Altweibersommer

Ein Text zum sommerlichen Oktober: Das Lächeln, das dir kürzlich entlaufen ist, lag auf einmal wieder vor deiner Tür. Fröstelnd bat es um Einlass, so dass du Mitleid mit ihm hattest und ihm aufgesperrt hast. Als es dir in die Küche gefolgt ist, hast du ihm sogar ein paar alte Erinnerungen aufgewärmt, damit es wieder […]

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Hummelflug

Auf einem Gewitterwind reitest du mitten hinein in die gelbe Wolke des Rapses. Der Duftteppich nimmt dich in sich auf, du bist eine Hummel, eng schmiegst du dich an eine Blüte und saugst aus ihr den bittersüßen Nektar der ewigen Wiederkehr. So versunken bist du in dein Tun, dass du gar nicht merkst, wie der […]

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Nachtgebet

Nachtgebet Am Abend erheben die mönchischen Eichen ihr Gerippe aus tanzenden Zweigen zum Gebet. Ihr schwungvolles Schweigen, ein erstarrter Reigen, lässt deine Seele steigen ins Nichts der Nacht. Ein Mönch, der im Dunkeln erwacht, die Augen gefangen im Netz der Nacht, wartest du auf das Zeichen, auch wenn du weißt: Es wird dich nie erreichen. […]

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Eisiger Morgen

Es war so bitterkalt in der Welt, dass Gott sich gleich nach dem Aufstehen wieder hingelegt hatte. Sofort verbreitete der Eiswind, der alles sah und nichts hörte, die Kunde von seinem Schlaf. Mit verzweifelter Wut schwang er sein Zepter, heulend rüttelte er an den Türen und stäubte haltlos durch die Straßen. Die Stöße seines Atems […]

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November

Eine Meditation mit Bildern und Musik November Lautlos klagen die Nebelweiber im Astwerk deines Lebens. Längst sind die Traumfrüchte abgefallen. Angenagt zerfallen sie auf dem Grund des Zeitsees.   Ermattet streift dein Blick durch den Kreuzgang der Zweige. Und du begreifst: Was du für einen Strauß von Wegen hieltest, ist in Wahrheit nur ein Spinnennetz. […]

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Friedhofstraum II

Selten hast du eine größere Erleichterung empfunden als an diesem Abend, als du nach dem langen Irrweg durch das Labyrinth des Waldes im Tal die Lichter der Stadt aufblinken sahst. Endlich warst du am Ziel angelangt, endlich würdest du dein Haupt zur Ruhe betten können. Beim Durchschreiten der Stadttore wunderst du dich allerdings, wie still […]

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Herbstnacht

Haltlos jagt die Meute der Erinnerungen an der Laterna magica des Mondes vorbei. Kaum hat sich eine von ihnen in dem geisterhaften Licht offenbart, wird sie auch schon von einer anderen verdrängt und ins Dunkel des Vergessens zurückgestoßen. Selten nur gelingt es dir, dein Auge an das Guckloch eines der Gebilde zu pressen und in […]

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Gewitter

Vollkommene, unheimliche Stille. Dann, fast eine Erlösung, das erste Donnergrollen. Ein weiteres Donnern, dann noch eines, ein jedes wie der Widerhall des ersten, und doch aus einem eigenen Schlund aufstoßend, von eigenen Taltrichtern verstärkt. Und ein jedes gefolgt von einer eigenen Armee von Flammenschwertern. Fauchend kreuzen sie ihre Klingen auf dem höllenschwarzen Feld des Himmels. […]

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Die Hyazinthe

Nachdem man dich lebendig begraben hatte, bist du zu deinem eigenen Erstaunen ganz ruhig geblieben. Instinktiv spürtest du, dass du nur dann eine Überlebenschance hättest, wenn du fortan alle Kraft aus dir selber zögest – und dass du mit dieser so sparsam wie irgend möglich haushalten müsstest. – So verging die Zeit, ohne dass du […]

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Das blaue Land

Hinter den durchsichtigen Winterkleidern der Bäume erträumt sich dein Blick ein blaues Land. Ein Land ohne festen Grund, ohne feste Konturen, das in der Ferne mit dem Horizont verschwimmt, grenzenlos. Die Menschen im blauen Land sind durch ein feines Gespinst von Gefühlen miteinander verbunden. Da der Herzschlag des einen stets auch in den Adern der […]

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