Gewitter

1891_Bierstadt_Aufziehendes_Gewitter_im_Tal_anagoria

Vollkommene, unheimliche Stille. Dann, fast eine Erlösung, das erste Donnergrollen. Ein weiteres Donnern, dann noch eines, ein jedes wie der Widerhall des ersten, und doch aus einem eigenen Schlund aufstoßend, von eigenen Taltrichtern verstärkt. Und ein jedes gefolgt von einer eigenen Armee von Flammenschwertern. Fauchend kreuzen sie ihre Klingen auf dem höllenschwarzen Feld des Himmels.

Nicht lange, und der Hagel beginnt seine Vernichtertrommel zu schlagen. Wiehernd bläst der Wind seine Posaune dazu, ein Hengst, der sich in eine Stute rammt. Im wilden Galopp treibt er die Wolkenheere vor sich her, er tanzt sich durch den feuerroten Regen, grimassierend gibt er ihm seine Gestalt. Er, der Unsichtbare, ist auf einmal der einzig Sichtbare. Dunkel leuchtet seine Fratze durch den zerrissenen Himmel.

Ebenso plötzlich aber, wie es sich entzündet hat, erstirbt das Konzert der Gewalten auch wieder. Einzig die Regenharfe webt noch eine Zeitlang kaum hörbar ihre Klage um das ungeborene Korn.

 

Bild: Albert Bierstadt (1830-1902) : Aufziehendes Gewitter im Tal. 1891. Nordsee Museum Husum

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