Geständnis im Nebel / Confession in the Fog

Zacharias Mbizo: Glücklose Heimkehr / Luckless Homecoming

Gesa erzählt Achmet, wie es ihr nach der Teilnahme an dem Experiment von Dr. France ergangen ist. Es ist das Letzte, was sie ihm sagen kann.

English Version

Hörfassung:

Vor Ginas Haus floss träge ein Kanal, an dem ein paar Bäume Spalier standen für die Erholungsnotdurft der hier lebenden Menschen. Die Nebelschwaden waren noch einmal dichter geworden. Mit der Geste einer Mutter, die ihre Söhne in den Krieg verabschiedet, strichen sie durch das schüttere Blätterhaar der Birken, umhüllten es mit ihrem Schleier, als könnten sie es so vor seinem Geschick bewahren.
Geistesabwesend gingen Gesa und ich nebeneinander her. Ein wenig fühlte ich mich selbst wie ein Blatt, das von dem Aderwerk seines Baumes abgenabelt wird. Immer mehr löste ich mich aus jener Welt, in die ich unbedingt hatte zurückkehren wollen. Und je fremder sie mir wurde, desto gleichgültiger wurde sie mir auch, desto weniger kümmerte mich das Los derer, die noch in ihr beheimatet waren.
„Komm, wir setzen uns auf die Bank da“, schlug Gesa vor.
Die Bank war ganz nass vom Nebel, aber wir spürten nichts davon. Es spielte keine Rolle für uns, ob es feucht oder trocken, warm oder kalt war. Auch ob wir standen oder saßen, war im Grunde einerlei. Wenn wir uns trotzdem hinsetzten, so geschah dies mehr aus einer Angewohnheit heraus, aufgrund von Konventionen, die früher einmal für uns gegolten hatten.
Eine Zeit lang fuhren wir fort, unsere leeren Blicke mit der Leere des Nebels zu füllen. Es war ganz still um uns her. Der Puls der Stadt, die sich in stampfender Raserei immer wieder neu erschuf und zerstörte, wurde fast vollständig von dem bleichen Nebeltuch verschluckt. Nur das Rascheln zweier Amseln, die sich gegenseitig das Würmerjagdrevier streitig machten, war zu hören. Eine nicht ganz ungefährliche Eifersüchtelei, da sich so die Katze, die ihnen im Gebüsch auflauerte, unbemerkt an sie heranpirschen konnte.
Ich sah zu Gesa herüber, ohne dass diese meinen Blick erwiderte. Ihre Gestalt hatte etwas Schwankendes an sich, als wäre sie nur ein Spiegelbild auf einem Teich, das zwischen den Wellen zerfließt.
Seltsam – ich hatte Gesa die ganze Zeit über mit jenen halblangen Haaren vor mir gesehen, die damals, als wir zusammengelebt hatten, ihr Gesicht umlockt hatten. Jetzt aber, bei näherer Betrachtung, war ich mir plötzlich gar nicht mehr sicher, ob ihre Frisur noch dieselbe war wie früher. Ja, ich konnte noch nicht einmal mit Gewissheit feststellen, ob sie überhaupt Haare auf dem Kopf hatte.
„Was ist eigentlich aus dir geworden, nachdem dieser Gehirnoptimierer sich an dir zu schaffen gemacht hat?“ fragte ich, um das aufkommende Unbehagen in mir zu verdrängen.
Sobald ich die Worte ausgesprochen hatte, bereute ich die Frage auch schon. Erst da wurde mir bewusst, dass ich im Begriff war, das zu zerstören, was Gesa für mich bedeutete: eine Brücke in meine frühere Existenz. Aber nun war es zu spät, ich konnte die Worte nicht mehr zurücknehmen.
Gesa zuckte mit den Schultern: „Eine Art Super-Woman – was sonst?“
Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: „Ich denke, es ist wie bei einem Schlafmittel – man kann sich der Wirkung dieses ominösen Präparats einfach nicht entziehen. Oder hast du schon mal von jemandem gehört, der immun ist gegen Schlaftabletten?“
„Jeder schläft ein, wenn er ein Schlafmittel einnimmt – aber nicht jeder träumt dasselbe“, wandte ich ein.
Währenddessen schnellte die Katze lautlos aus ihrem Versteck und stürzte sich auf eine der streitsüchtigen Amseln. Allerdings war der Sprung offenbar nicht perfekt angesetzt. Vielleicht hatten der Nebel oder die ständigen Bewegungen der potenziellen Opfer der Angreiferin die Orientierung erschwert. Jedenfalls gelang es dem Vogel, sich unter heftigem Flügelschlagen aus den Fängen des Raubtiers zu befreien. Die Katze blieb allein mit ihrer Mordlust zurück, im Maul eine schwarze Feder, eine Karikatur ihrer selbst.
Gesa nickte: „Ich weiß, worauf du hinauswillst, und es stimmt ja auch: Das Präparat von Dr. France kann bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedliche Ergebnisse zeitigen. Diese beruhen aber alle auf dem gleichen Wirkprinzip. Das Präparat dockt an deine Träume an, es kapert sie gewissermaßen – und schmilzt sie dann um wie einen erbeuteten Goldschatz. Oder es dringt in ihre leere Hülle ein, wenn veränderte Lebensumstände die Träume gegenstandslos machen.“
Sie verstummte für einen Augenblick. Anscheinend fiel es ihr nicht leicht, von dem Eingriff des Präparats in ihr Leben zu berichten.
„Das, was sich bei mir als entscheidendes Einfallstor für das Teufelszeug erwiesen hat“, erzählte sie schließlich, „war mein Kinderwunsch. Wenn er auch für mich persönlich durch die Teilnahme an dem Experiment jede Anziehungskraft verloren hatte, so war er doch weiterhin eine Art Anker in meinem emotionalen Koordinatensystem. Ich hatte eben ein sehr genaues Gespür dafür entwickelt, wie stark dieser Wunsch das eigene Denken und Handeln bestimmen kann. So entstand in mir die Idee zur Gründung eines Zentrums für angewandte Präimplantationsoptimierung, das ich später mit dem Kürzel ZAP bewarb.“
Während Gesa fast tonlos von ihrer zweiten Existenz berichtete, löste sich der Nebel mehr und mehr auf. An die Stelle des Gefühls, in ein Meer aus Wolken gebettet zu sein, trat der Eindruck, in einer Kathedrale aus flüssigem Glas zu sitzen, die sich, von brennenden Pfeilen bedrängt, allmählich in nichts auflöste. Es war eine Atmosphäre, die mir beinahe körperliches Unbehagen bereitete – fast so, als wäre ich selbst ein Teil der sich zersetzenden Kathedrale.
Fröstelnd wandte ich mich wieder zu Gesa um – und zuckte unwillkürlich zusammen: Die stärker werdenden Sonnenstrahlen schnitten mitten durch sie hindurch, sie durchbohrten sie wie blitzende Schwerter. Ihre Erscheinung kam mir nun vor wie eine Gebirgskette, die sich bei abklingendem Föhn in der Ferne verliert. Ob meine Konturen wohl auch vor ihren Augen verschwammen?
Gesa selbst schien die Veränderung ihres äußeren Erscheinungsbilds allerdings gar nicht zu bemerken. Sie erzählte einfach weiter, als wäre ihr Inneres unabhängig von der Gestalt, die sich meinen Blicken darbot.
„Anfangs war da durchaus ein gewisser Idealismus mit im Spiel“, erinnerte sie sich. „Ich fühlte mit den Paaren mit, die sich hilfesuchend an mich wandten, ich fand Erfüllung darin, ihnen bei der Erfüllung ihrer Wünsche zu helfen. Mit der Zeit verschoben sich die Akzente jedoch immer mehr. Wichtig war mir nun nicht mehr das Glück derer, die bei mir um Unterstützung nachsuchten, sondern der unternehmerische Erfolg, den ich damit erzielen konnte. Das ging schließlich so weit, dass ich nur noch für diesen Erfolg lebte, oder vielmehr: dass ich mich nur noch lebendig fühlte, wenn ich die Gewinnkurven meines Unternehmens auf immer neue Rekordstände hochpeitschen konnte.“
Je mehr sich der Nebel auflöste, desto mehr zerfloss Gesas Gestalt vor meinen Augen. Sie wirkte auf mich nun wie ein Kippbild, wie eine Figur, die man in die Wolken hineinsieht und die verschwindet, sobald man einen anderen Blickwinkel einnimmt.
„Am Ende“, hörte ich eine Stimme sagen, deren Körper sich nur noch schemenhaft vor mir abzeichnete, „wurde der Erfolg für mich zu einer Droge, für deren Beschaffung mir jedes Mittel recht war. Ich baute mir im Ausland ein Netz kostengünstiger Leihmütter auf, ich hortete überzählige Embryonen, und ich entwickelte spezielle Marketingstrategien zur Erfolgssteigerung.“
Ein letztes Mal leuchteten Gesas Augen mir im Licht der stärker werdenden Sonnenstrahlen entgegen. Gleichzeitig verblasste ihr Körper wie eine Nebeldecke über einer sommerlichen Wiese.
„Was mir bei meinen Geschäften besonders zugutekam“, gestand sie mir, „war mein Sensorium für die intimsten Bedürfnisse meiner Kundschaft, über die sich diese oft selbst gar nicht im Klaren war. Saßen mir bildungsbürgerliche Paare gegenüber, so raunte ich von der Möglichkeit einer ‚goetheanischen Geburt‘ oder von wahren ‚Einstein-Eizellen‘, die sich in meinem Fundus befänden. Hatte ich es mit besonders gesundheitsbewussten oder sportbegeisterten Paaren zu tun, schwärmte ich vom ‚Triathlon-Typus‘ unter den tiefgekühlten Embryonen.“
Gesas Gestalt bekam nun, da sich auch noch die letzten Nebelreste auflösten, etwas Irisierendes. Für einen kurzen Augenblick schienen noch einmal alle Facetten ihres Daseins aufzuleuchten. Unmittelbar darauf verblasste die bunt schillernde Hülle jedoch endgültig und zerteilte sich wie ein Regenbogen, der vom Horizont verschluckt wird, zu farblosem Dunst.
Die ganze Zeit über war Gesas Stimme von dem sie erfassenden Zersetzungsprozess unbeeinflusst geblieben. Es war, als würden ihre Worte ihre Existenz überdauern, als würden sie einer anderen, unzerstörbaren Sphäre angehören. Hastig versuchte ich daher, sie anzusprechen, wie um ihr dadurch einen Rettungsring zuzuwerfen, der sie vor ihrem Untergang bewahren würde.
„Und diesen Hokuspokus hat man dir abgenommen?“ fragte ich.
„Das war ja gerade das Erstaunliche“, antwortete mir eine körperlose Stimme, von der ich nicht sagen konnte, ob ich sie wirklich hörte oder mir ihre Existenz nur einbildete. „Meine Ausstrahlung war so überzeugend, dass niemals jemand an meinen Versprechungen gezweifelt hat, so abwegig sie auch sein mochten.“
Nun war gar nichts mehr von Gesa zu sehen. Da ich jedoch den Eindruck hatte, ihre Anwesenheit noch immer zu spüren, streckte ich instinktiv die Hand nach ihr aus. Tatsächlich hatte ich – obwohl ich ins Nichts griff – das Gefühl, als würden meine Finger in ein unsichtbares Energiefeld eindringen. Ich musste mir allerdings eingestehen, dass dies auch pure Einbildung sein konnte, ein Echo meines inneren Erlebens, das im Spiegel der Welt nach Bildern seiner selbst suchte.
Offenbar war Gesa bereits einige Zeit vor mir in die Welt zurückgekehrt. So war für sie nun auch die Zugabe zu Ende, die ihr gewährt worden war. Der Vorhang ihres Lebens war endgültig gefallen.
Mir kamen all die Abende in den Sinn, an denen ich nach einer Vorstellung aufgewühlt im Bett gelegen hatte und mir, um einschlafen zu können, den sich senkenden Vorhang ins Gedächtnis zurückgerufen hatte. Während ich mich damals jedoch von der Erinnerung an den abebbenden Beifall in den Schlaf hatte wiegen lassen, verstärkte das Bild meine Unruhe jetzt nur, da ich es unwillkürlich mit einem herabsausenden Fallbeil in Verbindung brachte. Zum ersten Mal fühlte ich in aller Deutlichkeit, dass ich eine völlig leblose Existenz führte.
Wenn ich mich dennoch von der Bank erhob und wieder den Weg zur Zentrale von Visions for Humanity einschlug, so geschah dies nicht in der Hoffnung, mich dadurch aus dem labyrinthischen Rätsel zu lösen, in dem mein gewesenes Dasein sich verfangen hatte. Ich glaubte längst nicht mehr an Erlösung. Was mich antrieb, war lediglich die blinde Mechanik meiner Existenz, die auf die Klärung eben dieses Rätsels ausgerichtet war.
Abgesehen davon, hätte ich auch gar nicht gewusst, wie ich mich aus meiner neuen Existenz hätte herausstehlen sollen. Schließlich kann jemand, dessen Leben bereits hinter ihm liegt, sich ja schlecht das Leben nehmen.

English Version

Confession in the Fog

Gesa tells Ahmet about the path her life has taken after her participation in Dr. France’s experiment. It is the last thing she can say to him.

A canal flowed lazily in front of Gina’s house, bordered by a few trees for the residents‘ recreation. The clouds of fog had become thicker once again. With the gesture of a mother seeing her sons off to war, they stroked through the sparse leafy hair of the birch trees, enveloping them with their veil as if to protect them from their fate.
Absent-mindedly, Gesa and I walked side by side. I felt myself a little like a leaf being cut off from the veins of its tree. More and more I detached myself from that world to which I had desperately wanted to return. And the more it became alien to me, the more indifferent I became to it, the less I cared about the fate of those who were still at home in it.
„Let’s have a seat on that bench,“ Gesa suggested.
The bench was all wet from the fog, but we didn’t feel a thing. It didn’t matter to us whether it was damp or dry, warm or cold. It also didn’t matter whether we were standing or sitting. If we sat down anyway, it was more out of habit, because of conventions we had once followed.
For a while we continued to fill our empty gazes with the emptiness of the mist. There was silence all around us. The pulse of the city, constantly creating and destroying itself in a pounding frenzy, was almost completely swallowed up by the pale shroud of fog. Only the rustling of two blackbirds competing for the worm-hunting territory could be heard. A not entirely harmless form of jealousy, as this allowed the cat lurking in the undergrowth to sneak up on them unnoticed.
I looked over at Gesa without her answering my gaze. There was something wavering about her figure, as if she were just a reflection on a pond, melting between the waves.
It was strange – all this time I had seen Gesa with those half-length curls that had surrounded her face back when we had lived together. But now, on closer inspection, I was suddenly no longer sure whether her hairstyle was the same as before. In fact, I couldn’t even tell with certainty whether she had any hair on her head at all.
„What actually happened to you after that brain optimiser’s tinkering with you?“ I asked, trying to suppress the unease rising inside me.
As soon as I had uttered the words, I regretted the question. Only then did I realise that I was about to destroy what Gesa meant to me: a bridge to my former existence. But now it was too late, I couldn’t take back the words.
Gesa shrugged her shoulders: „A kind of super-woman – what else could have become of me?“
After a short pause, she added: „I think it’s like with sleeping pills – you just can’t escape the effects of this ominous drug. Or have you ever heard of someone who is immune to sleeping pills?“
„Everyone falls asleep when taking a sleeping pill – but that doesn’t mean that everyone has the same dreams,“ I objected.
Meanwhile, the cat leapt silently from its hiding place and pounced on one of the quarrelling blackbirds. However, the leap was obviously not perfectly timed. Perhaps the fog or the constant movements of the potential victims had made the attack more difficult. In any case, the bird managed to free itself from the predator’s clutches, flapping its wings violently. The cat was left alone with its lust for murder, a black feather in its mouth, a caricature of itself.
Gesa nodded: „I know what you’re getting at, and it’s true: Dr. France’s compound can produce a wide range of different effects. But they are all based on the same operating principle. The substance attaches itself to your dreams, it hijacks them, so to speak – and then melts them down like a looted treasure. Or it penetrates their empty shell when changed life circumstances render the dreams irrelevant.“
She fell silent for a moment. Apparently it was not easy for her to tell of the compound’s intervention in her life.
„The thing that proved to be a decisive gateway for the diabolical stuff in my case,“ she finally recounted, „was my desire to have children. Even if it had lost all attraction for me personally through my participation in the experiment, it was still a kind of anchor in my emotional coordinate system. It had helped me to develop a very precise sense of how strongly this desire can determine people’s thoughts and actions. That’s how the idea of founding a Centre for Preimplantation Optimisation arose in me, which I later advertised with the abbreviation CPO.“
While Gesa reported almost tonelessly about her second existence, the fog dissipated more and more. The feeling of being embedded in a sea of clouds was replaced by the impression of sitting in a cathedral of liquid glass that gradually dissolved into nothing in the arrows of light. It was an atmosphere that made me feel almost physically uncomfortable – almost as if I myself were part of the disintegrating cathedral.
Shivering, I turned back to Gesa – and winced involuntarily: The sun’s increasingly strong rays cut right through her, piercing her like flashing swords. Her appearance now seemed to me like a mountain range disappearing into the distance when the foehn dies down. I wondered if my contours were also blurring before her eyes.
Gesa herself, however, did not seem to notice the change in her outer appearance. She just went on talking as if her inner self was independent of the figure before my eyes.
„In the beginning, there was even a certain idealism involved,“ she recalled. „I empathised with the couples who asked me for help, I found fulfilment in helping them fulfil their wishes. Over time, however, the focus shifted more and more. In the end, what mattered to me was no longer the happiness of those who sought my support, but the entrepreneurial success I could achieve with it. In the end I only lived for this success, or rather, I only felt alive when I could drive the profit curves of my company to ever new record levels.“
The more the fog dissipated, the more Gesa’s figure melted before my eyes. She now looked to me like a tilted image, like a figure that you see in the clouds and that disappears as soon as you take a different perspective.
„Thus,“ I heard a voice say, its body only dimly discernible in front of me, „success became a drug for me, and like a drug addict, I procured it regardless of the consequences. I built up a network of low-cost surrogate mothers abroad, I hoarded surplus embryos, and I developed special marketing strategies to increase success.“
One last time, Gesa’s eyes shone at me in the light of the intensifying sunbeams. At the same time, her body faded like a blanket of mist over a summer meadow.
„What particularly benefited me in my business,“ she confessed to me, „was my sensitivity for the most intimate needs of my clients, which they were often not even aware of themselves. When couples with high educational aspirations sat opposite me, I whispered about the possibility of an ‚Aristotelian birth‘ or about true ‚Einstein ova‘ that I had in store. If I was dealing with particularly health-conscious or sports-minded couples, I raved about the ‚triathlon type‘ among the frozen embryos.“
Gesa’s figure took on something iridescent now that even the last remnants of mist were dissipating. For a brief moment, all facets of her existence seemed to light up once again. Immediately afterwards, however, the colourful shimmering shell faded for good and disintegrated into colourless haze like a rainbow swallowed by the horizon.
All this time, Gesa’s voice had remained unaffected by the process of decomposition that was taking hold of her. It was as if her words outlived her existence, as if they belonged to another, indestructible sphere. Hastily, therefore, I tried to address her, as if by doing so I could throw her a lifebelt that would save her from disintegrating.
„And this mumbo-jumbo had the desired effect on your customers?“ I asked.
„That was indeed amazing,“ a disembodied voice answered me, of which I couldn’t tell whether I really heard it or only imagined its existence. „My appearance was so convincing that no one ever doubted my promises, however far-fetched they might have been.“
Finally, Gesa seemed to have completely dissolved into nothing. However, as I had the impression that I could still feel her presence, I instinctively stretched out my hand to where she had just been sitting. In fact, although I was reaching into nothingness, I felt as if my fingers were penetrating an invisible energy field. I had to admit to myself, though, that this could also be pure imagination, an echo of my inner life searching for images of itself in the mirror of the world.
Apparently Gesa had already returned to the world some time before me. So for her, even the encore that had been granted to her was now over. The curtain of her life had definitely fallen.
I remembered all the evenings when I had lain in bed agitated after a performance and, in order to fall asleep, had recalled the lowering curtain. But whereas at that time I had been lulled to sleep by the memory of the fading applause, now the image only intensified my restlessness because I involuntarily associated it with a guillotine whizzing down. For the first time, I felt in all clarity that I was leading a completely lifeless existence.
The fact that I nevertheless rose from the bench and made my way back to the premises of Visions for Humanity was not motivated by the hope that this would free me from the labyrinthine puzzle in which my former existence had become entangled. I no longer believed in salvation. What spurred me on was merely the blind mechanics of my existence, which were focused on the clarification of this very riddle.
Apart from that, I wouldn’t have known how to steal myself out of my new existence. After all, someone whose life is already behind him can hardly take his own life.

Ganzes Buch lesen / The eBook

Gebundene Ausgabe 2015

Zum Buch

überarbeitete Ausgabe 2023

Kindle

ePub (Lehmanns)

eBook:

Bilder / Images: Eugeniu Voinescu (1842 – 1909): Erscheinung / Apparition (Ausschnitt/detail); Wikimedia commons; Michail Malschew / Mikhail Malshev (1852 – 1912): Geist / Ghost (Ausschnitt/detail); Wikimedia commons

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..