlbezirken entsprechende Arbeitsgruppen gebildet werden.
- Die Mitarbeit in den einzelnen Arbeitsgruppen steht jedem Mitglied der Gemeinschaft, unabhängig von der Staatsangehörigkeit, frei.
- Die Arbeitsgruppen wählen aus ihrer Mitte Vertreter in die Kreisversammlungen für die einzelnen Sachgebiete. Aus diesen werden Vertreter in die Landesversammlungen entsandt, die wieder Vertreter für die Bundesversammlungen der Arbeitsgruppen bestimmen.
- Um als Vertreter für ein Sachgebiet nominiert werden zu können, sind entsprechende Qualifikationsnachweise vorzulegen. Dies kann durch entsprechende Zeugnisse über einschlägige Studien und/oder durch Nachweise über praktische Erfahrungen erfolgen. (Paula: Auch eine Wissensaneignung über autodidaktische Fortbildungen kann anerkannt werden, sofern sie durch entsprechend qualifizierte Diskussionsbeiträge in den Arbeitsgruppen nachgewiesen wird.)
- Alle Diskussionen werden live im Internet übertragen und können dort auch kommentiert werden. Zusätzlich werden Ergebnisprotokolle ins Netz gestellt und in den örtlichen Mitteilungsblättern veröffentlicht.
- Die auf den Bundesversammlungen der Delegierten für die einzelnen Sachgebiete gefassten Beschlüsse werden auf den unteren Ebenen erneut diskutiert. Die Bezirks-, Kreis- und Landesversammlungen können Änderungsanträge einbringen und müssen vor der endgültigen Beschlussfassung gehört werden. (Paula: …müssen dem endgültigen Beschluss zustimmen. Sofern bundeseinheitliche Regelungen nicht zwingend erforderlich sind, können in Einzelfällen auf Landes-, Kreis- und Bezirksebene auch abweichende Beschlüsse gefasst werden.)
- Die Bundesdelegierten für die einzelnen Sachgebiete beschließen gemeinsam die zu erhebenden Steuern und Abgaben sowie die Verteilung der eingenommenen Mittel auf die einzelnen Sachgebiete. Die Abgabenlast ist nach sozialen Kriterien zu staffeln. Um Streit zwischen den Vertretern der einzelnen Sachgebiete zu vermeiden, wird ein Mindestprozentsatz festgelegt, der jedem Sachgebiet zusteht.
- Die Bundesdelegierten für die einzelnen Sachgebiete wählen aus ihren Reihen Vertreter, die für das Land in internationalen Gremien die Verhandlungen führen.
- Die Gesamtheit der Bundesdelegierten benennt einen „primus inter pares“, der zu gemeinsamen Sitzungen mit den Führern anderer Länder entsandt wird. (Paula: Es gibt keinen „primus inter pares“. Das Führerprinzip wird kompromisslos abgeschafft. An Sitzungen mit Ländern, die am Führerprinzip festhalten, nehmen wechselnde Vertreter der Bundesdelegierten teil, die nach einem rotierenden Prinzip und in Abhängigkeit von den zu behandelnden Themen bestimmt werden.)
- Alle Delegierten werden für die Dauer von zwei Jahren gewählt. Sie können jederzeit per Misstrauensvotum abberufen werden. Die maximale Frist für ein Delegiertenmandat beträgt vier Wahlperioden.
Bild: Feierliches Kavatrinken auf Tonga (Kava: Pflanze mit entkrampfender, leicht berauschender Wirkung); aus: Buschan, Georg: Die Sitten der Völker: Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde, Abb. 48. Stuttgart 1914: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
